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AfD chancenlos gegen Olivia Jones

Die Polittranse aus Hamburg hat im Magdeburger Landtag gelesen

Es war ordentlich voll im Restaurant des Magdeburger Landtags. Viele interessierte Bürger waren gekommen, Eltern, Aktivisten, etliche Journalisten und sogar zwei AfD-Abgeordnete. Sie alle waren hier, weil die Grünen, der Landesfrauenrat, das Kompetenzzentrum für geschlechtergerechte Kinder- und Jugendarbeit und andere die Hamburger Drag Queen Olivia Jones eingeladen hatten zu einer Lesung mit anschließender Diskussion.

Olivia Jones

Jones hatte im September die AfD angezeigt wegen Volksverhetzung. „Wenn auf der Partei- und Fraktions-Facebookseite der AfD Sachsen-Anhalt Homosexualität mit Pädophilie in Zusammenhang gebracht wird, ist das für mich keine Frage von Meinungsverschiedenheiten mehr, sondern Volksverhetzung”, hatte Olivia Jones erklärt (MÄNNER-Archiv). Anlass für die AfD-Äußerung war eine Broschüre des Ministeriums für Gleichstellung von Sachsen-Anhalt mit Buchempfehlungen zur „Geschlechter- und Familienvielfalt“ für KiTas und Grundschulen gewesen – auch Jones’ Buch „Keine Angst in Andersum” befindet sich auf der Liste.

Vieraugengespräch mit Poggenburg 

Sie wolle Landeschef André Poggenburg die Leviten lesen, hatte Jones im Vorfeld angekündigt. Der hatte es aber abgelehnt, sich in der Öffentlichkeit mit der Drag Queen zu zeigen – geschweige denn: zu diskutieren. Immerhin: Die beiden trafen sich vor der Lesung zu einem Gespräch unter vier Augen.

„Rückgrat” habe sie bei ihm keins gespürt, sagte sie danach gegenüber MÄNNER. Er habe sich verhalten „wie ein Wolf im Schafspelz”, so Jones. Poggenburg werde sich künftig mit Kommentaren zurückhalten, so ihre Hoffnung. Aber die Anzeige, an der hält sie fest.

Ich hätte mir in der Schule gewünscht, dass man auch mal über Homosexualität spricht

Eins der wichtigsten Reizworte in der Diskussion lautet „Frühsexualisierung” (auch die CSU benutzt es mittlerweile – MÄNNER-Archiv). Aus Sicht der AfD fällt schon Jones’ Buch darunter. Darin geht es lediglich darum, Kindern zu vermitteln, dass es Männer gibt, die Männer lieben, und Frauen, die eben auf Frauen stehen. Von Sex ist da keine Rede.

„Ich hätte mir in der Schule gewünscht, dass man auch mal über Homosexualität spricht. Dass es da auch noch was anderes gibt als Mann und Frau”, sagte die Autorin.

Dankbarkeit für Olivia Jones’ Buch

Eine Mutter im Publikum dankte ihr aus genau diesem Grund. Sie habe das Buch mit ihren Kindern gelesen, und es habe ihr sehr geholfen, mit dem Thema Homosexualität umzugehen. Und gelacht hätten sie auch sehr viel dabei.

„Vielfalt ist eine Realität”, sagte ein Vertreter der katholischen Erwachsenenbildung. Und es sei gut wenn man kindgerecht damit umgehe.

Olivia Jones

Not amused: Die AfD-Abgeordneten Rausch (li.) und Loth

Die beiden Herren von der AfD mochten sich diesem Lob nicht anschließen. Als erstes trat Daniel Rausch vor und verunglimpfte die Lesung als „Verkaufsveranstaltung” – dumm nur, dass kein einziges Buch im Landtag verkauft wurde (ein Verkauf war schlicht nie geplant). Außerdem bat er um „Toleranz” für seine Meinung.

AfD-Mann Loth hat entschieden, hetero zu sein 

Für einiges Gelächter sorgte der AfD-Mann Hannes Loth. Zunächst versuchte er sich als toleranten Mann darzustellen, weil er mit Menschen zusammenarbeite, die schwul seien. „Solange sie ihre Leistung bringen, ist es mir egal, was sie privat machen.” Danach stellte er fest, er respektiere die Entscheidung von Menschen, die entschieden hätten, homosexuell zu sein. Er hätte nun mal entschieden, heterosexuell zu sein. Wann das war, darüber ließ er das kichernde Publikum leider im Unklaren. Aber, das legte er noch nach, es gebe ja – anders als für Schwule und Lesben – auch kein Aktionsprogramm, das Heterosexualität bekannter machen soll.
„Nee, die ist ja auch bekannt genug, wie wir alle wissen”, konterte Olivia Jones schlagfertig. „Außerdem diskriminiert Sie ja keiner, weil Sie hetero sind.”

Die AfD kam argumentativ nicht durch gegen Jones – um es milde auszudrücken. Oder um der Autorin das Schlusswort zu überlassen: „Die Herren haben sich selbst entlarvt, und so sollte es auch sein.”

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Fotos: Kriss Rudolph


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