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Grindr-Mörder: Polizei prüft Fälle

Stephen Port wurde schuldig gesprochen, vier junge Männer umgebracht zu haben

Die Polizei von London hat angekündigt, Dutzende von Todesfällen wieder zu bearbeiten. Im Fokus stehen die Fälle von jungen Männern, bei denen bislang eine Überdosis Drogen angenommen wurde. Es soll überprüft werden, ob sie in Verbindung zu den „Grindr-Morden“ von Stephen Port stehen.

Der 41-Jährige wurde am Mittwoch von einer Jury für schuldig befunden, vier junge Männer getötet zu haben. Sieben weitere soll er Drogen verabreicht und vergewaltigt haben.

58 Fälle werden erneut überprüft

Die Metropolitan Police, das ist die Polizei von London, hat CNN gegenüber erklärt, dass es sich um mindestens 58 Fälle handelt, an denen jetzt wieder gearbeitet wird. Bei allen handelte es sich um Vergiftungen mit der Droge GHB. Sie fanden zwischen Juni 2011 und Oktober 2015 statt – genau im selben Zeitraum, in dem Stephen Port seine Taten beging.

„Es ist nicht bekannt, ob diese Taten in Verbindung zu Chemsex stehen. In vielen Fällen war die Polizei wenig involviert, da sie von der Gerichtsmedizin behandelt wurden“, sagte ein Sprecher CNN. „Eine erneute Untersuchung dieser Todesfälle ist jetzt im Gange, um verdächtige Umstände aufzuklären.“ Die Polizei betonte jedoch, dass bisher nichts darauf hinweise, dass die Fälle etwas mit Ports Taten zu tun haben.

Die Opfer waren zwischen 21 und 25 Jahre alt

Davon sind die Ermittler jedoch auch ausgegangen, als sie die vier Morde untersucht haben, für die Port jetzt schuldig gesprochen wurde. Sie fanden in einem Zeitraum von 15 Monaten statt. Dass die Taten miteinander in Verbindung stehen, konnte die Polizei erst ermitteln, nachdem sie Aufnahmen aus einer Überwachungskamera veröffentlicht hat.

Bei den Opfern handelt es sich um einen 25-jährigen Gabelstaplerfahrer, einen 23-jährigen Modestudenten, einen 22-Jährigen Slowaken sowie einen 21-jährigen Koch. Sie starben an einer Überdosis GHB, das umgangssprachlich als Liquid Ecstasy bezeichnet wird. Bekannt wurde GHB vor allem als „Vergewaltigungsdroge“. (Eine Doku zeigt, wie verbreitet Chemsex in der Londoner Schwulenszene ist – MÄNNER-Archiv.)

Polizeiinterne Ermittlungen gegen mehrere Beamte

Stephen Port habe laut Polizei darauf gestanden, mit bewusstlosen und jung aussehenden Männern Sex zu haben. Seine Opfer hat Port auf Dating-Apps wie Grindr kennengelernt. Er soll über 25 Profile auf solchen Portalen besessen haben. (Indonesien will solche Apps unterdessen verbeiten – MÄNNER-Archiv.)

Derweil steht auch die Polizeiarbeit in der Kritik. Die Independent Police Complaints Commission hat sich dem Fall angenommen. Sie ermittelt gegen sieben Polizeibeamte, zehn weitere wurden bereits wegen Fehlverhaltens angezeigt.

„Lern die Person kennen, nicht sein Profil“

Denn Port wurde bereits nach dem ersten Mord verhört, da die Leiche in unmittelbarer Nähe seiner Wohnung gefunden wurde. Obwohl die Polizei herausfand, dass Port sexuelle Kontakte zum Opfer hatte, leiteten sie daraus keinen Mordverdacht ab.

Stephen Port soll am Freitag verurteilt werden. Die Polizei warnt immer wieder davor, bei Gelegenheitstreffen Drogen zu nehmen. Die britische Polizeigewerkschaft sieht aber auch Dating-Apps in der Pflicht: Diese „müssen mehr Verantwortung übernehmen“. Außerdem fordert sie verpflichtende Sicherheitshinweise. Sie schlägt Botschaften vor wie „Lern die Person kennen und nicht sein Profil.“

Titelfoto: Metropolitan Police


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