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Rückschlag für Ehe-Öffnung in Mexiko

Präsident Nieto hatte die Initiative im Mai eingebracht, seither erlebt Mexiko Massendemonstrationen

Der Verfassungsausschuss des mexikanischen Kongresses lehnt die Pläne von Enrique Peña Nieto ab, die Ehe in Mexiko zu öffnen – ein Rückschlag für den Präsidenten des traditionell konservativen Landes. 19 Abgeordnete stimmten gegen seine Pläne, nur 9 dafür, und einer enthielt sich. Die Initiavive zur Eheöffnung sei damit definitiv am Ende, hieß es in einem Statement des Ausschusses. Nieto hatte die Initiative im Mai eingebracht, seither erlebt Mexiko Massendemonstrationen wie die im September in Mexico City: Über 80.000 Menschen versammelten sich im Stadtzentrum, um gegen die Pläne zur gleichgeschlechtlichen Ehe von Präsident Nieto zu protestieren. Das Staatsoberhaupt will durch eine Reform der Verfassung die Ehe bald im ganzen Land öffnen (MÄNNER-Archiv).

Die Proteste gehören zu einer längeren Serie von landesweiten Demonstrationen gegen die Gesetzesänderung und gingen um die Welt, als ein 12-Jähriger sich einem der Märsche vor kurzem mutig entgegengestellt hatte (MÄNNER-Archiv).

Papst auf Seite der Demonstranten

Unterstützung für die Protestbewegung, die sowohl organisatorisch auch ideologisch von der in Mexiko sehr starken katholischen Kirche getragen wird, kommt auch offiziell aus dem Vatikan. In seinem Sonntagsgebet betonte Papst Franziskus, dass er die mexikanischen Geistlichen und Bürger, die sich der Eheöffnung in den Weg stellen wollen, unterstütze. Er tue dies, so wörtlich, „zugunsten der Familie und des Lebens, welche in diesen Zeiten eine besondere pastorale und kulturelle Aufmerksamkeit auf der ganzen Welt brauchen.“

Neue Qualität der Einmischung

Die Äußerung reiht sich ein in eine lange Serie von teilweise sehr widersprüchlichen Statements zum Thema LGBTI, die Franziskus in den vergangenen Monaten von sich gegeben hat. Zwar hat er im Herbst letzten Jahres noch öffentlichkeitswirksam ein schwules Paar getroffen (MÄNNER-Archiv). Außerdem hatte er insbesondere nach dem Massaker von Orlando durchaus versöhnliche Töne angeschlagen (MÄNNER-Archiv). Unterm Strich überwiegen jedoch kritische Äußerungen zu Homoehe, zu Transsexualität und zur „Genderideologie“ (MÄNNER-Archiv).

Die landesweite Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe würde einen herben Machtverlust der Kirche signalisieren.

Dass der Papst sich derartig deutlich in die öffentliche Debatte eines Landes einmischt, ist allerdings neu. In der Regel lässt er hier Bischöfe für sich sprechen. Die Gründe für die Einmischung liegen auf der Hand: Die landesweite Einführung der Ehe für Alle in einem katholischen Land wie Mexiko würde einen weiteren herben Machtverlust der Kirche signalisieren.

Foto:360b / Shutterstock.com


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