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Hoher LGBTI-Anteil in US-Gefängnissen

Auch sexuelle Übergriffe auf queere Häftlinge finden auffallend häufig statt

Mitglieder der LGBTI-Gemeinde landen in den USA unverhältnismäßig oft im Gefängnis. Forscher der UCLA School of Law haben bei einer Auswertung von Daten aus den Jahren 2011/2012 außerdem herausgefunden, dass Angehörige sexueller Minderheiten im Gefängnis häufiger misshandelt werden und sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind als andere Insassen.

Laut der Studie, die im American Journal of Public Health veröffentlicht wurde, berichten 6,2 % der schwulen und bisexuellen Männer, die im Gefängnis (englisch: jail) auf ihre Verurteilung warten, und sogar 9,3 % derjenigen, die nach dem Urteil ihre Strafe absitzen (englisch: prison) von Übergriffen. Bei lesbischen und bisexuellen Frauen ist jede Dritte vor ihrer Verurteilung von Übergriffen im Gefängnis betroffen, bei den Verurteilten sogar 42,1 %.

Der Anteil queerer Frauen ist der UCLA-Untersuchung zufolge in Gefängnissen insgesamt achtmal höher als in der Bevölkerung. Zudem würden lesbische und bisexuelle Frauen zu längeren Haftstrafen verurteilt als heterosexuelle, während die Wahrscheinlichkeit bei queeren Männer groß ist, zu mindestens 10 Jahren Haft verurteilt zu werden.

Die hohen Zahlen waren so schockierend, dass ich sie dreimal nachprüfen musste

„Diese hohen Zahlen waren so schockierend, dass ich sie dreimal nachprüfen musste, um sicherzugehen, dass wir keine Fehler machen“, sagt der Hauptautor der Studie Ilan Meyer gegenüber NewNowNext. „Wir haben unterschiedliche Reaktionen erhalten. Manche Leute glauben es immer noch nicht. Es gibt allerdings keinen Grund, die Zahlen anzuzweifeln oder sie für einen Fehler zu halten.“

Der vom Justizministerium durchgeführten Umfrage zufolge gaben 12 % der LGBTI-Insassen an, sexuelle Übergriffe erlebt zu haben, während es bei Heteros nur 1,2 % waren. 5 % der queeren Insassen berichteten von Übergriffen durch das Personal, wohingegen es bei Heteros nur 2,1 % waren. (Besuch in der JVA-Freiburg, wo 2015 ein Hungerstreik wegen eines schwulen Kochs stattfand – MÄNNER-Archiv)

Hohe Anzahl jugendlicher Straftäter ist queer

Bei einer Studie im Jahr 2015 zeigt sich auch, dass sich von jugendlichen Straftätern 20 % als LGBTI identifizieren, während es in der Bevölkerung nur zwischen 5 und 7 % sind. (Vor 25 Jahren bekam der erste schwule inhaftierte Mann in Berlin Besuch von Mann-O-Meter – MÄNNER-Archiv)

Die Ursachen für diese Auffälligkeiten müssen noch genauer untersucht werden, so Ilan Meyer. Die Hintergründe reichten von einer höhren Bereitschaft queerer Menschen, solche Vergehen anzuzeigen, bis hin zu einem Justizsystem, das aufgrund von Vorurteilen gegenüber sexuellen Minderheiten deren Angehörige anders behandelt.

Titelbild: Shutterstock/Mediaphotos


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