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Uganda zeigt Schwulenheiler-Doku

Die ausgezeichnete Doku von Christian Deker läuft auf dem ersten LGBTI-Festival in Uganda

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation, WHO, Homosexualität seit 1992 nicht mehr als Krankheit betrachtet, bieten deutsche Ärzte Umpolungstherapien für Homosexuelle an – die sogar, so steht es zu befürchten, von manchen Krankenkassen bezahlt werden. Der Panorama-Reporter Christian Deker besuchte für seine Reportage „Die Schwulenheiler” die Praxis eines Mediziners, der seine „Dämonen“ austreiben und sein Leiden lindern wollte. Das Ergebnis wurde in der ARD ausgestrahlt und sorgte für Aufsehen und Empörung, nicht nur bei Schwulen und Lesben. Christian Deker ist seitdem mit seinem Film auf diverse Festivals eingeladen worden und hat in Bilbao den Publikumspreis „Bester Kurzfilm” gewonnen. Nun läuft er auch in Uganda.

Das QKIFF – als erstes LGBTIQ*-Festival in Uganda überhaupt – kann nur geheim stattfinden

„Es hat schon etwas Absurdes, wenn unsere „Schwulenheiler”- Dokumentation am 10. Dezember in Uganda beim Queer Kampala International Film Festival (QKIFF) gezeigt wird“, teilte der Jounalist Christian Deker am Wochenende via Facebook mit. „Was sind schon die im Film gezeigten Missstände in Deutschland gegenüber den Verhältnissen in Uganda, wo das QKIFF – als erstes LGBTIQ*-Festival in Uganda überhaupt – nur geheim stattfinden kann?“

Homosexualität steht in Uganda unter Strafe. Erst im August kam es beim Pride wieder zu Verhaftungen (MÄNNER-Archiv). „Ein mutiges und wichtiges Festival, das uns daran erinnert, wie wichtig es ist, die errungenen Freiheiten zu verteidigen”, so Deker.

„Ich freue mich sehr, dass unser Film einer der 26 ist, die beim einzigen LGBTIQ*-Filmfestival der Welt gezeigt werden, das in einem Land stattfindet, in dem Homosexualität illegal ist“, so Deker. Die Veranstaltungsorte würden den Besuchern erst nach der Anmeldung mitgeteilt, weil die Organisatoren Repressionen und Übergriffe fürchten.

MÄNNER sprach mit Deker, nachdem der Film, den er gemeinsam mit Oda Lambrecht recherchiert und gedreht hat, in der ARD gelaufen war (MÄNNER-Archiv). Wir wollten wissen, ob ihn die Aussagen der Interviewpartner überrascht haben. Deker sei angeblich deshalb schwul geworden, weil er eine Narbe im Gesicht hat.

Es gibt immer wieder Menschen, die sich ernsthaft an solche ‘Homoheiler’ wenden

„Mich haben die Aussagen zum Teil sehr überrascht. Als ich da als Patient im Sprechzimmer saß, habe ich manchmal sogar das Lachen unterdrücken müssen, so absurd war es. Manchmal war ich aber auch den Tränen nahe. Das ging zum Teil schon an meine Grenzen. Es war so absurd, mit welchen Begründungen mir die Ärzte erklärt haben, warum ich schwul sei. Mein Selbstversuch war ja nicht total aus der Luft gegriffen. Es gibt immer wieder Menschen, die sich ernsthaft an solche ‘Homoheiler’ wenden. Das Gefährliche ist: Wenn die Therapie nicht klappt, schieben die ‘Heiler’ es offenbar häufig den ‘Patienten’ in die Schuhe. Nach dem Motto: Du hast Dich nicht genug angestrengt, Du hast es nicht geschafft, hetero zu werden. Der Patient hat das Gefühl, versagt zu haben. Das ist auch das, was Suizidgedanken auslösen kann.“

Zum Programm von QKIFF

Titelbild: NDR/Screenshot


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