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Jeder 10. wertet Homosexuelle ab

Das klingt erschreckend, dabei sinkt die Zahl sogar

10 Prozent der Deutschen werten homosexuelle Menschen ab. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Gespaltene Mitte. Feindselige Zustände“ der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Befragung zielte darauf ab, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit der Bevölkerung zu erheben.

Neben Einstellungen zu Homosexuellen und Trans*-Menschen wurde auch nach Vorbehalten gegenüber Asylsuchenden, Wohnungslosen, Sinti und Roma, Muslimen sowie Menschen mit Behinderung gefragt.

Dass jeder zehnte repräsentativ Befragte Homosexuelle gegenüber Heterosexuellen abwertet, erscheint auf den ersten Blick eine hohe Zahl. Doch der Vergleich mit den Ergebnissen aus den Jahren zuvor zeigt, dass sich die Einstellung verbessert: 2007 stimmten mehr als 20 Prozent der Aussage, Homosexualität sei unmoralisch, zu (siehe Tabelle).

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Während bei Fremden- und Muslimfeindlichkeit der Osten deutlich öfter zustimmt als der Westen, zeigt sich bei Homosexualität ein anderes Bild: 6,7 Prozent der Ostdeutschen, aber 9,3 Prozent der Westdeutschen werten homosexuelle Menschen ab. Außerdem neigen Männer eher zu Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit als Frauen. Im Juni hatte eine ähnliche Studie sogar herausgefunden, dass 40 Prozent der Deutschen es „ekelhaft” finden, wenn sich schwule Männer küssen (MÄNNER-Archiv).

Einkommen und Bildung sind signifikante Faktoren für Menschenfeindlichkeit

Noch deutlicher fallen die unterschiedlichen Meinungen zu Homo- und Transsexualität auf, wenn man das Alter der Befragten auswertet: Während nur 3,7 Prozent der 16- bis 30-Jährigen Homosexuelle abwerten, tun dies 7,6 Prozent der 31- bis 60-Jährigen und sogar 16,3 Prozent derjenigen, die älter als 60 Jahre alt sind.

Die Studie legt dar, wie groß der Einfluss von Einkommen und Bildung auf die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist: „Hier zeigt sich deutlich ein klassischer Befund der Vorurteilsforschung, der auf positive Wirkungen von Bildungs- und Gleichstellungsmaßahmen verweist: Wo Bildung fehlt und eher politisch rechte Wertorientierungen verhaftet sind, sind auch negative Meinungen über nicht heterosexuell orientierte Menschen weiter verbreitet“, schreiben die Autoren der Studie.

Vorurteile gegenüber Aslysuchenden steigt an

Bei den Befragten mit Migrationshintergrund war Homo- und Transfeindlichkeit häufiger vertreten: 19 Prozent von ihnen lehnen Homosexuelle ab, während es nur sieben Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund tun. Die Autoren der Studie betonen jedoch, dass „die berichteten Zahlen mit Zurückhaltung interpretiert“ werden sollen, „da es ‚die typischen Personen mit Migrationshintergrund‘ nicht gibt.“ Ihnen gemeinsam sei „einzig die Einwanderung aus einem anderen Land nach Deutschland.“

Während sich die Einstellung zu Homosexualität also tendenziell verbessert – oder zumindest nicht verschlechtert – seien laut den Autoren die weitverbreiteten muslimfeindlichen Einstellungen (19 Prozent) und die Zustimmung zu Vorurteilen gegenüber asylsuchenden Menschen (50 Prozent gegenüber 44 Prozent im Jahr 2014) „konfliktträchtig“.

Deutschland befinde sich in einer „Zerreißprobe“

Außerdem sind jene Menschen, die die Ideen der AfD gut finden, im Vergleich zu 2014 deutlich nach rechts gerückt – genau wie die Partei selbst auch. AfD-Sympathisanten sind menschenfeindlicher und rechtsextremer eingestellt als Nicht-Sympathisanten.

Andreas Zick, Mitautor der Studie und Leiter des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt-und Gewaltforschung, schreibt deshalb: „Deutschland befindet sich in einer Zerreißprobe: Während sich viele von rechtspopulistischen Meinungen leiten lassen und aggressiver gegen Eliten und vermeintlich Fremde geworden sind, sind andere bereit, sich noch mehr für die Integration zu engagieren.”

 

Daten zur Umfrage: Die Studie basiert auf repräsentativen Befragungen, die die Friedrich-Ebert-Stiftung alle zwei Jahre in Auftrag gibt. Die Daten wurden mittels telefonischer Repräsentativbefragung in der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 16 Jahren erhoben. Insgesamt wurden zwischen dem 6. Juni und dem 5. August dieses Jahres 2008 Menschen befragt. Außerdem nutzen die Autorinnen und Autoren vorliegende Datensätze der Friedrich-Ebert-Stiftung aus den Mitte-Studien der Jahre 2006 bis 2014 und Datensätze des Langzeitprojekts „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” (GMF) vom Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) von 2002 bis 2011. Grundlage der Befragung ist ein standardisierter Fragebogen, der Aussagen zu Vorurteilen gegenüber verschiedenen gesellschaftlichen Bevölkerungsgruppen und Gewalteinstellungen umfasst.

Titelfoto: Shutterstock/rawpixel.com


22 Kommentare

  1. Josh Dem

    und das wundert euch???? schwule werten sich selbst unter schwulen ab…. man schreit nach toleranz ist aber selbst intolerant (auch) untereinander….

  2. Pe Klem

    Der Wert ist zwar natürlich zu hoch. Aber eigentlich zu erwarten. Auch 18 % hätten mich nicht überrascht. Wären es nur 10% Idioten wäre die Welt besser…

  3. Michael Panzer

    Ketzerische Frage: soll ich mich in einer Demokratie drüber aufregen, dass laut dieser Studie 10 Prozent Homosexuelle abwerten oder mich drüber freuen, dass mittlerweile dann wohl augenscheinlich 90 Prozent keine Probleme damit haben? Solche „Studien” oder Umfragen sind meist nur das Papier wert, auf denen sie gedruckt sind, mit einer normalen Lebenswirklichkeit sind sie nur selten vereinbar.

  4. Andreas Dickerhof

    freuen ist immer die besser variante ;). stimmt, die lebenswirklichkeit sieht nämlich so aus, dass einige heuchlerisch nein sagen, wenn sie gefragt werden, ob sie mit homosexuellen ein problem haben. A la „so lange sie mich nicht anfassen” oder „solange es nicht mein eigenes Kind ist”

  5. Michael Panzer

    Yep, vor einem halben Jahr fand eine „Studie” heraus, dass 40 Prozent der Deutschen sich vor öffentlichen Küssen von Homosexuellen ekeln. Was ein Sturm der Entrüstung folgte darauf. Nicht berücksichtigt blieb, wieviele der Befragten sich auch über Heteroküsse aufregen, weil sie denken, dass sowas nicht in die Öffentlichkeit gehört. Nirgends stand, wieviel Leute man wann und wo in welcher Form und mit welchem Wortlaut befragt hat. Und natürlich wurden in allen Überschriften gepostet, dass 40 % alles pfui finden und nicht, dass 60 % sich damit arrangieren können. Über solche Zahlen wäre man vor 20 Jahren noch erfreut gewesen. Irgendwie widern mich solche Studien an, weil sie nur quotengeil das herausstellen, was sie herausstellen wollen …

  6. Michael Panzer

    aktuelles Beispiel: Abzocke bei Til Schweiger, er verkauft Leitungswasser für 4,20 Euro … dass das aufbereitetes Wasser ist, bei dem der Viertelliter 1,80 Euro kostet und 4,20 Euro der Literpreis sind, liest man erst beiläufig im Text. Wenn man dann noch dran denkt, dass Bonaqa, das exakt demselben Prinzip frönt, wesentlich teurer ist, fällt die „Abzocke”-Beschuldigung in sich zusammen. Aber das liest man ja nicht, insofern ist Til jetzt wieder Buhmann der Nation. Es kotzt mich an mit dieser Medienmanipulation

  7. Culann Brock

    Ist mir schnuppe freue mich das es in meinem Umfeld und in meinem Kundenkreis zu 100% toleriert wird das ich schwul bin. Alles andere belastet mich nicht so sehr. Versuche nach aussen hin ein positives schwules Bild zu vermitteln. Mehr kann ich nicht tun um die Leute davon zu überzeugen das wir ganz normale Menschen sind und wir uns nicht im geringsten von allen anderen unterscheiden. ☺

  8. Marcelo Jürgens

    Aha, diese statistische Rechnung will ich sehen… wenn gut 9% im Westen und knapp 7% im Osten Homosexuelle abwerten, ergibt sich beim Durchschnitt 10%, weil? Ich persönlich hielte 90% für einen guten Toleranzwert, befürchte aber, dass die Befragung wohl eher in Großstädten und dort auch noch im Gay Kiez durchgeführt wurde. Auf dem Land dürften Vorurteile und Intoleranz bei Weitem höher sein. Bedauerlicherweise…

  9. Thomas Lehmann

    10% der Deutschen werten auch Frauen ab, oder Blondinen, oder Menschen mit Behinderung, oder Einhörner!

    100% Zustimmung wird man niemals bei einem Thema haben, das ist doch totale Utopie…

    Ich freu mich über die 90% die mich nicht abwerten wollen!


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