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Eine Spritze gegen HIV?

Eine großangelegte Studie mit einer Langzeit-PrEP geginnt in Afrika, Asien und Nordamerika

Während in Deutschland noch um die Finanzierung der täglichen PrEP gestritten wird (MÄNNER-Archiv), ist die internationale Forschungsgemeinschaft längst weiter. Eine im November angekündigte Studie mit Depot Medikamenten, die bis zu zwei Monate gegen eine HIV-Infektion schützen könnten, haben am 21. Dezember begonnen. 4500 Männer und Trans* die Sex mit Männern haben nehmen an der Studie teil. Die Teilnehmer der Studie kommen aus Asien, Afrika und Nordamerika. Ziel der Studie ist es, herauszufinden, ob das Medikament Cabotegravir, das alle zwei Monate intravenös verabreicht wird, Männer die Sex mit Männern haben so erfolgreich gegen HIV schützen kann, wie das Truvada tut, die einzige derzeit zugelassene PrEP. Eine zweite Studie, an der vor allem afrikanische Frauen teilnehmen werden, folgt im nächsten Jahr. Allerdings wird mit Ergebnissen in frühestens fünf Jahren gerechnet, denn die Studie ist auf einen Zeitraum von vier Jahren angelegt, wonach die gesammelten Daten ausgewertet werden müssen.

Mit der zweitmonatlichen Injektion wäre eine Verletzung der Privatsphäre der Patienten so gut wie unmöglich

Bereits jetzt nehmen rund 90.000 Menschen in den USA einmal täglich PrEP und schützen sich so sehr wirksam vor HIV. Eine PrEP minimiert bei richtiger Anwendung das Infektionsrisiko um bis zu 90 Prozent. Die Injektion soll denjenigen helfen, für die regelmäßige Medikamenteneinnahme schwierig ist (MÄNNER-Archiv). Zum Beispiel schwulen Männern, die nicht in Ballungsräumen wohnen oder afrikanischen Frauen, für die HIV-Vorsorge oft schambesetzt ist. Mit der zweitmonatlichen Injektion wäre eine Verletzung der Privatsphäre der Patienten so gut wie unmöglich und trotzdem würden die wirkstoff-Level auf dem heutigen Niveau gehalten.

Wir brauchen dringend mehr präventive Medikamente

Dr. Anthony Fauci, der Leiter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Großbritannien sagte gegenüber dem Internetportal PinkNews: „Wir brauchen dringend mehr präventive Medikamente, die sich einfach in das tägliche Leben von Menschen integrieren lassen. Obwohl die tägliche Einnahme von Truvada eine deutliche Verbesserung der Prävention darstellt und hoch effektiv ist, ist es für vieler Menschen schwierig, täglich ein Medikament einzunehmen, wenn sie sich doch eigentlich gesund fühlen. Wenn die Studie erfolgreich verläuft, wäre Cabotegravir eine echte, diskrete und einfach anzuwendende Alternative in der HIV-Prävention.“

Auch in Deutschland ist Truvada als PrEP seit einigen Monaten verschreibungsfähig

Auch in Deutschland ist Truvada als PrEP seit einigen Monaten verschreibungsfähig, allerdings mit 820 Euro für eine Monatspackung für die meisten unerschwinglich teuer. Und, bis es die Krankenkassen bezahlen, wird es wohl noch etwas dauern. Im November haben sich HIV/Aids-Organisationen in Deutschland für die Einführung und Kostenübernahme der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) ausgesprochen. (MÄNNER-Archiv) Prof. Josef Hecken, der unparteiische Vorsitzenden des zuständigen Gemeinsamen Bundesausschusses, antwortete prompt und ließ wissen: „Das Arzneimittel Truvada hat zusätzlich zur HIV-Behandlung am 18. August 2016 die Zulassung zur prä-expositionellen HIV-Prophylaxe als weiteres Anwendungsgebiet erhalten. Der Gesetzgeber hat allerdings das Leistungsspektrum der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) für solche Leistungen, die der Prävention von Krankheiten dienen, klar definiert. Für Arzneimittel gilt daher, dass diese in der Regel nur zur Krankenbehandlung zur Verfügung gestellt werden.“

Truvada ist keine Alternative zu Safer-Sex-Praktiken, wie sie die Verwendung von Kondomen darstellt

„Daneben gibt es weitere Anwendungsbereiche; dies setzt jedoch voraus, dass es sich um eine Schutzimpfung oder medizinische Vorsorgeleistung handelt. Bei Truvada handelt es sich zweifellos nicht um einen Impfstoff.  Die Verordnungsfähigkeit medizinischer Vorsorgeleistungen unterliegt weiteren Voraussetzungen. Truvada ist keine Alternative zu Safer-Sex-Praktiken, wie sie die Verwendung von Kondomen darstellt. Schon in der Zulassung wird darauf hingewiesen, dass Truvada zur Prä-Expositions-Prophylaxe nur als Teil einer Gesamtstrategie zur Prävention einer HIV-1-Infektion d.h. nur in Kombination mit der Verwendung von Kondomen angewendet werden sollte. Ein gesetzlich vorausgesetzter Vorsorgebedarf besteht insoweit nicht.” Die Deutsche-AIDS-Hilfe und andere HIV/AIDS-Organisationen haben angekündigt, sich nun für eine Änderung der Allgemeinen Impfrichtlinie einzusetzen, um Truvada als Vorsorgemedikament anerkennen zu lassen.

Foto: Shutterstock/funnyangel


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