October 29 2016 Taipei Taipei Taiwan Freddy Lim frontman of heavy metal band Chthonic and re

Kommt die Eheöffnung in Taiwan?

Das Gesetz soll "in der nächsten Legislaturperiode verabschiedet werden". Das könnte schon 2017 sein.

Ein Verfassungszusatz, der die juristische Definition des Familienbegriffs in der Ehegesetzgebung ändern würde, und so die Ehe öffnen, macht im Parlament in Taipeh große Fortschritte. Der Fraktionsvorsitzende der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) Ker Chien-ming sagte laut PinkNews, dass der Zusatz zur Familiengesetzgebung am 26. Dezember noch einmal beraten werden wird und dann für eine Lesung im Parlament bereit sei. Aller Voraussicht nach könne das neue Gesetz dann noch innerhalb der nächsten  Legislaturperiode, also schon im nächsten Jahr, verabschiedet werden. Er erläuterte, dass die Anordnung die Eheöffnung zu unterstützen, direkt von Präsidentin Tsai-Ing-wen ausgeht, aber „auch alle Mitglieder meiner Partei die Eheöffnung unterstützen” würden.

Die neue Gesetzgebung würde die Definition eines Ehepaares von „ein Mann und eine Frau” auf „zwei Personen” erweitern

Das war schon Ende Oktober sichtbar geworden, als Mitglieder und Parlamentarier der DPP Regenbogenfahnen schwenkend die beabsichtigte Ergänzung zur Familiengesetzgebung während einer Pressekonferenz vorstellten. Die Abgeordnete Yu Mei-nu, die die Gesetzesänderung ins Parlament eingebracht hatte, erläuterte, die neue Gesetzgebung würde die Definition eines Ehepaares von „ein Mann und eine Frau” auf „zwei Personen” erweitern und so die Ehe faktisch öffnen. Sie sagte: „Viele Leute haben gefragt, warum wir die Erweiterung des Gesetzes nicht längst eingereicht haben. Die Antwort ist einfach: die Details sind wichtig und wir haben uns sehr genau überlegt, wie unser Vorschlag aussehen soll. Wir wollen, dass Lesben und Schwule dieselben Rechte bekommen, wie heterosexuelle Paare, wenn es um’s Eherecht geht, und auch vor Diskriminierung durch Adoptionsagenturen geschützt sind.” Eingehend auf ein vom Justizministerium vorgeschlagenes Partnerschaftsgesetz sagte sie:” Wir brauchen auch ein Gesetz für eine neue Form der Partnerschaft, aber das sollte Heterosexuelle und LGBT einschließen.”

Die taiwanische Präsidentin Tsai-Ing-wen ist eine erklärte Freundin der queeren Community

Die taiwanische Präsidentin Tsai-Ing-wen ist eine erklärte Freundin der queeren Community (MÄNNER-Archiv). Sie hatte im Wahlkampf ein Video veröffentlicht, in dem sie sich im Kampf um LGBTI-Rechte und Gleichberechtigung klar auf die Seite der Befürworter gestellt hatte. Die Juraprofessorin gilt als liberal, weltoffen und China-kritisch. In der Volksrepublik, in der die Regierung Taiwan immer noch als Teil ihres eigenen Territoriums betrachtet, wurde ihre Wahl im Januar sehr kritisch aufgenommen. Befürworter der Öffnung der Ehe und anderer demokratischer Errungenschaften, jubelten in den Straßen von Taipeh (MÄNNER-Archiv). Taiwan gilt als LGBTI-freundlichstes Land in Asien. Es gibt die Möglichkeit für gleichgeschlechtliche Paare sich auf lokaler Ebene als „Haushaltsgemeinschaft” registrieren zu lassen und mehr gesetzlichen Schutz für LGBTI als in vielen anderen Ländern der Region. Die Lage ist mit der in vielen west-europäischen Ländern aber nicht zu vergleichen.

Am ersten Wochenende im Dezember hatten in Taiwan wieder besorgte Bürger in Massen gegen eine Öffnung der Ehe protestiert

Am ersten Wochenende im Dezember hatten in Taiwan wieder besorgte Bürger in Massen gegen eine Öffnung der Ehe protestiert. (MÄNNER-Archiv) Nach Medienberichten waren 100.000 Menschen in der Hauptstadt Taipei auf der Straße. Ihnen standen etwa ein Dutzend LGBTI-Aktivisten gegenüber. Auch religiöse Gruppen protestierten gegen das geplante Gesetz. Die Präsidentin kommentierte die Proteste und forderte dazu auf, „Uns unsere Mitmenschen nicht zu Feinden zu machen”. Insgesamt 67 Parlamentarier – das entspricht 59,3% der Abgeordneten in Taiwans Parlament mit 113 Sitzen – unterstützen die Eheöffnung, die auch von einer Mehrheit der Bürger in dem 23-Millionen-Land begrüßt wird. Vor allem von jungen Menschen: Aktuellen Umfragen zufolge sind über 80 % der 20–29Jährigen und 70 % der 30–39-Jährigen dafür, die Ehe zu öffnen.

Foto: Ein Teilnehmer des Taipeh Pride mit einem Banner, das die Eheöffnung fordert (Imago/ZUMA Press)

Das ist eine unserer 7 Fragen zum MÄNNER-Jahresrückblick 2016:

Die Umfrage ist bereits beendet!Hier die Ergebnisse:

Wer hat 2016 den Titel "Beste Freundin" der LGBTI-Community verdient?

Hier geht es zu den 6 anderen (MÄNNER-Archiv).


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