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Nacktschnecke oder Kuschelbär?

Safer Sex: So geht es. Heute: Schamhaare oder keine Schamhaare

Man könnte meinen, die Sache mit der Schambehaarung sei im Jahr 2016 nur noch eine rein ästhetische Frage. Weil: um unseren privatesten Bereich vor Wind und Wetter zu schützen, muss nun wirklich niemand mehr Schamhaare haben, gibt ja Unterhosen. Oder, wenn schon die nicht, Hosen. Und eine davon sollte im öffentlichen Raum nun wirklich jeder Kerl tragen. Wenn man das mal nicht will, gibt es Orte, wo man sie an der Garderobe ordentlich in Plastiktüten falten kann, bevor man macht, was man an solchen Orten eben macht. Besteht man auf ganztägiger Nacktheit bleiben einem immer noch FKK-Strände und Nudistencamps. Und mit seiner Schambehaarung kann demzufolge also jeder machen, was er will, oder eben auch nicht, stimmt‘s?

Wer sich schon mal drei Stunden nach dem Sex ein Schamhaar aus einem Zahnzwischenraum gepuhlt hat, weiß wovon die Rede ist

Nicht ganz. Denn zum einen gibt es auch hier sowas wie modische Trends, die aber zum zweiten meist sehr pragmatische Gründe haben. Wer sich schon mal drei Stunden nach dem Sex ein Schamhaar aus einem Zahnzwischenraum gepuhlt hat, weiß wovon die Rede ist. Trotzdem sind aktuelle Zahlen erstaunlich: Über 80 Prozent der heterosexuellen Männer in Deutschland rasieren oder stutzen, und zwar sowohl im Schambereich wie unter den Achseln. Fast 60 Prozent rasieren sich komplett. „Die Frauen wollen das so“, hat uns unser heterosexueller Grafiker Knut erklärt. Warum weiß er auch nicht genau. Vielleicht einfach aus Rache, denn mehr als zwei Drittel aller deutschen Frauen enthaaren sich nicht nur Schambereich und Achseln, sondern auch die Beine, um ihren Kerlen zu gefallen, was nicht nur Aufwand ist, sondern – Stichwort Kaltwachs – auch höllisch wehtun kann. Über neckischen Unsinn wie „Landebahnen“ oder andere Schamhaarfrisuren sei an dieser Stelle charmant das Tuch des Schweigens gebreitet.

Bei den Schwulen und Bisexuellen ist die Abwehr gegen den Ken- und Barbie-Look noch am größten

Bei den Schwulen und Bisexuellen ist die Abwehr gegen den Ken- und Barbie-Look noch am größten. Zwar stutzen fast zwei Drittel der Männer die Sex mit Männern haben ihre Schamhaare, komplett rasiert sind allerdings nur knapp 30 Prozent. Der Rest sind Wölfe, Otter oder Bären und finden: je mehr Haare desto woof. Es sei ihnen gegönnt, denn medizinisch gesehen, sind sie auf der richtigen Seite. Das Argument pro haarige Angelegenheit geht so: Zwar hatte der Homo Sapiens circa 120.000 bis 70.000 Jahre nach der letzten Eiszeit wirklich keine Verwendung mehr für einen Ganzkörperpelz und hat ihn deswegen damals abgelegt, Scham- und Achselhaare hat er allerdings aus gleich mehreren Gründen behalten.

Da wäre erstens die Reibung die beim Sex entsteht

Da wäre erstens die Reibung die beim Sex entsteht. Schamhaare mindern sie und sorgen so für das Nichtauftreten von Rötungen, Schwellungen oder kleinen Verletzungen. Das funktioniert auch mit gestutztem Schamhaar, allerdings nicht direkt nach dem Schneiden, denn die Schere oder der Rasierer spitzt die Haare zusätzlich an und macht sie zu kleinen Speeren, die sich in die Haut eures Partners bohren und zu winzigen Verletzungen führen können, durch die Viren und Bakterien leichteren Zugang haben. Genau das passiert auch bei der Komplettenthaarung: Der Rasierer oder die chemischen Bestandteile von Enthaarungscremes führen zu winzig kleinen Abschürfungen und Hautöffnungen, durch die Tripper, Clamydien und HPV es viel leichter haben, sich einen neuen, haarlosen Wirt zu suchen.

Das führt dazu, dass man dann zwar keine Stoppeln, dafür aber unansehnliche Pickel im Schritt hat

Zweitens sind Schamhaare dazu da, um Schweiß zu regulieren und Pheromone anzusammeln, durch die man potentielle Partner anlockt. Was naturgewollt und schön ist und auch funktioniert, wenn man sich regelmäßig wäscht, worum wir gebeten haben wollen. Gegen die Enthaarung spricht außerdem, dass gut ein Drittel aller Männer empfindliche Haut haben, die zu Irritationen und eingewachsenen Haaren neigt. Das führt dazu, dass man dann zwar keine Stoppeln, dafür aber unansehnliche Pickel im Schritt hat. Und bitte, bitte erspart euch die Verwendung von Aftershave oder Ähnlichem, wer das einmal gemacht hat, macht es meistens nicht wieder. In Summe: Stutzen ist fein und höflich, aber bitte mindestens ein paar Stunden vor dem Sex, damit eure Haare nicht mehr pieken, von Komplettrasuren ist aus medizinischen Gründen eher abzuraten.

Foto: Shutterstock/lopolo


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