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„Genetisch oder krankhaft?“

Römisch Katholische Kirchgemeinde Winterthur lädt zur Podiumsdiskussion

„Homosexualität – genetisch oder krankhaft?“ Unter dem Titel veranstaltet die Römisch Katholische Kirchgemeinde Winterthur am 1. Dezember in Winterthur eine Podiumsdiskussion. Die Gäste sind Melanie Handschuh, eine lesbische christkatholische Pfarrerin und Stephan Bischof von der Schwulenorganisation Pink Cross, zuständig für Gesundheit und Religion. Bischof hat den Titel der Runde vorab kritisiert.

Die meisten Schwulen würden einen anderen Lebensstil wählen, wenn sie könnten

Mit dem Titel der Talkveranstaltung nehme man eine Diskussion auf, die in Winterthur im Mai dieses Jahres in freikirchlichen Kreisen geführt wurde, erfährt MÄNNER auf Anfrage. Damals trat der Referent Rolf Rietmann auf, der die These vertritt, Homosexualität sei krankhaft und könne geheilt werden. Der freikirchliche Theologe und Sexualberater glaubt: „Die meisten Schwulen würden einen anderen Lebensstil wählen, wenn sie könnten.“ Er sei selber als Kind missbraucht worden und „schwul gewesen“. Heute ist er mit einer Frau verheiratet und Vater zweier Kinder. Zwar sehe er immer noch gerne schöne Männer an, habe aber keine sexuellen Gefühle dabei. Überhaupt sei Homosexualität „der Lösungsversuch einer tiefer liegenden Sehnsucht” (MÄNNER-Archiv).

„Seine Ansichten wurden in Leserbriefen intensiv diskutiert“, teilte uns Claudia Sedioli
von der Römisch-Katholischen Kirchgemeinde Winterthur mit. „Wir in der katholischen Kirche waren sehr erstaunt, dass die Mehrheit der Leserbriefschreibenden die Meinung des Referenten teilte – die aber nicht der Haltung der Katholischen Kirche in Winterthur entspricht.“

Homosexuelle Menschen würden nicht ausgegrenzt

In der Katholischen Kirche in Winterthur herrsche ein Klima der Offenheit, homosexuelle Menschen würden nicht ausgegrenzt, sondern nähmen teil am Pfarreileben – auch wenn die kirchliche Trauung aus kirchenrechtlichen Gründen nicht möglich sei. „Wir haben uns deshalb entschlossen, das Thema der damaligen Veranstaltung in unserer Talkrunde aufzugreifen und zwar unter einem Titel, der die Wortwahl der Vertreter der sogenannten ‚Reparativtherapie‘ aufnimmt.“

MÄNNER wies daraufhin, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO vor 25 Jahren hat Homosexualität aus der Liste der psychischen Krankheiten gestrichen hat. Darum erschien uns der Titel der Veranstaltung am 1. Dezember „Homosexualität – genetisch oder krankhaft?“ unglücklich gewählt.

Offene Diskussion wagen

Dazu Sedioli: „Ich habe die Formulierung des Titels lange diskutiert, auch mit lesbischen Frauen in meinem Umfeld. Sie empfanden den Titel als provozierend, plädierten aber dafür, eine offene Diskussion zu wagen, an der sich auch Vertreter beteiligen, die Homosexualität für eine ‚Störung‘ halten.“

Wir hoffen, die Haltung, Homosexualität als ‚Störung‘ anzusehen, mit Hilfe der beiden Podiumsgäste widerlegen zu können

Sie könne nachvollziehen, dass der Titel Anstoß erregt. „Er gibt aber nicht die Haltung der katholischen Kirche in Winterthur wieder, sondern spannt die beiden Eckpunkte der öffentlichen Diskussion auf. Diese Diskussion werden wir am 1. Dezember führen und hoffen, die anscheinend bei einem Teil der Bevölkerung vorhandene Haltung, Homosexualität als ‚Störung‘ anzusehen, mit Hilfe der beiden geladenen Podiumsgäste widerlegen zu können.“

Titelbild: Shutterstock/Rawpixel.com


7 Kommentare

  1. Schwulenpapst

    Es ist einfach vergebene Liebesmüh, mit „missionierten“ zu diskutieren und diese wieder zu missionieren! Amen


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