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Weg ist er, der Schwulenhasser

Der Tag im Zeitraffer (2.12.2016)

„Ein ausgemachter Schwulenhasser musste dem ersten politischen Schwulen der Weltgeschichte weichen“, so drückte es Gerhard Hoffmann gegenüber MÄNNER aus, als er in der vergangenen Woche das Bundesverdienstkreuz erhalten hat (MÄNNER-Archiv). Gemeint war die Umbenennung der Berliner Einemstraße in Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße. Das geschah bereits vor 3 Jahren, unter anderem dank Hoffmanns Engagement. Allerdings damals nur im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. In Berlin-Mitte hatte eine ehemalige Anwohnerin gegen die Umbenennung geklagt. Nun hat das Verwaltungsgericht eine entsprechende Entscheidung des Bezirksamts Mitte bestätigt: Die Straße kann nun auf ganzer Länge in Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße umbenannt werden.

Der bisherige Namensgeber Karl von Einem (1853-1934) hatte als bekennender Antidemokrat und preußischer Kriegsminister homosexuelle Männer verfolgen lassen. Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) dagegen war der erste bekannte Vorkämpfer für Homorechte. Er hatte bereits 1867 in München auf dem Deutschen Juristentag die Abschaffung antihomosexueller Gesetze gefordert.

Angriffe auf LGBTI steigen

In den ersten drei Quartalen 2016 gab es in Deutschland fast so viele Gewalttaten und Angriffe gegen LGBTI wie im gesamten Jahr 2015. Auf eine Anfrage von Volker Beck, der die Anzahl dieser Art der Straftat herausfinden wollte, antwortete das Bundesinnenministerium: 205. So viele Straftaten im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung hat es 2016 bislang gegeben. Das ist im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum ein Anstieg um rund 15 Prozent. Eine gewaltige Zahl. Die Zahl der festgenommenen Täter stieg von 86 auf 99.

Hätte es insgesamt 15 Prozent mehr Gewalttaten oder 15 Prozent mehr Drogendelikte gegeben, würde das wohl auf den Titelseiten aller Tageszeitungen verhandelt werden. Bei homophober Gewalt ist dem nicht so. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass den insgesamt niedrigen Zahlen der Polizeistatistik nach Meinung vieler Experten eine riesige Dunkelziffer von Taten gegenübersteht, die nicht einmal angezeigt werden. Außerdem werden eine große Zahl von Taten von der Polizei trotz eindeutiger Sachlage nicht als homophobe oder Hassverbrechen eingestuft. Zumal es keine Statistische Kategorie für Gewalt gegen LGBTI gibt, sondern sie nur als Teil von „Politisch motivierter Gewalt” verbucht wird. In Köln und Hamburg werden nicht einmal Zahlen für Hasskriminalität erfasst. (MÄNNER-Archiv)

Pence wird mit Regenbogen empfangen

Der künftige US-Vizepräsident Mike Pence tritt für die religiöse Freiheit ein, Homosexuelle zu feuern, wenn einem der Glaube das gebietet. Der Landesvater des Bundesstaates Indiana hält er nichts von einem gesetzlich verankerten Diskriminierungsschutz. Übrigens ebensowenig vom Kampf gegen AIDS. Im Jahr 2000 forderte Pence, die Mittel für HIV-Prävention zu streichen und das Geld lieber in Homoheiler-Therapien zu investieren. Jetzt wo er nach Washington gezogen ist, wollten seine Nachbarn, dass Herr Pence auf den ersten Blick weiß, was sie von seinen Plänen halten.

Bis seine eigentliche Residenz, das Naval Observatory, frei wird, wohnt Pence in einer Straße im Edelbezirk Chevy Chase, im Nordwesten von Washington. Er zahlt 6.000 Dollar Miete im Monat. So teuer ist es, weil sein Haus so groß ist wie alle in seiner Nachbarschaft. Wie viele andere in seiner Straße, hat es auch einen relativ großen Vorgarten, in dem ein Fahnenmast steht. Wie bei vielen seiner Nachbarn. Mehr als ein halbes Dutzend von ihnen wollen wohl, dass der zukünftige Vizepräsident sehr genau weiß, was sie von seiner LGBTI-Politik halten: Sie haben große Regenbogenfahnen vor ihren Häusern gehisst.

Ilse Heintzen, die neben Pence wohnt, erklärt es gegenüber CNN so: „Einfach ein Zeichen dafür, dass ich mit seiner Politik nicht übereinstimme. Ich weiß nicht, wie er darauf reagieren wird, aber vielleicht ändert er seine Ansichten ja.” (MÄNNER-Archiv)

Titelbild:Wikipedia/Denis Apel/Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported & Hubert Kennedy, Karl Heinrich Ulrichs: Pioneer of the Modern Gay Movement, 2nd ed. (Concord, Calif.: Preemptory Publications, 2005), frontispiece


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