Teilnehmer des Christopher Street Day CSD am 03 07 2016 in Köln An der Parade nahmen ca 100 Grup

Schwule gegen Lesben?

Gibt es eine Diversitätsfeindlichkeit in der queeren Community?

Die Arbeitsgemeinschaft queerer Genossen, die fast 40 Jahre lang auf den Namen „Schwusos“ hörte, heißt seit neustem SPDqueer und hat erstmals eine lesbische Bundesvorsitzende: Petra Nowacki. (Morgen veröffentlichen wir auf m-maenner.de ein Interview mit Nowacki). Bisher sprach der schwule Chef (ein Interview mit Ansgar Dittmar – MÄNNER-Archiv) für die – nicht so zahlreich vorhandenen – lesbischen Mitglieder; jetzt wird eine lesbische Chefin für die – mehrheitlich – schwulen Mitglieder der AG sprechen. Warum auch nicht? Wir wollen doch alle dasselbe, könnte man meinen. Oder?

Im Sommer hatte sich der Schweizer Lesbenverband LOS zum ersten Mal darüber beschwert, dass Lesben in der medialen Berichterstattung über LGBTI viel zu wenig vorkommen: „Wir stellen mit Bedauern und Erstaunen fest, dass bei der Berichterstattung zur Diversität der LGBTI-Organisationen die ganze Aufmerksamkeit auf eine einzige Organisation gelegt wird. Sicherlich hat sie einen großen Einfluss, weil sie über beträchtliche finanzielle Mittel verfügt“, schrieb LOS. Gemeint war und ist Pink Cross, der Schwulenverband des Landes, der in einem Bericht der Boulevardzeitung Blick auch wörtlich genannt wurde.

Wer als Mann sozialisiert wurde, hat oft nicht das Gespür für Frauenthemen

Nun läuft seit mehreren Wochen unter dem Hashtag #schweizeraufschrei (MÄNNER-Archiv) eine erhitzte Diskussion über den allgemeinen Sexismus in der Schweiz. Cordula Niklaus, Vizepräsidentin von Wybernet, dem Berufsnetzwerk für lesbische Frauen in der Schweiz, sagte gegenüber der Aargauer Zeitung: „Nur weil wir homosexuell sind, haben Lesben und Schwule noch lange nicht zu allen gesellschaftspolitischen Themen die gleiche Haltung. Wer als Mann sozialisiert wurde, hat oft nicht das Gespür für Frauenthemen und bringt diese also auch nicht ein.“

Nur gemeinsam stark

Wir haben die MÄNNER-Leser gefragt: Wie haltet Ihr es mit unseren lesbischen Schwestern? Ein Großteil der Befragten hält von Ab- oder gar Ausgrenzung nichts. „Nur gemeinsam sind wir stark“, sagten 40 % der User. Jeder Dritte gab an, nicht nach sexueller Orientierung oder Geschlecht zu fragen, denn schließlich: „Wir sind alle queer“.

schwul lesbisch

Screenshot m-maenner.de

Immerhin 14% finden, dass Schwule und Lesben wenig gemeinsam haben, und 8 % sind ganz glücklich darüber, dass es rein schwule Kneipen gibt, in denen man keine Lesben trifft. Nur eine kleine Minderheit von 3 % unser User gibt an, keine lesbischen Frauen zu kennen und auch keine kennen zu wollen.

Diversitätsfeindlichkeit gibt es auch in der Community

Viele schwule Männer in der Schweiz sind durchaus interessiert an einer Diskussion über Sexismus in der Community. Hannes Rudolph, Geschäftsführer der Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ) bestätigt: „Wir haben seit längerem begriffen, dass Homophobie und Transphobie stark mit Sexismus zusammenhängen.“ Vor Frauenfeindlichkeit seien homosexuelle Männer genausowenig gefeit wie heterosexuelle. „Dazu gehört auch eine Diversitätsfeindlichkeit, die es auch in der Community gibt“.

Titelbild: IMAGO/Horst Galuschka


1 Kommentar

  1. Hardy

    Homos frauenfeindlich ? Weiss nicht, ob man das so behaupten kann. Umgekehrt allerdings….Lesbische Männerfeindlichkeit kenne ich gut. Übelste Sorte.
    Diversitätsfeindlichkeit….hab ich auch noch nicht entdeckt. Was ist da gemeint ? Ne Schwulenbar, in der Transen nicht willkommen wären, oder wie ?


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