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Aus Ablehnung wird Hass wird Gewalt

Der MÄNNER-Wochenkommentar - immer wieder samstags

Immer samstags veröffentlicht MÄNNER einen Wochenkommentar, verfasst von wechselnden Autoren. Zum festen Stamm gehören Axel Hochrein (LSVD-Vorstand), Stefan Mielchen (Erster Vorsitzender von Hamburg Pride) sowie Jan Feddersen (taz)

von Stefan Mielchen

Wenn zwei Männer sich in der Öffentlichkeit küssen, finden das 40,1 Prozent der Deutschen ekelhaft. Zumindest, wenn man der „Mitte“-Studie der Uni Leipzig folgt, für die 2.420 Menschen befragt wurden. Die Besonderheit: Fünf Jahre zuvor war dieser Wert noch deutlich kleiner: bei 25,3 Prozent. Das ist ein alarmierender Befund, denn aus Ablehnung kann Hass werden – und aus Hass Gewalt. Orlando steht dafür. Und so fanden diese Zahlen im Sommer im Zuge des furchtbaren Attentates entsprechende mediale Aufmerksamkeit.

Und jetzt, ein halbes Jahr später? Scheint Orlando schon wieder weitgehend aus den Köpfen zu sein – ist ja nichts mehr groß vorgefallen seither (so ehrt der Fußballclub von Orlando die Opfer des Massakers – MÄNNER-Archiv). Weit gefehlt! Abseits solch spektakulärer Anschläge gibt es eine bedrückende, alltägliche Gewalt: 205 Straftaten im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung hat es hierzulande von Januar bis Ende September 2016 gegeben – fast so viele wie im gesamten Jahr 2015 zusammen. Das ist eine Steigerung um 15 Prozent an homo- und transphober Gewalt gegenüber dem Vorjahreszeitraum (MÄNNER-Archiv).

Viele Opfer homo- oder transphober Hassgewalt scheuen nach wie vor den Gang zur Polizei.

Und dies sind nur die offiziellen Zahlen aus der Polizeistatistik, die in dieser Woche im Deutschen Bundestag auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Volker Beck vorgetragen wurden. Die Dunkelziffer ist weit höher, Experten schätzen sie auf 80 bis 90 Prozent. Denn erstens scheuen viele Opfer nach wie vor den Gang zur Polizei. Und zweitens werden auch dort längst nicht alle Anzeigen als Taten mit homo- oder transphobem Hintergrund erfasst.

Nur bei jeder 2. Tat wird ein Verdächtiger ermittelt

In der Statistik tauchen sie als politisch motivierte Straftaten mit der Nennung des Unterthemas sexuelle Orientierung auf. In dieser Kategorie werden nicht nur homo- und transphobe Straftaten erfasst, sondern alle gegen Lesben, Schwule, Trans- und Intersexuelle motivierten Straftaten. Die 205 bis Ende September bekannten Fälle führten zur Ermittlung von 99 Tatverdächtigen. Im Vorjahreszeitraum standen 171 Taten 86 ermittelte Tatverdächtige gegenüber.

Gestiegene Anzeigebereitschaft in Berlin

Ist das viel, ist das wenig? Ist es dramatisch mehr? Es sind jedenfalls fragwürdige Zahlen. Wenn weder in Köln noch Hamburg entsprechende Daten erhoben werden, dann ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Berlin die Statistik mit mehr als der Hälfte der erfassten Hassverbrechen anführt. Wenn dort mehr Menschen bereit sind, Anzeige zu erstatten, heißt es nicht automatisch, dass auch mehr Übergriffe stattgefunden haben. Eine gestiegene Anzeigebereitschaft wirkt sich eben unmittelbar auf die Statistik aus. Und es geht bei weitem nicht nur um die Metropolen.

Teil 2: „Die Bummelei der Regierung ist unerträglich”


2 Kommentare

  1. Kevin Montany-Jung

    > denke, homophobie geht immer mit dem willen und der absicht einher, sich am leid homosexueller zu erfreuen bishin aus niederer motivlage ungerechtfertigte vorteile aus dem leid homosexueller zu ziehen =?!?! = denke ich =?!<


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