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Wir sind „zu etwas Queererem” bestimmt

Baptistenpastor Jeff Hood glaubt, dass Gott einen Plan hatte, ihn von Homophobie und Hass zu heilen

Man könnte meinen, ein Mann, der Bücher mit Titeln wie „Basilika der baumelnden Schwänze“ schreibt, feiert Weihnachten als Gangbang-Party. Nicht so der Baptistenpastor Jeff Hood, der ein hartes Jahr hinter sich hat

Sein persönliches Weihnachtswunder erlebte Reverend Jeff Hood vor vier Jahren. Er arbeitete als Seelsorger in einem Krankenhaus. „Ich dachte damals, ich sei erhaben über den Glauben an Wunder. Ich hatte studiert, mehrere Diplome in der Tasche, fühlte mich der Wahrheit verpflichtet. Der Wunder-Quatsch war unwahr.“
Er wurde zu einem Notfall ins Krankenhausfoyer gerufen. Dort fand er eine Frau vor, die zusammengebrochen war und umringt von ihrer vietnamesischen Familie am Boden lag. Man erzählte ihm, sie habe ein Gehirn-Aneurysma und würde wohl nicht durchkommen. Obwohl die Familie buddhistisch war, bat eines der Kinder, Hood möge Jesus um Hilfe anrufen. Er tat es, indem er der bewusstlosen Frau die Hand auflegte und sprach: „Im Namen Jesu … Du bist geheilt.“ Dann ging er. Ohne daran zu glauben, dass das „Gebet“ gewirkt hatte. (Wem satirische Kirchen lieber sind, dem empfehlen wir die Pastafari – MÄNNER-Archiv)

Zu Weihnachten rief ihn ein Kollege zu Hause an. Er berichtete, dass die Vietnamesin soeben nach einer wundersamen Genesung aus dem Krankenhaus entlassen worden war, und dabei einen jungen Seelsorger gepriesen hatte, von dem sie meinte, er hätte ihr das Leben gerettet. „Als ich auflegte, schwor ich Gott, dass ich nie wieder den Glauben an die Möglichkeit von Wundern in Zweifel ziehe. Diese buddhistische Frau rettete meinen Glauben.“

Zum ersten Mal in meinem Leben, wurde mir klar, dass ich jemanden kannte, der schwul war

Das Leben von Reverend Jeff Hood ist voll von solchen Geschichten. Auch wie er zu der Überzeugung kam, dass „Gott uns zu etwas Queererem bestimmt hat“, ist so eine. Aufgewachsen in den US-Südstaaten wurden Hoods theologische Überzeugungen lange von konservativen Vergeltungsideologien gelenkt. Das war auch noch so, als er 2007 am Southern Baptist Theological Seminary in Louisville, Kentucky, studierte. Er hatte einen Professor, der für ihn im Laufe des Studiums zum Mentor und zur „Inkarnation Jesu“ geworden war. Als der Professor erkrankte, kümmerte sich Hood um ihn. Wenige Tage vor seinem Tod, vertraute der Kranke dem Zögling das Geheimnis seines Lebens an: Er war homosexuell. „Zum ersten Mal in meinem Leben, wurde mir klar, dass ich jemanden kannte, der schwul war“, schreibt Hood auf seinem Blog. „Nach seiner Offenbarung musste ich mir vergegenwärtigen, dass die Person, die für mich dem Ideal von Jesus am allernächsten kam, schwul war. Wie soll so eine Erkenntnis einen Menschen nicht verändern? Ich glaube, das war Gottes Weg, mich von Homophobie und Hass zu heilen.“

Anfeindungen auf der Straße

Erlebnisse wie diese haben den Reverend, mittlerweile Mitte 30 und Pastor einer Baptistengemeinde in Fort Worth bei Dallas, zum radikalen Mystiker, Homo-Fürsprecher, Antirassisten und Gegner der Todesstrafe gemacht. Viele hassen ihn. Er bekommt Morddrohungen, wird auf der Straße angefeindet. Aber er lässt sich nicht abbringen von seinem „Pushing Theology to Activism“-Vorsatz, von seiner konsequenten Ablehnung jeglicher Gewalt und der Solidarisierung mit Aussätzigen (die sich besonders in seiner Verbrüderung mit Todeszellenkandidaten äußert). Dadurch wird er wiederum für viele seiner Glaubensbrüder zu einer Jesus-Figur. Der Kreis des Gebens und Nehmens schließt sich.

Geht raus, folgt der Liebe, die Gott ist, und macht Euch schmutzig

In der Zwiespältigkeit der Außenwirkung Jeff Hoods spiegeln viele Widersprüche, denen Schwule zu Weihnachten bei Kirchenbesuchen, scheinheiligen Familienritualen und der erfolglosen Suche nach Spiritualität begegnen. Kann man dennoch einem Mann trauen, der in seinen Grundüberzeugungen von einer Lehre beseelt ist, die der Machtapparat Kirche zur Manifestation von Homophobie benutzt? Und wenn man ihm traut, will er einen dann nicht nur bekehren? Oder will man sich sogar bekehren lassen, weil Hood seine baptistische Gemeinde nur als Medium benutzt, um seine queeren, ökumenischen, vielleicht sogar konfessionsunabhängigen Theorien zu verbreiten? Seine Weihnachtsbotschaft im Jahr 2014 lautete: „Geht raus, folgt der Liebe, die Gott ist, und macht Euch schmutzig.“ Das bezog sich darauf, dass auch der Stall in Bethlehem ein Dreckloch war. Und darauf, dass man nach Völlereien zu Weihnachten kein schlechtes Gewissen haben sollte. Vielleicht ist ja ein Fest ohne Rechtfertigungsdruck und schlechtes Gewissen das eigentliche Weihnachtswunder.

Der vollständige Artikel steht in MÄNNER 12.2016

Titelbild: revjeffhood.com


2 Kommentare

  1. Andreas Heine

    WOW, ich wünsch ihn weiterhin die Kraft seinen Wiedersachern zu trotzen. Zu seinen Predigten würde ich jede Woche gehen. Da in vielen Gemeindeverbänden nur noch die ganz Alten vrtreten sind, muss man auch von viel Vorsicht vor uns ausgehen, weil sie nicht wissen, mit uns umzugehen anstatt uns ganz normal zu nehem. Seine Worte müßten lauter in die Kirchen hallen. Jesus hat uns nicht diskriminiert, also macht es Gott auch nicht. Und das andere ist Menschengewollt.

  2. Andreas Heine

    WOW, ich wünsch ihn weiterhin die Kraft seinen Wiedersachern zu trotzen. Zu seinen Predigten würde ich jede Woche gehen. Da in vielen Gemeindeverbänden nur noch die ganz Alten vrtreten sind, muss man auch von viel Vorsicht vor uns ausgehen, weil sie nicht wissen, mit uns umzugehen anstatt uns ganz normal zu nehem. Seine Worte müßten lauter in die Kirchen hallen. Jesus hat uns nicht diskriminiert, also macht es Gott auch nicht. Und das andere ist Menschengewollt.


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