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Zu schön, um wahr zu sein

Der MÄNNER-Wochenkommentar - immer wieder samstags

Immer samstags veröffentlicht MÄNNER einen Wochenkommentar, verfasst von wechselnden Autoren. Zum festen Stamm gehören Axel Hochrein (LSVD-Vorstand), Stefan Mielchen (Erster Vorsitzender von Hamburg Pride) sowie Jan Feddersen (taz)

von Jan Feddersen

Carolin Emcke ist vor jedem hässlichen Angriff in Schutz zu nehmen. Aber spricht die Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels wirklich von der homophoben Wirklichkeit?

Die in Hamburg aufgewachsene Journalistin Carolin Emcke hat kürzlich in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des deutschen Buchhandels zuerkannt bekommen (MÄNNER-Archiv). Diese Autorin gehört zum Exzellenzkreis der deutschsprachigen Intellektuellen, sie war und ist Reporterin in jenen Gebieten der Welt, in denen niemand leben will, der seine Ruhe haben will. Sie hat ein Buch zur RAF und zum Mord an ihrem Patenonkel Alfred Herrhausen verfasst, sie hat in den USA an besten Universitäten studiert und ist für uns insofern besonders, als sie ihr Lesbischsein nicht verschweigt. Vielmehr hat sie über Homosexualität auch ein Buch verfasst, Titel „Wie wir begehren“. (Und Emcke führte das Coming-out-Interview mit Thomas Hitzlsperger, der seither für Vielfalt im Sport kämpft – MÄNNER-Archiv)

Aus ihren Zeilen spricht Verachtung

Ihre Friedenspreisrede hat etliche Reaktionen hervorgerufen, und nicht nur erfreuliche. Im Deutschlandradio hat dessen Feuilletonredakteur René Aguigah die Kritiker und ihre hässlichen Urteile über die Preisträgerin wiederum heftig analysiert und vorgeführt. „Aus ihren Zeilen spricht Verachtung“, und damit meinte er Autoren wie den Bundesrichter Thomas Fischer, der sich auf Zeit-Online wöchentlich ein gigantisches Publikum mit seinen (oft zutreffenden) Analysen höchste Popularität erarbeitete, auch meint Aguigah Journalisten wie Adam Soboczynski von „Zeit“, der Emcke jüngstes Buch „Gegen den Hass“ verriss.

Die meisten Kritiker mochten einfach nicht, dass man Homosexuelles politisch kontextualisiert und nicht nur als Privates versteht

Man darf, ja, man muss vermuten, dass ein Gros des Furors gegen die Autorin und Preisträgerin sich aus dem Umstand speist, dass Emcke, die selbst in privilegiertesten Kreisen in den Hamburgs Elbvororten aufwuchs, sich aus Gründen persönlicher Angewidertheit speist. Sie würden sich nicht als homophob bezeichnen, und homophob ist ohnehin die inzwischen verbrauchte Vokabel, um bestimmte Haltungen und Geisteszustände zu charakterisieren. Die meisten Kritiker mochten einfach nicht, dass man Homosexuelles politisch kontextualisiert und nicht nur als Privates versteht. Es sind, mit anderen Worten, gediegene Heterosexuelle, die Queeres damit zu ersticken suchen, als sie unbedingt böse reagieren, wenn schwule Männer oder lesbische Frauen ihre Demütigungen (durch Heterosexuelle) zum Thema machen. Das Übersehenwerden, menschlich und thematisch. Das Gehässige in der Ansprache, das Beharren darauf, dass die Welt keine weiße heterosexuelle (mehr) ist.

Unsere Umfrage der Woche:

Die Umfrage ist bereits beendet!Hier die Ergebnisse:

Wie haltet Ihr es mit unseren lesbischen Schwestern?

Teil 2: „Es dürfen ein paar Dinge bei Carolin Emcke hinterfragt werden“


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