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„Zensur – so hart wie auf Facebook“

Berliner Künstler bekommt es auf Kölner Weihnachtsmarkt mit dem Ordnungsamt zu tun

UPDATE (5.12.2016)„Wir veranstalten seit 2012 die Christmas Avenue, Köln schwul/lesbischen Weihnachtsmarkt. Wir sind bunt, etwas schriller und auf jeden Fall provokanter als alle anderen Weihnachtsmärkte – Ihr kennt uns ja. In diesem Jahr stellt der Berliner Künstler Paul Astor seine Werke bei uns in einer Weihnachtsmarkthütte aus. Das scheint für das doch stets gepriesene tolerante Köln aber jetzt zuviel zu sein. Die Polizei hat bereits Stunden nach der Eröffnung sämtliche Bilder zensiert.

Astor musste alle Bilder mit einer goldenen Folie überkleben. Die lokale Presse berichtete auf Ihrer Titelseite. Alle Spießer empörten sich. Zwei Tage später kommt die Polizei samt Staatsanwalt, veranlasst eine erneute Zensur und sagte: „Was hier Kunst ist, entscheidet in Köln die Staatsanwaltschaft.“
Nun pilgerten viele Kölner Bürger zum Stand auf die Christmas Avenue und ermutigten den Künstler, um zu zeigen, dass Kölner anders dächten. „Wir sind als Veranstalter vieles gewohnt, damit haben wir in Köln nicht gerechnet. Vor allem vor dem Hintergrund einer sehr provokanten Kunst- und Theaterszene hat diese Aussage wesentliche Bedeutung.“

Paul Astor

Der Berliner Künstler Paul Astor vor seinem Stand (Foto: Christmas Avenue)

Verpackt in Weiß und Gold warten im Memospiel „Sweet Memories“ 32 Kartenpaare darauf, entdeckt zu werden. Kein Schwanz ist wie der andere: Prachtexemplare in allen Hautschattierungen und Erregungszuständen – ob mit und ohne Vorhaut. Von jedem Motiv existieren genau zwei Karten im Spiel, und es gilt, das Paar durch das Aufdecken der Spielkarten zu finden (mehr dazu – MÄNNER-Archiv). Mit einer Großpalette dieses Schwanz-Memorys,  limitierten Kunstdruckeditionen auf Alu-Dibond und Kühlschrankmagneten für Schwanzliebhaber präsentiert sich der Berliner Illustrator Paul Astor dieses Jahr erstmals in Köln auf dem schwul-lesbischen Weihnachtsmarkt „Christmas Avenue“ unweit des Rudolfplatzes.

Paul Astor

Foto: Instagram/Paul Astor

Er war im Sommer auch auf dem Berliner CSD und dem schwul-lesbischen Straßenfest mit einem Stand vertreten, ohne dass sich jemand an seinen Illustrationen gestört hätte. Aber in Köln findet man sie offenbar anstößig. Besorgte Bürger schalteten Polizei und Ordnungsamt ein, wie Astor gegenüber MÄNNER berichtet.

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„Da mir angedroht wurde den Stand zu schließen und die Kunstwerke zu konfiszieren um die ganze Sache vor Gericht zu klären, hab ich mich bereit erklärt, die Schwänze zu überdecken. Natürlich mit dem Vermerk „zensiert: Ordnungsamt Köln“ (in Großbritannien sollen „unkonventionelle“ Pornos verboten werden – MÄNNER-Archiv)

Selbstzensur hatten wir lange genug

Insgesamt verkauften sich seine Produkte ziemlich gut, erzählt Astor. Auch seien die Menschen in Köln alle unheimlich freundlich – das kenne er aus Berlin ganz anders. Aber die Sache mit dem Ordnungsamt stinkt ihm schon gewaltig: „Ich komm ja aus der DDR: Selbstzensur hatten wir lange genug“ – und die Zensur in Köln sei „mindestens so hart wie auf Facebook“.

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Schon mitgemacht bei unserer Umfrage der Woche?

Die Umfrage ist bereits beendet!Hier die Ergebnisse:

Eine Adventszeit ohne "Last Christmas" - geht das?

www.paulastor.com

Paul Astor bei Instagram

Fotos: Paul Astor


37 Kommentare

  1. Jochen Hoffmann

    ….und noch weniger mit Weihnachten und Weihnachtsmarkt! Bin kein Freund von Zensur und sicher in der Hinsicht auch nicht prüde oder spiessig, aber nicht alles, was auf einen CSD passt, gehört auch auf einen Weihnachtsmarkt – möge er auch noch so schwul und tolerant sein!

  2. Friedrich Wichmann

    Paul´s Kunst mag zwar nicht jedermanns Geschmack sein. Ich fand ein kleines Schwätzchen mit ihm recht angenehm: außerdem denkt bitte an die Männerdarstellungen des Mittelalters: hätte die katholische Kirche nicht eine Zensur verhängt, wären alle Männer total nackt! Entweder ließen die Kirchenoberen die Glieder abschlagen oder mit einem Feigenblatt „überziehen“ Ich sehe Paul´s visuelle Kommunikation eher gelassen. (Und es regt etwas zum Schmunzeln an)

  3. Uwe Günzel

    Ihr beide, Carsten und Jochen….
    ihr lest Euch genau so wie die Aussage:
    „Ich habe ja nichts gegen …., ABER …… “
    ne Leute – und Ihr gehört auch noch dem „Mittelalter“ an?!
    und seid auch genauso prüde. 🙁
    geht mal einen Schritt weiter, dann seid Ihr in der Wirklichkeit!
    ****

  4. Dennis GwieGustav

    Lieber Uwe. Das alles hat nichts mit Toleranz mehr zu tun. Ich möchte auch frei und offen mit meinem Partner leben können. Dafür haben viele Generationen gekämpft. Aber frei und ohne Anfeindungen von Menschen zu leben, hat nichts mit eregierten Penissen in der Öffentlichkeit zu tun. Man muss nicht die Klischees , die man jahrelang versucht hat aus den Köpfen der Menschen zu bekommen , voll bedienen und damit alles was hart erkämpft war zu zerstören. Du fickst ja auch nicht auf dem Weihnachtsmarkt nur um zu zeigen wie Tolerant du doch bist.

  5. Jochen Hoffmann

    Ich weiß ein gutes Schwanzbild zu schätzen! Aber alles an seinem Ort und zu seiner Zeit – was hat das mit prüde zu tun? Aber der Künstler hat ja so oder so sein Ziel erreicht: Aufmerksamkeit für seine „Kunst“!

  6. Jobst Mahrenholz

    Männer Magazin Definition Kunst: Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeiten, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. (WIKI) Ein Schwanzmemory ist in seiner Funktion eindeutig zuzuweisen. Daher ist es nicht als Kunst, sondern als Design einzustufen.

  7. Torben Stern

    Ist der Weihnachtsmarkt denn nur für Erwachsene? Falls nicht, finde ich solche Darstellung fehl am Platz, schließlich gehen auch Kinder über den Weihnachtsmarkt. Einige Regeln sollten beachtet werden, sonst kann man ja auch Pornofilme im Supermarkt verkaufen.

  8. Jobst Mahrenholz

    Eregierte Schwänze haben für mich zunächst mal nichts mit ‚Schwul‘ zu tun. Heteros kriegen und haben die auch. Mich würde es einfach total abnerven, auf einem Weihnachtsmarkt damit konfrontiert zu werden. Ich hab da keinen Bock auf Geschlechtsorgane sondern freue mich auf Lebkuchenherzen, gebrannte Mandeln, Leierkastenmusik und Glühwein. Mögt ihr jetzt vielleicht spießig finden, ist aber nun mal so.

  9. Georgios Konstadinidis

    Da machen sich die Hamburger bestimmt lustig über uns, weil wir so verklemmt sind…mal gesehen was auf dem St.Pauli Weihnachtsmarkt so angeboten wird? Sorry aber nur weil zufällig ein Kind das hätte sehen können wäre es nicht gleich zum Psycho Fall geworden? In was für einer spiessigen Welt wir doch immer noch leben und das Beste…es gibt Schwule, die diese Verklemmtheit auch noch unterstützen, um ja nicht als „böser“ „sexsüchtiger“ Schwuler gesehen zu werden….nur immer das brave Bild des netten Schwulen von nebenan pflegen…scheiss Doppelmoral!

  10. Uwe Günzel

    dann kann ich weiterhin einen „normalen“ Weihnachtsmarkt besuchen…
    WAS „treibt“ eigentlich den Menschen auf einen „schwulen Weihnachtsmarkt“?
    WAS denkt er da anzutreffen?
    und dann, wenn es nicht seinen Erwartungen entspricht, da gegen wettern? – das sind mir die richtigen!

  11. Claus J. Schöller

    Jochen Hoffmann ich kann mich da eins zu eins deiner Meinung anschließen…das hat nichts mit Prüde zu tun…ich fände es auch nicht schön aufm Weihnachtsmarkt nackte Muschis zusehen…

  12. Claus J. Schöller

    Kunst definiert jeder anders und das ist ja auch gut so..was damals von der Gesellschaft nicht als Kunst wahrgenommen wurde ist es aber heute….vielleicht sind es die Schwanzbilder in ein paar Jahrzehnten dann auch..wobei ich mich frage ob die dann auch in den großen Museen der Welt ausgestellt werden..hm 😯

  13. Stephan Philipp

    Geht lieber nebenan auf den Rudolfplatz. Keine Schwanzpics, keine Dildos, kein Pink und Glitzer bis zum Exzess. Dafür ist der Glühwein günstiger und schmeckt auch besser. Christmas Avenue Cologne ist ein big fail. (Meine Meinung)

  14. Harry Fritot

    Muss man auch noch einen Weihnachtsmarkt „Sexualisieren“ ?
    Ich finde Nein !
    Es muss auch Bereiche im (Öffentlichen-) Leben geben wo nicht jeder -auf Toleranz pochent- seine eigenen Interessen verfolgt sondern genauso Tolerant und Respektvoll akzeptiert,das seine Interessen nicht Überrall und an jeden Ort gefragt/ geboten werden.
    Vor allem wenn es um Sexuelle Dinge geht.Die müssen auch nicht wirklich überrall sein.
    Abildungen von Schwänze oder sonstigen Geschlechtsteilen bzw. sexuelle Akte oder „Sexspielzeug“ sind auf einem Weihnachtsmarkt nun wirklich unpassend.Dafür gibt es doch nun wirklich schon genug andere Orte.
    Frag mich eh warum wir unbedingt einen schwulen Weihnachtsmarkt brauchen…

  15. Markus Herzog von Purer

    Für mich hat das nichts, aber auch gar nichts mit Kunst zu tun! Wir wollen Toleranz und Akzeptanz und wundern uns dann über die Unverständnis anderer. Ich will weder des Mannes Geschlechtsteil, noch die der Frau auf einem Weihnachtsmarkt sehen! Weder auf einem schwulen noch auf einem anderen! Das hat weder etwas mit prüde noch konservativ zu tun. Diese Form von Kunst, wenn es überhaupt als solches bezeichnet werden darf, gehört nicht an jenem Ort wo jedermann vorbeilaufen kann, sondern in ein Museum, wie gesagt wenn überhaupt.

  16. Mathias Braasch

    Ihr habt ja schon einmal darüber berichtet, und ich bin immer noch der Meinung, dass so ein „Schwanz Memory“ zwar eine einigermaßen witzige Idee ist, aber nicht auf einen öffentlich zugänglichen Weihnachtsmarkt gehört. Eine Erotik-Messe wäre angemessener. Weihnachtsmärkte haben für mich auch etwas mit Weihnachten zu tun und nicht mit den primären männlichen Geschlechtsmerkmalen und -organen.

  17. Mathias Braasch

    Ein nackter Mensch ist nicht das Problem, ein erregtes Geschlechtsteil allerdings schon. Und das hat auch meiner Meinung nach auf einem Weihnachtsmarkt nichts zu suchen. Wenn es ein Wintermarkt wäre… pfft. Aber Weihnachten ist für mich schon etwas anderes. Außerdem werden dadurch nur wieder all diejenigen bestärkt, die ohnehin meinen, dass die Toleranz gegenüber Schwulen ohnehin viel zu weit geht und dass wir nur durch unseren Gleichgeschlechtstrieb gesteuert werden.

  18. Christian Roesinger

    Das wäre mir selbst für nen csd zu platt und niveaulos. Hier geht es doch nur darum irgendwie eine Schlagzeile zu provozieren. Was kommt den als nächstes? Einfach nur schäbig das Schulenklischee bedient “ immer nur Schwänze im Kopf“


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