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Indonesien soll noch prüder werden

Sozialministerin will Zimmertüren in den Wohnheimen von Studenten entfernen

Wenn man denkt, in Indonesien sei ein neuer Tiefpunkt in Sachen LGBTI-Rechte erreicht, geht es immer noch ein Stückchen schlimmer. Bevor in ein paar Wochen das indonesische Verfassungsgericht darüber entscheidet, ob schwuler Sex wieder unter Strafe gestellt wird, hat die Sozialministerin einen bizarren Vorschlag gemacht. Laut Jakarta Post schlug Khofifah Indar Parawansa vor, die Zimmertüren in den Wohnheimen von Studenten zu entfernen. Damit soll promiskuitiver und voreherlicher, aber vor allem eben homosexuellem Sex vorzubeugen. „Nicht nur Männer und Frauen tun es, genau so gefährlich ist es, wenn Männer mit Männern und Frauen mit Frauen schlafen.“ Im Februar hatte sie die LGBTI-Community beschuldigt, es auf vernachlässigte Kinder abgesehen zu haben. Aus Sicht der Ministerin könnten queeren Menschen geheilt werden, und zwar durch emotionales und spirituelles Training.

Land am Rand der moralischen Krise

Gleichgeschlechtlicher Sex soll ohnehin ebenso wie vorehelicher Verkehr ganz im Land verboten werden – das fordert eine rechtskonservative Organisation. Das Land sei am Rand der moralischen Krise und in Gefahr, dass seine muslimischen Werte durch die Forderungen von LGBTI-Gruppen unterlaufen würden. Das Verfassungsgericht in Indonesion wird dazu demnächst eine Entscheidung treffen. Bisher sind homosexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Partnern in weiten Teilen von Indonesien legal, lediglich in einigen Provinzen gibt es gesetzliche Verbote. Das will nun die rechtskonservative Organisation Family Love Alliance ändern: Sie fordert, dass ein Gesetz, das landesweit Sex mit Minderjährigen verbietet, so verschärft wird, dass es auch für schwulen und lesbischen Sex gilt. (Außerdem hat die Regierung Indonesiens gleichgeschlechtlichen Emojis und schwulen Dating-Apps den Kampf angesagt – MÄNNER-Archiv)

Vor einigen Wochen hatte sich Indonesiens Präsident Joko „Jokowi” Widodo erstmals zum stetig sich verschlechternden Klima gegenüber LGBTI geäußert. Angesichts der unverminderten Wucht, mit der die Rechte des Landes derzeit Hetze betreibt (MÄNNER-Archiv), erklärte Jokowi, die Polizei müsse stärker gegen konservative Organisationen und Einzelpersonen vorgehen, die LGBTI schaden wollen. „Es sollte keine Diskriminierung gegen niemanden geben”, ergänzte er. Indonesische Aktivisten begrüßten das Statement, doch kritisieren auch, dass es erst zu einem Zeitpunkt kommt, wo die Stimmung im Land bereits vergiftet ist.

Titelbild: IRIT / Shutterstock.com


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