13 02 2016 DSSD Düsseldorf Demo gegen Kongress europäischer Rechtspopulisten rund um das Messe C

Der braune Brei stinkt

Der MÄNNER-Wochenkommentar - immer wieder samstags

Immer samstags veröffentlicht MÄNNER einen Wochenkommentar, verfasst von wechselnden Autoren. Zum festen Stamm gehören Axel Hochrein (LSVD-Vorstand), Stefan Mielchen (Erster Vorsitzender von Hamburg Pride) sowie Jan Feddersen (taz)

von Stefan Mielchen

Olivia Jones hat es getan: Sie hat sich mit André Poggenburg getroffen, dem Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt (MÄNNER-Archiv). Darf man das? Man muss sogar! Nur in der direkten Konfrontation ist es möglich, die Politik der AfD zu entlarven.

Die Hamburger Drag Queen las im Landtag auf Einladung u. a. der Grünen aus ihrem Kinderbuch „Keine Angst in Andersrum“ und traf sich außerdem mit dem AfD-Fraktionsvorsitzenden zum persönlichen Gespräch. Der hatte präventiv am Tag zuvor die „Magdeburger Erklärung zur Frühsexualisierung“ präsentiert – eine gemeinsame Positionsbestimmung sämtlicher Landtagsfraktionen der AfD zum Umgang mit sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität (MÄNNER-Archiv).

Die Familie wird als ‚Verbindung aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen‘ definiert

Damit setzt die AfD ein knappes Jahr vor der Bundestagswahl den Ton auch in der Gleichstellungspolitik. Es ist eine Kampfansage an Lesben und Schwule. Nachdem sich Parteichefin Frauke Petry bereits gegen eine Ehe für alle ausgesprochen hatte, geht die Magdeburger Erklärung weiter ins Detail. Nicht nur das vollständige Adoptionsrecht wird darin ausdrücklich abgelehnt. Vielmehr wird die Familie als „Verbindung aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen“ definiert. So weit, so traditionell – so ausgrenzend.

Können Schwule keine Geborgenheit geben?

Doch dabei bleibt es nicht: Denn nur die heteronormative Familie ist nach Auffassung der AfD in der Lage, Fürsorge und Solidarität, Respekt und Menschlichkeit zu vermitteln. Nur die intakte Vater-Mutter-Kind-Familie garantiert aus Sicht der Rechtspopulisten, „dass junge Menschen zu verantwortungsbewussten Bürgern unseres Staates heranwachsen.“ Und: „Grundlage der Familie sind Liebe und Geborgenheit.“ Dies zu vermitteln ist Lesben und Schwulen offenbar nicht gegeben.

Nicht Triebbefriedigung, sondern eine intakte Familie sollte primäres Lebensziel sein

Deren Formen des Zusammenlebens und Sexualverhaltens sind aus Sicht der AfD gegenüber Ehe und Familie auch nicht gleichwertig. Sie widersprechen schließlich den „natürlichen Vorstellungen, die sich unsere Kinder von Familienleben und Geschlechterrollen bilden“. Den Homos, wir ahnten es schon immer, geht’s sowieso nur um das Eine. Deshalb steht die AfD zu „einem Schulunterricht, der auch die Botschaft vermittelt, dass nicht Triebbefriedigung, sondern eine intakte Familie primäres Lebensziel sein sollte.“ Denn Männer sind Schweine. Und Sexualpädagogik ist Frühsexualisierung – so einfach ist das. Und um den Freunden des Völkischen auch noch etwas bieten zu können, heißt es gleich zu Beginn der Magdeburger Erklärung: „Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. Sie garantiert den Erhalt unseres Volkes, unseres Staates und unserer Nation.“ Bäm!

Als hätte es den Bewusstseinswandel nie gegeben

Damit ist auch geklärt, dass Lesben, Schwule und all die anderen sexuellen Normabweichler außerhalb der Gesellschaft stehen, zu der sie ohnehin nichts beizutragen haben. Die AfD agitiert damit nicht nur gegen Aufklärung und Emanzipation sowie die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen, als hätte es den Bewusstseinswandel und die zunehmende Akzeptanz von Vielfalt in der Bundesrepublik nie gegeben. Sie sagt jetzt auch klipp und klar, wer für den Erhalt des Staates – fast möchte man sagen: für Führer, Volk und Vaterland – nützlich ist und wer nicht.

Für den Staat wertlos

Mit diesem Griff in die familien- und sexualitätspolitische Mottenkiste reaktiviert die AfD den „bevölkerungspolitischen Blindgänger“, auch wenn sie dies heute dezenter formuliert als seinerzeit die Nazis. Gemeint ist es jedoch genau so: Schwule und Lesben können aus Sicht der AfD keine Kinder kriegen und sind deshalb wertlos für den Staat. Dass die deutsche Frau wieder mehr Kinder gebären soll, wurde in der Partei schon diskutiert, als deren Chef noch Bernd Lucke hieß.

Teil 2: „Ein bevölkerungspolitischer Brei, der braun ist und stinkt“


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