You Can’t Please All 1981 by Bhupen Khakhar 1934-2003

Man kann es nicht allen recht machen

Buphen-Khakhar-Austellung noch bis März in Berlin

Nachdem Buphen Khakhar Ende der 70er Jahre zum ersten Mal in Großbritannien gewesen und Zeuge homosexueller Lebensentwürfe geworden war, begann das, was er später seine „schwule Phase“ nannte. Als Auftakt dieses Abschnitts gilt das Gemälde „You Can’t Please All“ („Du kannst es nicht allen recht machen“) von 1981. Es ist ein Selbstbildnis des damals 47-Jährigen, wie er an einer Balkonbrüstung lehnt und auf eine Kleinstadtszenerie herabblickt, in der Männer Autos reparieren, Geschäfte machen, Obst ernten, Esel reiten, reden, rumhängen und beten (siehe unser Titelbild).

Das Bild vereint diverse kleine Alltagsszenen wie sie schon zuvor Khakhars Arbeiten geprägt hatten. Und auch wenn es im Gegensatz zu vielen späteren Bildern keine homoerotischen Eindeutigkeiten wie Männer, die knutschen, vögeln oder einander den Finger in den Hintern stecken, enthält, markiert es einen Wendepunkt. Khakhar porträtiert sich gleichzeitig als außenstehenden Zaungast und als übergroßen Betrachter. Trotz seiner Nacktheit wirkt er unangreifbar. So fühlte er sich damals. Weil ihm die Erlebnisse in England gezeigt hatten, dass das Ausleben der eigenen Persönlichkeit (und Sexualität) nie die Zustimmung der ganzen Gesellschaft finden wird. Dass man es nicht allen recht machen kann. Diese Erkenntnis war eine Befreiung.

bhupen khakhar

Man Leaving (Going Abroad), 1970

Khakhars Selbstfindung war eng an seine Freundschaft mit dem britischen Malerkollegen Howard Hodgkin gekoppelt. Hodgkin kam Anfang der 80er selbst allmählich mit seiner Homosexualität ins Reine. Später erzählte er Anekdoten über Besuche in Indien (wo Homosexualität ein großes Tabuthema ist – MÄNNER-Archiv), bei denen Khakhar seinen Diener und Lover Pandu dazu anhielt, den Gast aus Europa „in jeder erdenklichen Form zu betreuen – was eine diskrete Umschreibung ist“. Oder wie Khakhar ihn bei der Arbeit an einem Wimmelgemälde, das alle seine Sexpartner zeigte, fragte „Würdest du so was auch machen?“, woraufhin Hodgkin zugeben musste, dass seine Version eines solchen Bildes „sehr viel kleiner“ ausfallen würde.

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Wiederentdeckung 13 Jahre nach seinem Tod

Am besten kommen Khakhars Facettenreichtum und Menschlichkeit aber in seinen Bildern zum Ausdruck, die farbenfroh und euphorisch sein können, aber auch düster und verstörend. Gerade in der letzten Phase seines Lebens, als er an Prostatakrebs erkrankt war, verarbeitete er die Krankheit schonungslos in seiner Kunst. Dass seine Arbeit jetzt, 13 Jahre nach seinem Tod, in Europa wiederentdeckt wird, ist Kuratorin Nada Raza zu verdanken, deren Khakhar-Ausstellung „You Can’t Please all“ nun in Berlin Station macht. Ob der programmatische Titel auch diesmal den Beginn einer neuen Ära markiert? Jener, in der Buphar Khakhar auch bei uns jeder kennt? Er hätte es verdient.

You Can‘t Please All
bis 5. März 2017, Berlin
www.deutsche-bank-kunsthalle.de

Titelbild: Bhupen Khakhar, You Can’t Please All, 1981 | Schlüsselmotiv, das die „schwule Phase“ einläutete


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