pf1170d_1

Monsterfilm und Meisterwerk

Sexy, klug und sehr berührend: „Closet Monster“ ist der vielleicht beste schwule Film des Jahres

Um einen Film interessant zu finden, reicht es erstmal, dass Isabella Rossellini darin einen Hamster synchronisiert. Das tut sie in „Closet Monster“. Die vormals schönste Frau der Welt leiht Buffy ihre Stimme, man sieht sie nie. Buffy wird dem Helden des Films, Oscar (Connor Jessup) von seiner Mutter (Joanne Kelly) geschenkt, als die beschließt, ihn und seinen Vater für ein neues Leben zu verlassen und kurz bevor Connor auf dem örtlichen Friedhof Zeuge eines Hassverbrechens wird, bei dem ein junger, schwuler Mann mit einem Eisenstab gepfählt und dabei fast getötet wird. Als der kleine Junge wissen will, warum andere Menschen so etwas tun, erklärt sein Macho von Vater ihm, der Mann sei schwul und sowas könne nun mal passieren. Dann baut er ihm ein Baumhaus, das Connors Zufluchtsort wird.

pf1170d_5

Das ist es auch noch, als Connor ein Teenager ist und längst vermutet, er könnte vielleicht so sein, wie der Junge auf dem Friedhof: Ab und an schminkt er seine beste Freundin, nebenbei jobbt er in einem Baumarkt, in der er nur so lange arbeiten will, bis er auf der Maskenbildnerschule in New York angenommen ist, wo er sich beworben hat. Aber, er lernt auf der Arbeit bald den rebellischen und verwegen attraktiven Wilder kennen, der lieber Joints raucht, als Schrauben zu sortieren und ihn auf eine Kostüm-Party einlädt, die alles verändern wird und dazu führt, dass Connor erst zu seiner Mutter und dann zu sich selbst findet.

Viele sehen den Film als Coming-out Geschichte, aber für mich ist er viel, viel mehr.

„Closet Monster“ ist der erste Spielfilm des jungen, kanadischen Regisseurs Stephen Dunn, der auch das Drehbuch geschrieben hat. „Ich bin selbst in einem kleinen Dorf in Neufundland großgeworden, wo es eine ganze Serie von Hassverbrechen gab. ‚Closet Monster‘ ist mein Weg, davon zu erzählen, wie es für einen jungen Schwulen ist, in so einer Umgebung aufzuwachsen. Viele sehen den Film als Coming-out Geschichte, aber für mich ist er viel, viel mehr.“ Weil Dunn damit recht hat, das der Film viel, viel mehr ist als eine simple Coming-out Geschichte, wurde „Closet Monster“ weltweit mit Preisen überhäuft und gewann auf dem Toronto Film Festival sogar den Preis für den besten kanadischen Spielfilm des Jahres.

pf1170d_6

Was mehr als verdient ist. Denn Isabella Rossellini als Hamster ist nur eine von vielen famosen Ideen, die Dunn hatte. „Closet Monster“ ist ein großartiges visuelles Erlebnis, zeigt immer wieder Bilder, die man so noch nie gesehen hat und schafft es, zwischen seinen Protagonisten eine Intensität und Intimität zu erzeugen, die man ihn nicht so schnell vergisst. Was auch an seinem Hauptdarsteller liegt, der einen berührenden, hellwachen, total nachvollziehbaren Jungen auf die Leinwand stellt, in dem sich viele Zuschauer wiedererkennen werden. Connor Jessup ist schon jetzt ein vielbeschäftigter Schauspieler, wird aber mit Sicherheit in den nächsten Jahren ein Star. Was man unbedingt noch erwähnen sollte: „Closet Monster“ hat den vielleicht besten Soundtrack des Jahres. Wäre der Film nicht auch ohne ihn einer der unterhaltsamsten des Jahres, schon wegen der Musik würde sich der Besuch im Kino oder der Kauf der DVD lohnen.

Wo und wann der Film im Kino läuft, erfahrt ihr HIER. Jetzt auf DVD und VOD.


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close