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Safer Sex: Vorsicht Liebe!

Das ist gefährlich, lebensgefährlich: zu viel Gefühl!

In dem 30 Jahre alten Song „Blaue Augen“ der Band Ideal heißt es „…das ist gefährlich, lebensgefährlich: zu viel Gefühl!“. Annette Humpe, die schon die Sängerin der NDW-Combo war als ihr zukünftiger Ich+Ich-Kollege Adel Tawil noch in der Windel um den Weihnachtsbaum robbte, singt das voller Überzeugung. Weil sie weiß, dass sie recht hat: nie ist man so leichtgläubig, zutraulich und vertrauensseelig wie in den ersten Monaten einer neuen Liebe. Und das ist, verdammt nochmal, auch ganz wunderbar so. Nur: gefährlich ist es auch. Besonders und immer wieder in Bezug auf HIV. So gut wie jeder, der sich als er jünger als 30 war, in Deutschland mit dem Virus infiziert hat, hat das in den letzten 15 Jahren getan, weil er jemandem zu sehr vertraut und ihm geglaubt hat, dass schon nichts schlimmes passieren könnte. Um es mal ganz deutlich zu sagen: „Komm, wir machen’s ohne, wir lieben uns doch“ ist das Schwachsinnigste, was man so von sich geben kann und wird an Dummheit nur noch von demjenigen übertroffen, der den Unsinn glaubt.

Wer euch liebt, will euch schützen und setzt euch keinem Risiko aus

Mal zum Mitmeißeln: Wer euch liebt, will euch schützen und setzt euch keinem Risiko aus. Wer euch liebt, kann auch sechs Wochen Sex mit Gummi haben, bis ihr beide ganz romantisch gemeinsam beim Test auf alle möglich sexuell übertragbaren Krankheiten ward und an allen Fronten negativ seid (wenn man ein Date daraus macht, ist auch das halb so schlimm). Wer euch liebt, lässt sich auf eine Diskussion darüber ein, ob ihr eine monogame oder offene Beziehung führen wollt, und zwar immer wieder, und was genau das bedeuten würde, für euch und für den Sex in eurer Beziehung. Wer euch liebt, ist ehrlich zu euch.

Sollte man seinem Partner immer treu sein? Das ist Verhandlungssache.

Womit wir bei Problem Nummer zwei von großer, junger Liebe wären: Das Bild aller Beteiligten davon, ist so von „Titanic“, Romantic Comedys und Disney zugekleistert, dass auch „Queer As Folk“ und „Looking“ dagegen wenig ausrichten können, die viel ehrlicher im Umgang mit real existierender schwuler Sexualität sind. Sollte man seinem Partner immer treu sein? Das ist Verhandlungssache. Guckt, wer euch liebt, nie wieder einem anderen Kerl hinterher, oder fasst gar einen an? Das müsst ihr selber wissen. Was in jedem Fall stimmt: Wer euch liebt, sagt euch, wenn er sich und damit auch euch der Gefahr ausgesetzt hat, sich mit HIV zu infizieren. Auch, wenn ihr geschworen habt, euch nie zu „betrügen“. Auch, wenn er damit eure Beziehung aufs Spiel setzt. Denn euer beider Leben und Gesundheit ist wichtiger als eure Beziehung.

Was würdest du machen, wenn dir ein Ausrutscher passiert ist und du wüsstest, das ist garantiert nicht das Ende unserer Beziehung?

Hier sind ein paar wichtige Fragen, die sich Paare EHRLICH(!) beantworten sollten, bevor sie sich ewige Treue schwören, und so in einem Gefängnis aus Sonnenstrahlen, Regenbögen und rosa Wölkchen einsperren: „Findest du mich geil?“, „Geil genug, im Moment mit niemandem anders schlafen zu wollen?“, „Was würde unseren Sex noch geiler für dich machen?“, „Willst du mal einen Dreier/Vierer/Fünfer/eine Orgie haben?“, „Kannst du dir vorstellen, eine offene Beziehung zu führen?“, „Wie könnte die aussehen?“, „Was würdest du machen, wenn dir ein Ausrutscher passiert ist und du wüsstest, das ist garantiert nicht das Ende unserer Beziehung?“, „Wäre es für dich das Ende unserer Beziehung, wenn mir ein Ausrutscher passiert?“, „Bist du HIV-negativ?“, „Wann war dein letzter HIV-Test?“ Es gibt noch 500 weitere Fragen dieser Art, die jedes Paar dazu bringen können, sich besser kennenzulernen, wenn man ehrlich zueinander ist. Denn ist das nicht Liebe: Fast alles über einander zu wissen, und den anderen nicht nur deswegen, sondern auch trotzdem das hübscheste, schärfste, klügste, lustigste Menschenkind zu finden, was man kennt?

Foto: Shutterstock/ArrowStudio


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