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Homophobie in Deutschland gefühlt stark

Der Tag im Zeitraffer (14.12.2016)

Die Deutschen halten sich für recht homofeindlich: Wie eine neue Studie des internationale Marktforschungsunternehmen Ipsos zeigt, glauben die Befragten, dass einer von drei Deutschen Homosexualität „moralisch inakzeptabel“ findet. Tatsächlich ist die Homophobie aber deutlich geringer ausgeprägt: Ipsos zufolgen verurteilen nur acht Prozent Liebe zwischen Männern respektive zwischen Frauen. Das deckt sich in etwa mit dem, was die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung kürzlich herausgefunden hat: Demnach werten 10 Prozent der Deutschen homosexuelle Menschen ab (MÄNNER-Archiv).

Neben vielen anderen Bereichen, die abgefragt wurden, ist auch das bemerkenswert: Die Deutschen denken laut der Umfrage, dass vier Mal mehr Muslime unter ihnen leben, als aktuelle Daten das hergeben. Geschätzt wird der prozentuale Anteil von Muslimen an der Gesamtbevölkerung durchschnittlich auf 21 Prozent. Tatsächlich liegt er aber nur etwas über 5 Prozent. Das dürfte dem Treiben von Rechtspopulisten zuzuschreiben sein, wie man auch am Beispiel Frankreich sieht, wo der Front National besonders großen Zulauf hat. Dort gingen die von Ipsos Befragten von knapp einem Drittel aus. Tatsächlich sind aber nur 7,5 Prozent der Franzosen Muslime.

Münchner CSD gegen Rechts

CSD-Mottos in Deutschland sind keine einfache Sache. In Berlin kommen bei Kollektiventscheidungen oft Sachen raus, die sich so anhören, als hätten daran zu viele Köche mitgewirkt, Hamburg hatte in den letzten Jahren mit Hilfe einer Agentur oft tolle Kampagnen und Mottos. Seit Mittwoch Abend ist München 2017 zu schlagen. Die Anleitung zur Findung des Mottos war einfach: „Der Schwerpunkt liegt im kommenden Jahr auf der Bundestagswahl. Aus allen Einsendungen stellen wir eine Shortlist zusammen, aus welcher der nächste Szene-Stammtisch das finale Motto beschließen wird.“ Das CSD-Motto, mit dem man am 15. Juli auf die Straße geht, schafft es in nur vier Worten eine klare Forderung aufzustellen und Haltung zu beweisen. Auf der Facebook-Seite des CSDs wurde verkündet: „Mit klarer Mehrheit hat sich der Szenestammtisch der Münchner LSBTI-Community heute Abend für das kämpferische Motto „Gleiche Rechte. Gegen Rechts” entschieden. Mit der Bundestagswahl im Blick fordert der CSD München endlich Gleichberechtigung, die durch rechte und rechtspopulistische Strömungen mehr denn je bedroht ist.” Einfacher geht es nicht, und damit auch kaum besser.

Sichtbarkeit in der Apotheke

In einer neuen TV-Kampagne stellt sich die Apotheken Umschau an die Seite der ApothekerInnen – eines der auflagenstärksten Medien in Deutschland, das von überwiegend älteren Menschen gelesen wird. „Wenn es weh tut, wollen wir nicht stundenlang suchen“, so der Text zum Spot. „Wir hoffen dann, dass jemand für uns da ist. Tag und Nacht. Jemand, der etwas von seinem Fach versteht. Der uns nicht bis morgen warten lässt. Der uns zuhört. Und heilt. Oder die, die wir am meisten lieben.“ Gezeigt werden dabei ganz verschiedene Menschen: ein älteres Pärchen, eine Tochter, die der zukünftigen Oma ein Ultraschallfoto zeigt, viele, viele Apotheker, die sich aufopfernd um ihre Kunden kümmern, und zwei schwule Väter, die sich um ihr Baby sorgen. Das passiert ganz nebenbei und wird nicht weiter kommentiert. Gelebte Selbstverständlichkeit.

Und ein großer Schritt in die richtige Richtung. Denn wenn die Apotheken Umschau inzwischen soweit ist, gleichgeschlechtliche Eltern ganz selbstverständlich in ihre Werbung für Apotheken einzubauen – dann gibt es eigentlich keinen Grund mehr für irgendwen in der Politik, so zu tun, als müssten wir mit der juristischen Gleichstellung bei Ehe in Adoptionsrecht noch auf jemanden warten (MÄNNER-Archiv).
Titelbild: Shutterstock/Stefano Cavoretto

4 Kommentare

  1. Volker Leppers

    Na, mal sehen, ob das der „Mutti“ ihre Bauchschmerzen (Blähungen?!?) gegenüber der Ehe für alle nimmt, sie soll ja extrem affin gegenüber Umfragen sein. Aber ich denke, eher nicht, es war schon immer der Markenkern der Union, sich Bevölkerungsgruppen vorzuhalten, die man bei Wahlen aufeinander hetzen kann.


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