shutterstock_389315509

Präsident Trump: Letzter Weckruf

Der MÄNNER-Wochenkommentar - immer wieder samstags

Immer samstags veröffentlicht MÄNNER einen Wochenkommentar, verfasst von wechselnden Autoren. Zum festen Stamm gehören Axel Hochrein (LSVD-Vorstand), Stefan Mielchen (Erster Vorsitzender von Hamburg Pride) sowie Jan Feddersen (taz)

von Axel Hochrein

Nun haben wir also den ersten Schock über das Ergebnis des „schmutzigsten“ Wahlkampfes in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika verdaut. Das Unvorstellbare wurde Realität. Wie beim Brexit-Votum sind wir ganz hoffnungsvoll ins Bett gegangen und am nächsten Morgen war die Welt eine andere. Und keine Bessere. Donald J. Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Taumeln am Abgrund

Aber war sie denn vor diesem 8.11. eine bessere? Taumeln wir weltweit nicht schon eine ganze Zeit am Abgrund herum und hatten uns – ziemlich blauäugig – darauf verlassen, dass nicht sein kann, was in unseren Augen nicht sein darf. War nicht der Wunsch, der Vater oder die Mutter des Gedankens, dass eine von uns favorisierte Kandidatin die erste Präsidentin wird, und dann schon alles richtet: einen heraufziehenden neuen kalten Krieg abwendet, die überall auf der Welt in Bedrängnis geratenen Menschenrechte stärkt und verteidigt, das Abschlachten von Menschen in Syrien beendet, die nur überdeckte Krise an den internationalen Finanzmärkten auflöst, und vieles mehr. Und natürlich: die LGBTI-Rechte verteidigt und ausbaut. Die Frau, die als US-Außenministerin den so wichtigen Satz: „gay rights are human rights and human rights are gay rights“ sagte.

Clinton hat Mehrheit der Wählerstimmen, aber keine Mehrheit im Electoral College

Wenn Barack Obama am 20. Januar 2017 das Weiße Haus verlässt, geht ein Präsident, den wir alle schmerzlich vermissen werden (MÄNNER-Archiv). Er war ein herausragender Präsident. In vielerlei Hinsicht. Trotzdem hat selbst er nicht alle in ihn gesetzte Hoffnungen erfüllen, geschweige denn, alle seine Wahlversprechen einlösen können. Guantanamo lässt grüßen. Auch deshalb war meine Erwartung und Projektion in Hillary Clinton eher die, dass sie schon eine gute Präsidentin wäre, wenn sie nur annähernd das Niveau ihres Vorgängers erreicht. Es war nicht nur der vom Trump-Lager ausgekippte Schmutz, der ihr anhaftete und ihre Wahl verhinderte. Auf jeden Fall ist sie nach dem zweiten missglückten Versuch, Präsidentin zu werden, die Kandidatin, die eine Mehrheit der Wählerstimmen aber keine Mehrheit im Electoral College hat. Letzteres ist aber die Voraussetzung, um den Job im Weißen Haus antreten zu können.

Bush lässt grüßen

So wie wir alle von Donald Trump gefordert haben, dass er das Wahlergebnis zu akzeptieren habe, müssen auch wir das auch tun. Wie schwer das fällt, zeigen die Demonstrationen in den USA und überall auf der Welt. Déjà-vu, Mr. Bush lässt grüßen.

Spaltend, rassistisch, frauenfeindlich und gefährlich

Spaltend, rassistisch, frauenfeindlich, politisch vollkommen unerfahren und gefährlich sind die Adjektive, mit denen Trump umschrieben wird. Weil er jeden dieser Vorwürfe durch sein Auftreten im Wahlkampf bestätigt hat. Eine Gefahr für Minderheiten, natürlich auch für die LGBTI-Community in den USA. Trump war Gegner der Ehe-Öffnung in Amerika, und ließ als Kandidat verlauten, dass er als Präsident Supreme-Court-Richter ernennen wird, die diese Entscheidung revidieren würden. Der zukünftige Vize-Präsident Mike Pence hat im vergangenen Jahr als Gouverneur von Indiana ein Gesetz unterzeichnet, dass es Geschäftsleuten erlaubt, lesbische oder schwule Kunden aus Gründen der religiösen Freiheit, abzulehnen. Ohne Zweifel drohen also vier – oder acht (!) – Jahre gesellschaftlicher Rollback in den USA. Von den außenpolitischen und wirtschaftlichen Gefahren ganz zu schweigen. Besonders bedrohlich ist, dass die Republikaner im Gegensatz zu Obama, der in seiner auslaufenden Amtszeit gegen eine Senats-Mehrheit regieren musste, zumindest für die nächsten zwei Jahre, sowohl im Kongress wie im Senat die Mehrheit haben.

Mike pence

Pence (links) und Trump auf dem Parteitag (Foto: IMAGO/UPI)

Eine besonders oft genannte Eigenschaft die Trump beschreibt, habe ich nicht vergessen. Sie verdient aber eine besondere Betrachtung, weil es die Eigenschaft ist, die er als President elected gleich bestätigt hat. Seine Unberechenbarkeit. Als er am Mittwoch das erste Mal nach dem Wahlsieg öffentlich auftrat, hatte ich, nach allen – teilweise unglaublichen Entgleisungen- etwas Anderes erwartet. Und nicht nur ich. Der doch sehr verhaltene Applaus seiner versammelten Anhänger in New York war weit von triumphalem Gejohle entfernt, er war seinen Anhängern wohl zu präsidial.

Teil 2: „Auch der Wolf, der Kreide gefressen hat, bleibt ein Wolf“


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close