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„Wir sollten denken wie Maschinen“

SZ-Magazin zeigt, wie Facebook-Löschtruppen arbeiten

In einem sehr lesenswerten Artikel der SZ wird die Arbeit der Löschteams bei Facebook unter die Lupe genommen. Nach der Lektüre wundert es einen nicht mehr, dass manche Hasskommentare tagelang oder gar monatelang online sind, ohne dass etwas geschieht.

Im Oktober haben wir über Maurice Kahle aus Köln berichtet. Er zeigte auf seinen Social-Media-Profilen ein Foto, wie er seinen Freund küsst, verbunden mit einer Liebeserklärung. Kurz darauf waren allein auf Facebook bereits 45.000 Reaktionen zusammengekommen: über 30.000 Likes, über 7.000 Herzen (MÄNNER-Archiv). Die meisten Reaktionen waren unterstützend, viele aber sind verletzend, homophob, hetzerisch und damit strafbar.

Die Kommentare reichten von Beschimpfungen wie „Ihr Hurenseune“ oder „Homos Go Home“  oder  „Schämt euch ihr schwanz lutscher kleine kinder sehem sowas und sollen nicht solche hurensöhne wie ihr werden.“ Nicht wenige (junge) User berufen sich in ihrer Ablehnung auf Gott. Einer der krassesten Kommentare lautet „Der hittler sollte euch vergasen ihr mistgeburten von schwuchteln”. Viele Facebook-User gaben den unzähligen Hasskommentatoren Kontra – das Soziale Netzwerk nennt das „Counter Speech” („Gegenrede“). (Anfang November hat die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen wegen Volksverhetzung gegen führende Mitarbeiter von Facebook eingeleitet, auch gegen Firmengründer Mark Zuckerberg – MÄNNER-Archiv)

Nur 30 Kommentare am Tag melden?

Die Aktivistengruppe ENOUGH is ENOUGH veröffentlichte daraufhin etliche Kommentar von Usern inclusive deren Klarnnamen und Fotos und haben ihre Follower aufgefordert, Kommentare bei Facebook zu melden (MÄNNER-Archiv). Das hätten deutschlandweit mehrere Hundert User getan, sagte Marco Schenk von ENOUGH is ENOUGH gegenüber MÄNNER. Er und sein Team hätten gemeinsam gut 60 Kommentare gemeldet, bis einer von ihnen die Meldung bekam, dass er nicht mehr als 30 melden könne.

Das Bild ist total blutig und brutal, das sollte kein Mensch sehen müssen

Seit gut einem Jahr lässt Facebook auch in Berlin Beiträge löschen, und zwar durch die Bertelsmann-Firma Arvato. Zu den genauen Löschregeln oder zu Qualifikation und Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, die dort jeden gemeldeten Beitrag überprüfen, hat sich das Unternehmen bisher hartnäckig ausgeschwiegen. Aber Reportern des SZ-Magazin ist es gelungen, mit Mitarbeitern der Berliner Löschtruppe zu sprechen.

„Die Regeln waren kaum zu verstehen“, sagt einer den SZ-Reportern. „Ich habe meinem Teamleiter gesagt: Das gibt’s doch nicht, das Bild ist total blutig und brutal, das sollte kein Mensch sehen müssen. Aber er meinte nur: Das ist deine Meinung. Aber du musst versuchen, so zu denken, wie Facebook es will. Wir sollten denken wie Maschinen.“

Alle Befragten berichten von undurchsichtigen Vorschriften, die sich häufig änderten. Das Arbeitspensum in der untersten Hierarchieebene liege bei etwa 2.000 zu prüfenden Beiträgen täglich.

Den ganzen Artikel gibt es hier:

Titelbild: ENOUGH is ENOUGH


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