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Köln tut zu wenig für LGBTI Flüchtlinge

Geflüchtete Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter* brauchen sicheren Wohnraum, fordert Unterstützergruppe

Die Kölner Rainbow Refugees Cologne – Support Group engagiert sich seit ziemlich genau einem Jahr in enger Zusammenarbeit mit dem selbstorganisierten Migrantenprojekt baraka im Beratungszentrum rubicon, der Geflüchteten-Selbsthilfeinitiative Sofra Cologne und dem Kölner Flüchtlingsrat für LGBTI-Geflüchtete und bietet ihnen konkrete Hilfe an. Die Stadt ist bisher hinter ihren Hilfszusagen zurückgeblieben, kritisiert die Gruppe jetzt.

Sexuelle Übergriffe und physische Gewalt

„Hier werden sie meist im gleichen Heim und gleichem Zimmer mit Landsleuten untergebracht, vor denen sie geflohen sind. Nicht immer ist das Personal in den Flüchtlingsunterkünften sensibilisiert für die speziellen Nöte ihrer LGBTI-Schützlinge. Besonders prekär ist die Lage für Geflüchtete in Gemeinden, die über keine Beratungsund Selbsthilfestruktur für LGBTI verfügen. In den Sammelunterkünften sind sie Beleidigungen, Nötigungen und Drohungen, sexuellen Übergriffen und physischer Gewalt ausgesetzt.“

Manche prostituieren sich, nur um nicht mehr ins Flüchtlingsheim zurück zu müssen

Die Rainbow Refugees Cologne – Support Group hat seit ihrer Gründung im November 2015 Dutzende Fälle von Übergriffen dokumentiert. „Doch was wir erfahren, ist nur die Spitze des Eisbergs. Weil ihre Situation in den Heimen unerträglich geworden ist, ziehen viele Geflüchtete von einer provisorischen Unterkunft in die nächste. Andere prostituieren sich, nur um nicht mehr ins Flüchtlingsheim zurück zu müssen.“

1.300 geflüchtete Personen mit LGBTI-Hintergrund leben derzeit in Köln, schätzen mit der Arbeit vertraute Initiativen. Am 10. September 2015 beschloss der Rat der Stadt Köln, für den Personenkreis der besonders schutzbedürftigen Flüchtlinge zukünftig besondere Anstrengungen zu unternehmen. Darunter sind ausdrücklich auch queere Personen genannt. (So hilft man queeren Flüchtlingen in München – MÄNNER-Archiv)

Zusage wurde zurückgezogen

„Im September 2016 bot das Amt für Wohnungswesen an, 30 kleinere Wohneinheiten für LGBTI-Geflüchtete zur Verfügung zu stellen. Diese Wohneinheiten sollten dem Sicherheitsbedürfnis der Personengruppe entsprechen und nahe der Innenstadt gelegen sein“, berichtet die Gruppe. „Ein Objekt mit fünf Plätzen sei bereits angemietet worden, so Amtsleiter Josef Ludwig in einem Gespräch mit der Rainbow Refugees Cologne – Support Group, rubicon e.V. und der Aidshilfe Köln e.V.“ In einem weiteren Gespräch im Oktober sei eine Kollegin vom Wohnungsamt von dieser Zusage aber wieder abgerückt und habe auf schon erfolgte Unterbringungen in umgewidmeten Hotels oder Doppelzimmern verwiesen. (In Berlin gibt es seit Anfang des Jahres eine Unterkunft für queere Flüchtlinge mit über 100 Plätzen – MÄNNER-Archiv)

Appell an Stadtverwaltung

„Diese Art der Unterbringung ist völlig ungeeignet, und das ist der Stadt auch bekannt“, so Ina Wolf von der Vermittlergruppe. „Angesichts der absoluten Dringlichkeit in vielen Fällen ist dieses langwierige Verfahren nicht nachvollziehbar. Wir fordern die Stadtverwaltung auf, ihrer Verantwortung endlich nachzukommen. Und wir appellieren an die Oberbürgermeisterin Henriette Reker und die Politik, hier Druck zu machen.“

Doch können wir allein den dringenden Bedarf an sicheren Wohnraum nicht decken

In der Zwischenzeit versuche die Rainbow Refugee Cologne – Support Group so gut es , in die Bresche zu springen: Die Vermittlungsgruppe sammelt private Wohnungs- und WG-Zimmerangebote und versucht sie an passende Hilfesuchende zu vermitteln. Unter vermittlung@rainbowrefugees.cologne freuen sich die Aktiven über weitere Angebote. Für diese zentrale Arbeit werden zudem noch weitere Ehrenamtler gesucht.

Stadtverwaltung ist in der Verantwortung

„Wir bemühen uns in Kooperation mit anderen Trägern nach Kräften, den Geflüchteten zu helfen. Doch können wir allein den dringenden Bedarf an sicheren Wohnraum nicht decken“, stellt Ina Wolf klar. „Unser ehrenamtliches Engagement entlässt weder die Stadt noch die hauptamtlichen Mitarbeiter_innen in den Flüchtlingsinitiativen oder anderer sozialer Träger aus ihrer Verantwortung.“

Titelbild: Shutterstock/Istvan Csak


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