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Beck erhält „Rosa Courage“-Preis 2017

Der Tag im Zeitraffer (1.12.2016)

Volker Beck erhält den „Rosa Courage“-Preis 2017. Damit zeichnet ihn das Team der schwul-lesbischen Kulturtage Gay in May in Osnabrück für sein Engagement für die Rechte von LGBTI-Menschen aus. Derweil muss der Grünen-Politiker fürchten, keinen sicheren Listenplatz für die Bundestagswahl 2017 zu bekommen. Morgen entscheiden die Delegierten des Grünen-Landesverbands in NRW über ihre Kandidaten.

Seit den 1980ern war Volker Beck neben seinem friedenspolitischen Einsatz auch in der Schwulenpolitik aktiv

„Sein Einsatz für Minderheiten begann früh”, heißt es in der Begründung der Gay-in-May-Jury. „So bekämpfte er 1986, auf dem Höhepunkt der AIDSHysterie, die restriktive Politik von Peter Gauweiler, dem damaligen Staatssekretärs des Bayerischen Innenministeriums, der unter anderem Zwangsuntersuchungen für Nicht-Europäer und „Risikogruppen“ wie Homosexuellen verlangte. Seit den 1980ern war Volker Beck neben seinem friedenspolitischen Einsatz auch in der Schwulenpolitik aktiv. So arbeitete er von 1987 bis 1990 als Schwulenreferent bei der Bundestagsfraktion der Grünen, war bis 1994 auch Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Schwulenpolitik in der Partei. Von 1991 bis 2004 agierte er zudem als Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD). Seit 1994 arbeitet Volker Beck auch im Deutschen Bundestag, wo er sich bereits früh für die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben einsetzte, die ersatzlose Streichung des § 175 StGB sowie die Abschaffung von ‘Rosa Listen’ forderte, mit der das Merkmal ‘homosexuell’ in Polizeidokumenten auftauchte.”

Prominente „Rosa Courage“-Preiträger der letzten Jahre sind unter anderem die Politikerin Claudia Roth, der Filmemacher Wieland Speck, Autor Lutz van Dijk, die Kabarettistin Maren Kroymann, die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, Regisseur Rosa von Praunheim (sein Outing-Auftritt bei RTL ist jetzt 25 Jahre her – MÄNNER-Archiv), Comic-Zeichner Ralf König oder der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit. Mit dem „Rosa Courage“-Preis zeichnet der Preisstifter Gay in May seit 1992 Persönlichkeiten aus, die sich in herausragender Art und Weise künstlerisch und/oder politisch für die Belange von LGBTI-Menschen einsetzen. Gay in May gehört zu den ältesten Veranstaltern schwul-lesbischer Kulturtage in Deutschland, die in Osnabrück seit 1979 kontinuierlich in jedem Jahr stattfanden.

Die feierliche Übergabe des Preises wird am 22. Mai 2017 um 18 Uhr im Friedenssaal des Historischen Rathauses zu Osnabrück stattfinden.

Britische Premierministerin trägt Aidsschleife

Theresa May ist nicht der LGBTI-freundlichste Regierungschef, den Großbritannien je hatte (MÄNNER-Archiv). Und ihre Regierung tut sich bei der breiten Einführung und Finanzierung der PrEP für alle, fast noch schwerer als die deutsche. Das hat May aber nicht davon abgehalten, in einem Video zum heutigen Welt-AIDS-Tag ihre uneingeschränkte Solidarität mit HIV-Positiven zu bekunden. Sie sagt unter anderem. „Ich bin als Premierministerin stolz, heute den Red Ribbon zu tragen. … Ich bin auch stolz, auf die Rolle, die Großbritannien bei den Fortschritten in der Behandlung und Prävention von HIV und AIDS spielt. … Aber auch wenn wir viele Fortschritte gemacht haben, die öffentliche Meinung über HIV-Positive hat damit nicht immer Schritt gehalten.” Der neueste UK-HIV Stigma Index zeigt, dass einer in fünf HIV-Positiven in den letzten zwölf Monaten Selbstmordgedanken hatte (MÄNNER-Archiv).

Amsterdam bekommt AIDS-Mahnmal

Nach San Francisco, Vancouver und Manchester bekommt auch Amsterdam ein Monument für die an AIDS Verstorbenen. Aber die vom NAMES-Project Amsterdam initierte Gedenkstätte soll auch ein Ort sein, an dem die, die heute mit dem Virus leben, Kraft schöpfen können. Jedem, der es sieht, soll es HIV und AIDS in Erinnerung rufen. Das Denkmal steht direkt am Wasser gegenüber der De Ruyterkade 113, zwischen dem Hauptbahnhof und Muziekgebouw. Der mit roten Glaskugeln gefüllte sieben Meter hohe Rechenschieber, der in der Sonne leuchtet heißt „Living by Numbers” und wurde vom französischen Künstler Jean-Michel Othoniel entworfen. Der erklärt sein Konzept so:

„Einander vertrauen. Zuerst jedoch sich selbst vertrauen. Diejenigen erkennen, die zählen und die, die gezählt haben. In den letzten 30 Jahren haben wir kaum etwas anderes getan, als gezählt: die Tage, seit AIDS ankam, unsere toten Freunde, die Tage, seit wir die Krankheit in Schach halten konnten, unsere Hoffnungen, unsere Therapien, die Zahl der Kranken, die wir kennen, die Stunden, in denen wir glücklich waren. Die Perlen helfen uns aber auch, die Stunden zu zählen, die wir dem Kampf gegen die Krankheit gewidmet haben. Zahlenspiele sollten aber genau das sein, ein Spiel. Und dieser riesige Rechenschieber wird uns auch dabei helfen, abzuzählen und darauf zu hoffen, das die Zahlen kleiner werden. Dass wir die Null irgendwann erreichen und dann nicht mehr gezählt werden muss. Das Denkmal ist da, damit wir das nicht vergessen und nicht aufhören, dafür zu kämpfen.”

Titelbild: Angelika Kohlmeier


5 Kommentare

  1. Bernhard Kreiner

    etwas eigenartig diesmal hat ja der community in letzter zeit auch schaden zugefügt und zuwenig konsequenzen gezogen hat vor her einige gute dinge gemacht aber nach einem absturz gleich ein preis ist einfach nur verlogen sorry

  2. Mathias Braasch

    Bernhard Kreiner , das sehe ich anders. Volker Beck hat sicher viel Flurschaden angerichtet. Durch seine öffentliche Position hat er dabei wahrscheinlich auch den Grünen und vielleicht auch der LGBTI-Sache Schaden zugefügt. Am meisten jedoch hat er sich wohl selbst geschadet. Was in den letzten Monaten über ihn an Gülle ausgeschüttet wurde, dürfte für ihn sehr schwer zu ertragen gewesen sein. Er hat seit Jahrzehnten einen großen Einsatz für unsere Sache, aber auch für andere, gezeigt. Dabei hat er sich schon zu einer Zeit exponiert, als das noch wesentlich unbequemer war. Ohne seinen Einsatz wären unsere Themen in Bonn und Berlin nicht so auf die Tagesordnung gekommen, wie dies tatsächlich geschehen ist. Auch in anderen Ländern hat er sich für die LGBTI-Rechte eingesetzt und teils buchstäblich Prügel bezogen. Welcher Politiker sonst hat das auch nur ansatzweise in diesem Maße getan? Da sehe ich niemanden. Volker Beck hat Mist gebaut und dafür gebüßt. Er wird nun geehrt und dazu gratuliere ich ihm herzlich! Glückwunsch Volker und „Danke”! Das war eben nicht alles selbstverständlich.


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