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Köln hilft LGBTI-Flüchtlingen

Im Februar wird die Stadt ein Gebäude einrichten, in dem bis zu 20 Geflüchtete in kleineren Wohngruppen zusammenleben

Die Stadt Köln setzt ein Zeichen für den wertschätzenden Umgang mit Geflüchteten und deren besondere Situation gesetzt: In der Stadtarbeitsgemeinschaft für Lesben, Schwule und Transgender (StadtAG LST) konnte der Leiter des Amtes für Wohnungswesen, Josef Ludwig, am 15. Dezember 2016 darüber informieren, dass die Stadt nun spezielle Wohneinheiten für Geflüchtete bereitstellen kann, die dem Personenkreis der Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen angehören. Zuvor hatte es Kritik von der Rainbow Refugees Cologne – Support Group gegeben: Die Stadt sei hinter ihren Hilfszusagen zurückgeblieben (MÄNNER-Archiv).

Die Stadt teilt nun mit: Die ersten fünf Plätze in einem Gebäude, das vom Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) betreut wird, konnten bereits bezogen werden. Weitere Wohneinheiten werden folgen: In Kürze können zwei Wohngemeinschaften für drei bis sechs Personen zur Verfügung gestellt werden. Ab Februar werde die Stadt darüber hinaus ein Gebäude einrichten, in dem bis zu 20 Geflüchtete in kleineren Wohngruppen zusammen leben.

Nicht selten sind queere Flüchtlinge hier Erniedrigungen und homophober Gewalt ausgesetzt

„Diesen Ergebnissen vorausgegangen waren konstruktive Verhandlungen in einer Arbeitsgruppe, die sich im Sommer 2016 auf Wunsch der StadtAG LST gebildet hatte. Hier wirken neben der Aidshilfe Köln, dem Rubicon e.V., dem SKM und den Rainbow-Refugees Cologne das städtische Amt für Wohnungswesen sowie die Fachstelle für Lesben, Schwule und Transgender mit“, teilt die Stadt mit. (So helfen andere Städte – MÄNNER-Archiv)

„Wichtig ist den Organisationen der Community nicht nur die adäquate Unterbringung der LSBTI-Schutzbedürftigen, sondern auch eine Betreuung, die den besonderen Belangen dieser Personengruppe gerecht wird. Sie leiden häufig nicht nur unter der Gewalt und Verfolgung, die sie in ihren Heimatländern erfahren haben. Oft geht die Diskriminierung in den Unterkünften in Deutschland weiter. Nicht selten sind sie hier Erniedrigungen und homophober Gewalt ausgesetzt.“

Die Arbeit der vergangenen Monate hat sich gelohnt

Oberbürgermeisterin Henriette Reker begrüßte die von der Arbeitsgruppe entwickelten Resultate: „Die Arbeit der vergangenen Monate hat sich gelohnt. Es ist gelungen, für die besonders schutzbedürftigen LGBTI-Geflüchteten ein Angebot zu entwickeln, das ihren Bedürfnissen gerecht wird. Ich bin froh über die Expertise der Mitglieder der Stadtarbeitsgemeinschaft, die die Verwaltung mit ihren Erfahrungen und ihrem Fachwissen sehr unterstützt.“

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Die Kölner Rainbow Refugees Cologne – Support Group engagiert sich seit ziemlich genau einem Jahr in enger Zusammenarbeit mit dem selbstorganisierten Migrantenprojekt baraka im Beratungszentrum rubicon, der Geflüchteten-Selbsthilfeinitiative Sofra Cologne und dem Kölner Flüchtlingsrat für LGBTI-Geflüchtete und bietet ihnen konkrete Hilfe an.

Sexuelle Übergriffe und physische Gewalt

In Köln wurden LGBTI-Flüchtlinge meist im gleichen Heim und gleichem Zimmer mit Landsleuten untergebracht, vor denen sie geflohen sind, lautete die Kritik. „Nicht immer ist das Personal in den Flüchtlingsunterkünften sensibilisiert für die speziellen Nöte ihrer LGBTI-Schützlinge. Besonders prekär ist die Lage für Geflüchtete in Gemeinden, die über keine Beratungsund Selbsthilfestruktur für LGBTI verfügen. In den Sammelunterkünften sind sie Beleidigungen, Nötigungen und Drohungen, sexuellen Übergriffen und physischer Gewalt ausgesetzt. Manche prostituieren sich, nur um nicht mehr ins Flüchtlingsheim zurück zu müssen.

Was wir erfahren, ist nur die Spitze des Eisbergs

Die Rainbow Refugees Cologne – Support Group hat seit ihrer Gründung im November 2015 Dutzende Fälle von Übergriffen dokumentiert. „Doch was wir erfahren, ist nur die Spitze des Eisbergs. Weil ihre Situation in den Heimen unerträglich geworden ist, ziehen viele Geflüchtete von einer provisorischen Unterkunft in die nächste. Andere prostituieren sich, nur um nicht mehr ins Flüchtlingsheim zurück zu müssen.“

Titelbild: Shutterstock/Eunika Sopotnicka


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