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„BDSM ist eine ganzheitliche Erfahrung“

Interview mit Porno-Star Dirk Caber

von Axel Neustädter

Zwei große Treffen im Dezember für schwule Fans von Bondage, Discipline und Sadomasochismus (BDSM): Die Recon-Party in Paris war gerade, London folgt Ende des Monats. Geht’s dabei nur um Sex? Porno-Star Dirk Caber (45), der selbst auf einer Recon-Party entdeckt wurde, sieht darin mehr

Dirk, wie bist Du auf BDSM gekommen?
Das war ein langer Weg. Ich hatte in meiner Teenie-Zeit ein paar ziemlich verstörende Partnerschaften, sodass ich Beziehungen in meinen gesamten Zwanzigern abgeschworen habe. Als ich dann mit 30 wieder anfing die Datingszene zu erforschen, war ich in Sachen Sex eher zurückhaltend. Einer meiner damaligen Lover bekam trotzdem mit, dass ich im Hinterkopf BDSM- und speziell Bondage-Fantasien hatte. Seine Reaktion: „Leute, die solche Interessen haben, sind geisteskrank, also muss auch mit dir auch etwas nicht stimmen.“ Erst hat mich das verunsichert, aber nachdem die Beziehung in die Brüche gegangen war, wollte ich es wissen. Auch weil alle Männer, die ich aus der Leder- und Kink-Community kannte – und das waren damals nur vier – zu den bodenständigsten und intelligentesten Typen zu zählen schienen, die in der schwulen Szene rumliefen.

Hat sich der Eindruck bestätigt?
Absolut. Diese Männer sind bis heute meine Leder-Kumpels und Leder-Daddys. Bei ihnen hatte ich das Glück an Leute geraten zu sein, die mir von Anfang an den Aspekt der Intimität bei BDSM vermittelt haben. Sie gehörten zur New Yorker Gay Men’s SM Association (GMSMA), einer Organisation, die es leider nicht mehr gibt. Nachdem sie in den 80ern zusammen mit AIDS-Aktivisten und Drag-Queens zur Entdämonisierung schwuler Sexualität im Allgemeinen beigetragen hatten, betrieben sie Anfang des Jahrtausend praktische Aufklärung über BDSM-Sex: So macht man es richtig, diese Hilfsmittel braucht man, so bleibt es safe, das tust du, wenn etwas schiefläuft.

BDSM ist eine ganzheitliche Erfahrung, an der Herz, Kopf und Seele beteiligt sind

Ein Punkt, der für mich sehr erhellend war, war die Einvernehmlichkeit. Dass man sich sehr wohl blutig schlagen und es genießen kann, aber dass man stets selbst darauf achten muss, nicht verletzt zu werden. Nicht nur körperlich, auch psychisch. BDSM ist eine ganzheitliche Erfahrung, an der Herz, Kopf und Seele beteiligt sind. Der Schriftsteller Andrew Holleran, den ich damals las, war ein vehementer Vertreter der Botschaft, dass es bei BDSM viel mehr als um physische Aspekte darum geht, mit einem Partner eine Ebene, vielleicht sogar eine Symbiose herzustellen. Für mich war das eine Offenbarung. Nicht nur bezogen auf BDSM, auch auf Sexualität im Allgemeinen.

Dirk Caber

Dirk Caber (Foto: Matt Spike Photography)

Weil das Sich-Einlassen generell die Essenz von Sex ist?
Und von Beziehungen, ganz genau. Man muss sich dem Partner gegenüber öffnen. Und umgekehrt. Eine BDSM-Erfahrung ist neben der sexuellen Ebene auch ein Test, ob man mit dem Partner menschlich klarkommt. Das klappt nicht immer. Aber wenn es klappt, gewinnt man Freunde fürs Leben. Ich habe in der Szene großartige Leute kennengelernt.

Verstehst Du, wenn Leute Hemmungen haben, in Fetischclubs zu gehen?
Klar verstehe ich das. Ich habe ja die Vorurteile meines damaligen Freundes erlebt und musste mich selbst erst annähern. Anfangs dachte auch ich, dass BDSM-Beziehungen auf Einseitigkeit beruhen, dass  sich der eine auf Kosten des anderen befriedigt. Bücher wie „50 Shades of Grey“ befördern übrigens diese Sichtweise. Es ist Quatsch, dass es in dem Buch um eine BDSM-Beziehung geht. Es geht um eine Missbrauchs-Beziehung, die BDSM-Elemente enthält.

Das vollständige Interview steht in MÄNNER 12.2016.

Titelbild: Matt Spike Photography


2 Kommentare

  1. Andreas Heine

    Sag immer Leben und Leben lassen ooder Jedem das seine. Aber es ist wie mit allen. Irgend ein Fetisch oder Vorliebe steckt schwächer oder stärker in einem Großteil. Die meißten machen ihre wohl eher nicht puplik. Deswegen sollten die Meisten wohl auch ihre Klappe nicht so weit aufreißen. Muss natürlich immer auf geenseitige Akzeptanz und Freiwilligkeit beruhen.


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