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Entscheidung für den toleranten Weg

Der schwule Bundesratspräsident Mario Lindner (SPÖ) im MÄNNER-Interview nach der Wahl Van der Bellens

Österreich hat Alexander Van der Bellen zum Bundespräsidenten gewählt (MÄNNER-Archiv.)  Da ist nicht nur Sigmar Gabriel ein Stein vom Herzen gefallen – so seine erste Reaktion nach der Wahl am Sonntababend. Auch Mario Lindner (SPÖ), der offen schwule Bundesratspräsident, freut sich über Van der Bellen als neuen Präsidenten.

Herr Lindner, Norbert Hofer wird nicht der nächste Bundespräsident Österreichs. Dennoch: Was hat alleine seine Kandidatur und sein bisheriges starkes Abschneiden mit dem Land gemacht? Was hat sich verändert, insbesondere für LGBTI?

Was wir seit Jahren in Österreich, aber auch in ganz Europa, erleben, ist dass die Stimmung rauer wird – ganz besonders im Internet. Viele Menschen verleihen ihrer Verunsicherung und ihrer Angst heute viel aggressiver Ausdruck, als das noch vor 10 Jahren denkbar gewesen wäre.

Im Bundespräsidentschaftswahlkampf, der ja de facto ein Jahr lang gedauert hat, ist das sehr deutlich spürbar geworden. Ich spreche da von homophoben Beschimpfungen, manchmal leider sogar von Gewalt – aber auch von Fremdenfeindlichkeit, Sexismus und Beleidigungen gegen alle möglichen Gruppen. (Das hat Mario Lindner selbst erlebt – und seine Reaktion war großartig. Mehr dazu im MÄNNER-Archiv.)

Gleichzeitig haben wir im letzten Jahr aber auch etwas wirklich Positives erlebt: Unglaubliche viele Menschen haben begonnen, sich für Solidarität und Anstand zu engagieren. Frauen und Männer jeder Altersgruppe, die oft niemals zuvor in einem Wahlkampf aktiv waren – und zwar im ganzen Land. Darauf kann Österreich wirklich stolz sein. Diese Menschen haben gezeigt, dass man Ausgrenzung und Unsicherheit mit gelebter Zivilcourage etwas entgegensetzen kann!

Waren LGBTI-Rechte Thema im Wahlkampf?

LGBTI-Rechte waren sicher nicht das bestimmende Thema dieses Wahlkampfs, aber sie waren in einem gewissen Kontext stets präsent. Da der österreichische Bundespräsident vor allem in der Tagespolitik nur begrenzte Einflussmöglichkeiten hat, drehten sich viele Debatten besonders um das allgemeine Weltbild der Kandidaten. Und da hat sich Alexander Van der Bellen bewiesen, dass ihm als weltoffenem, tolerantem Mann die LGBTI-Rechte ein wirkliches Anliegen sind.

Das ist eine unserer 7 Fragen zum MÄNNER-Jahresrückblick 2016:

Die Umfrage ist bereits beendet!Hier die Ergebnisse:

Welche Schulnote gibst Du dem Jahr 2016, politisch betrachtet?

Hier geht es zu den 6 anderen (MÄNNER-Archiv).

„Wir leben in einem bunten Land!“ – das schreiben Sie als ersten Satz auf der Seite des Parlaments. Hätte sich das mit Hofer als Präsident verändert?

Ich bin wirklich überzeugt, dass wir in einem bunten, vielfältigen Land leben! Und ich glaube nicht, dass sich das mit Norbert Hofer als Bundespräsident schlagartig verändert hätte. Die österreichische Vielfalt beruht auf einer langen, historischen Tradition und das kann man nicht von einem Tag auf den anderen ändern.

Aber wenn man das große Bild betrachtet, dann stand Österreich schon vor der Gefahr, dass sich die Kultur in unserem Land mit einem FPÖ-Bundespräsidenten – und vielleicht danach einer FPÖ-Regierung – dauerhaft wandelt! Da geht es um Fragen der Gleichberechtigung und um Chancengleichheit, aber auch um ArbeitnehmerInnen-Rechte, Diskriminierungsschutz für Minderheiten und viele, viele andere Fragen. Das hat eine breite zivilgesellschaftliche Bewegung jetzt verhindert.

Welche Befürchtungen hatte die LGBTI-Community vor einem Sieg Hofers?

Ich glaube, dass es da einerseits um sehr konkrete Fragen ging: Nämlich darum, wie es mit dem Weg zur Gleichberechtigung in den kommenden Jahren weitergeht, um die Frage der ‚Ehe für alle‘ und das ‚Leveling up‘ (Anm. d. Red.: Diskriminierungsschutz aufgrund der sexuellen Orientierung). Das sind aber vor allem Aufgaben von Regierung und Parlament. Andererseits ging es aber sicher auch um die allgemeine Stimmung im Land, darum, welchen Weg Österreich beschreitet: Wir haben uns für einen weltoffenen, toleranten Weg entschieden. Darauf können wir stolz sein. Und darauf müssen wir jetzt aufbauen – Tag für Tag!

Titelfoto: Mario Lindner


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