DHAKA BANGLADESH APRIL 26 Medical assistants carrying a trolley with the body of activist Mahbu

„Die Community ist zusammengebrochen“

Im April war der Chefredakteur des ersten LGBT-Magazins von Bangladesch ermordet worden

Bald acht Monate sind seit dem brutalen Mord an Bangladeschs LGBTI-Aktivisten Julhas Mannan vergangen, seither versteckt sich die queere Bevölkerung aus Angst. Die Community sei zusammengebrochen, sagt ein Aktivist gegenüber der Thomson Reuters Foundation, der aus Angst um seine Sicherheit anonym bleiben will. 15 Leute seien ins Ausland gegangen, zehn weitere hätten entsprechende Pläne. Im Moment gibt es „keine Bewegung, keine Sichtbarkeit, keine Aktionen.“

Erstochen und zerstückelt

Im April war der Chefredakteur des ersten LGBT-Magazins von Bangladesch Rupbaan ermordet worden, auf eine an Brutalität kaum zu überbietende Weise. Der 35-jährige Julhas Mannan und sein Freund und Schauspieler  Mahbub Rabbi Tonoy wurden erstochen und zerstückelt. Eine Gruppe von Männern gab sich als Mitarbeiter eines Kurierdienstes aus, die ein Paket abgeben wollten – das gab ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes des Gebäudes an. Als er eine halbe Stunde später Schreie hörte, ging er nachsehen und wurde selber attackiert. Ansar al-Islam, eine Gruppe aus Bangladesch, die dem Terrornetzwerk al-Qaida angehört, bekannte sich später via Twitter zum Mord an Julhas Mannan.

Bangladesch

Foto: Facebook

Mannan war Aktivist und arbeitete für die Entwicklungsbehörde USAID in der US-Botschaft.Er hatte als Mitglied der Gruppe Rupbaan in der Hauptstadt Dhaka seit 2014 die Rainbow Rally veranstaltet – eine Pride-ähnliche Veranstaltung, die sich für Homo-Rechte einsetzt. Auch in diesem Jahr sollte sie stattfinden, wurde jedoch aus Sicherheitsgründen abgesagt. Islamisten hatten gedroht, die Teilnehmer zu verprügeln. Etwa 60 Demonstranten hatten sich eingefunden, von denen die Polizei vier festnahm. Nachdem sie deren Familien mitgeteilt hatten, dass ihre Söhne schwul seien, wurden sie wieder freigelassen (MÄNNER-Archiv).

„Geschlechtsverkehr wider die Natur”

Bangladesch hält nach wie vor an Artikel 377 des Strafgesetzbuches fest, dem so genannten Antisodomie-Gesetz, das vor über 150 Jahren von der britischen Kolonialmacht eingeführt wurde. „Einvernehmlicher Geschlechtsverkehr wider die Natur“ kann mit bis zu lebenslänglicher Haft bestraft werden. Auch wenn Homosexualität an sich in Bangladesch nicht gesetzlich verboten ist, sind viele LGBT Aktivisten ins Exil gegangen.

Im Herbst 2015 war eine Todesliste aufgetaucht, offenbar veröffentlicht durch die islamistische Gruppe Ansarullah Bangla Team, die im Laufe des Vorjahres für mindestens vier brutale Morde an säkularen Bloggern verantwortlich gemacht wird. Auch sechs in Deutschland lebende Blogger sollen auf der Liste stehen. Die Regierung Bangladeschs unternimmt nach Angaben von Reporter ohne Grenzen wenig, um kritische Journalisten und Blogger zu schützen. Stattdessen rief sie diese zur Selbstzensur auf und empfahl ihnen, keine provokanten Artikel zu religiösen Fragen zu veröffentlichen. Auf der Rangliste der Pressefreiheit belegt Bangladesch Platz 146 von 180 Staaten.

Titelbild: IMAGO/Z.H.Chowdhury


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