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Alles super

Was genau ist eigentlich Super-Tripper. Und: Kann man sich davor schützen?

Die Nachrichten, die im letzten Jahr in England die Runde machten, waren der Alptraum jeden Arztes, der sich mit Geschlechtskrankheiten auseinandersetzen muss. Und sie waren so besonders besorgniserregend, weil sie keine Überraschung waren: Super-Tripper ist da. Und er ist gekommen um zu bleiben und könnte es sich sehr, sehr gemütlich machen, wenn wir nicht aufpassen. Besonders unter schwulen Männern. Was Super-Tripper ist? Jedenfalls überhaupt nicht super: einfach die durch nichts aufzuhaltende, weil gegen jedes vorhandene Antibiotikum resistente Variante eines normalen Trippers. Der ist an sich seit über hundert Jahren nichts Schlimmes mehr. Gonokokken-Bakterien (Neisseria gonorrhoeae) lösen im Mund-, Anus oder im Genitalbereich, einfach auf jeder Schleimhaut die man für Sex so braucht, eine Infektion aus, die sich durch Ausfluss bemerkbar machen kann, aber oft auch einfach symptomfrei verläuft.

Tripper ist die häufigste Geschlechtskrankheit der Welt

Übertragen werden Gonokokken beim Lecken oder beim Analverkehr ohne Gummi, durch Fingerspiele, gegenseitiges Wichsen oder Dildos, die von mehr als einer Person abwechselnd benutzt werden. Eine anale Infektion erhöht das Risiko, sich beim Sex mit HIV zu infizieren oder das Virus weiterzugeben. Tripper ist die häufigste Geschlechtskrankheit der Welt, eben weil sie sich so leicht weitergeben lässt. Was sie in ihrer unbehandelbaren Variante so gefährlich macht. Denn weil die Erkrankung eben oft symptomfrei ist, wird sie genauso oft übersehen und kann sich dann mit rasender Geschwindigkeit ausbreiten. Ein unbehandelter, weil nicht bekannter oder eben nicht zu behandelnder Tripper, kann zu Nierenentzündungen, zu Impotenz und anderen unangenehmen Resultaten führen. Genau davor kein Gegenmittel mehr dagegen zu haben, fürchten sich Ärzte derzeit.

34 bekannte Fälle von Super-Tripper gab es 2015 in England

Und zwar aus gutem Grund: Im Moment gibt es, weil das Bakterium sehr anpassungsfähig ist und schnell Resistenzen bildet, nur noch zwei Antibiotika, die in Kombination gegen Tripper eingesetzt werden können. Die Super-Tripper Bakterien sind gegen beide dieser Antibiotika immun, und damit im Moment nicht anzugreifen, haben also freie Hand.  34 bekannte Fälle von Super-Tripper gab es 2015 in England. Klingt erst mal nicht viel, ist aber, berechnet man die möglichen Verbreitungsraten des Bakteriums, schon beängstigend. 21 dieser Fälle sind Männer die Sex mit Männern haben. Experten warnen, dass die Gefahr laufen sich besonders schnell anzustecken und das Virus dann weiterzuverbreiten, einfach weil sie deutlich öfter die Partner wechseln, als Heterosexuelle. Für schwule Männer, die häufig ungeschützten Oralverkehr haben, besteht eine besonders hohe Chance, sich zu infizieren. Und hat man das multiresistente Bakterium einmal, wird man es, wie gesagt, nicht wieder los, bis die Pharmaindustrie beschließt, neue Antibiotika auf den Markt zu bringen, was nur alle paar Jahre passiert.

So kann man sein Risiko deutlich verkleinern

Einhundertprozentigen Schutz gegen Tripper gibt es nicht, dafür sind die möglichen Übertragungswege einfach zu vielfältig. Aber durch das Benutzen von Kondomen bei Analverkehr, die ungeteilte Freude an Sexspielzeug und das Mitbringen eigenen Gleitmittels, das man nur allein benutzt, kann man sein Risiko – und natürlich auch das für seine(n) Partner – deutlich reduzieren. Hat man sich einen normalen Tripper eingefangen, kann der durch einen Harnröhren-Abstrich diagnostiziert werden, und wird dann einfach mit Antibiotika behandelt. Tripper gehört definitiv mit zu den sexuell übertragbaren Infektionen, auf die sich schwule und bisexuelle Männer alle Sex Monate testen lassen sollten, bei häufigem Partnerwechsel gern öfter. Das Risiko sich mit HIV, aber auch anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken, steigt durch eine Tripper-Infektion um ein Vielfaches. Wer Syphilis UND/oder Tripper hat, eine Kombination die gerade in deutschen Großstädten derzeit gern genommen wird, sollte mit dem nächsten Sex unbedingt warten, bis die Infektion(en) vollständig ausgeheilt sind. Dabei hilft ein vertrauensvolles Verhältnis zum eigenen Arzt, der einen auch zum Thema Super-Tripper gern berät.

Foto: Shutterstock/Lopolo 

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