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Coming-out als Kampfansage

Der MÄNNER-Wochenkommentar - immer wieder samstags

Immer samstags veröffentlicht MÄNNER einen Wochenkommentar, verfasst von wechselnden Autoren. Zum festen Stamm gehören Axel Hochrein (LSVD-Vorstand), Stefan Mielchen (Erster Vorsitzender von Hamburg Pride) sowie Jan Feddersen (taz).

von Axel Hochrein

Während die Europäische Zentralbank verzweifelt eine Inflation von 2 % anstrebt, haben wir eine gefühlte Inflation von Jahresrückblicken, die bei 1000 % liegt. Schon schlimm genug, dass die Fernsehsender sich geradezu ein Wettrennen darum liefern, wer den ersten Jahresrückblick sendet und deshalb schon Ende November damit starten. Womit faktisch 1/12 des Jahres fehlen. Auf Facebook wird man geradezu von den Jahresrückblicken der Freunde überschwemmt, die diese „persönlichen“ Jahresrückblicke teilen, die ihnen aus dem Silicon Valley vorgefertigt bereitgestellt werden. Warum sich selber die Mühe machen, wenn es die Datenkrake erledigt?

Jahresrückblick – selber machen 

Früher (war alles besser und war auch mehr Lametta …) wurden die „Bilder eines Jahres” immer ganz gut im öffentlich-rechtlichen Sendern, irgendwann so um den 29.12., gesendet. Ich oute mich damit nicht nur als jemand, der noch schwarz-weiß Fernsehen kannte und die Jugend mit dem überschaubaren Fernseh-Angebot von drei Programmen (ARD, ZDF und Regional-Sender) zubringen musste, sondern auch als jemand der mangels Internet (das noch nicht erfunden war) so viel Zeit hatte, selbst das vergangene Jahr zu reflektieren. Eine Angewohnheit, die ich beibehalten habe.

Die GroKo hat nichts gemacht außer der Wiederholung des Bauchgefühls der Kanzlerin und dem Gejammer der SPD, dass man dagegen leider nichts machen könne

Was die Rückblicke auf die politische und rechtliche Situation von Lesben und Schwulen betrifft, fallen die in den letzten Jahren leider immer gleich und sehr übersichtlich aus. Auch 2016 kein Fortschritt in Deutschland, die GroKo hat nichts gemacht außer der Wiederholung des Bauchgefühls der Kanzlerin und dem Gejammer der SPD, dass man dagegen leider nichts machen könne, obwohl man es doch so gerne machen würde. Also ist Deutschland inzwischen in Europa umzingelt von Ländern, die die Ehe geöffnet und somit die rechtliche Gleichstellung vollendet haben, und wird im weltweiten Ranking – was diese Position betrifft – weiter nach hinten durchgereicht. Aber solange wir wieder Export-Weltmeister werden, ist es doch egal, dass wir bei Bürger- und Menschenrechten nicht ganz so spitze sind. Und weil spätestens ab Januar, wenn dann auch die SPD ihren Kanzlerkandidaten benannt hat, sowieso Wahlkampf ist, schreibe ich lieber gleich Jahresrückblick 2016/17 drüber und bin fertig.

Das ist eine unserer 7 Fragen zum MÄNNER-Jahresrückblick 2016:

Die Umfrage ist bereits beendet! Hier die Ergebnisse:

Wer oder was war für Dich die größte Enttäuschung 2016?

Hier geht es zu den 6 anderen (MÄNNER-Archiv).

Deshalb war die letzte Woche für mich ganz interessant, als ich vom Deutschlandfunk zu einem ganz anderen Rückblick interviewt wurde. Am 10. Dezember 1991 outete Rosa von Praunheim Hape Kerkeling und Alfred Biolek in der Sendung „Der heiße Stuhl“ als schwul. Wie unterschiedlich diese Aktion auch heute noch eingeordnet und bewertet wird, habe ich dann in den Tagen danach erlebt. Von Zustimmung über kritische Diskussion und klarem Widerspruch bis zur wüsten Beschimpfung meiner Meinung war alles dabei. Mit den ersten drei Arten der Reaktion kann ich gut leben. Wüste Beschimpfungen lassen mich kalt, weil sie auf die Person zurückfallen, von denen sie stammen.


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