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So lief der Wahlkampf in der Szene

Christoph Krottmayer hat in der LGBTI-Szene für Alexander Van der Bellen geworben

Ein Sieg, der gefeiert werden muss: Dass Alexander Van der Bellen der nächste Bundespräsident in Österreich wird und nicht sein rechtspopulistischer Kontrahent Norbert Hofer (FPÖ) (MÄNNER-Archiv), ist mehr als ein Grund zur Freude.

Den Wahlerfolg des ehemaligen Grünen-Chefs hat Christoph Krottmayer bei der offiziellen Wahlparty in Wien gemeinsam mit seinem Freund James gefeiert. Das hat er sich mehr als verdient, denn im elfmonatigen Wahlkampf hat der 33-jährige Christoph für den designierten Präsidenten geworben.

„Ich bin da richtig emotional geworden“

„Die letzte Woche war ich außerhalb der Arbeit durchgehend unterwegs – jeden Tag. Und keine Ahnung, wie viele hundert Stunden es seit Jänner waren“, erzählt er MÄNNER. Der Wiener hat Flyer verteilt, Leute angesprochen, Nichtwähler versucht zu überzeugen. Und er war in der queeren Szene unterwegs.

„Es gibt einige Schwule, die aus Angst vor dem Islam Norbert Hofer wählen wollten oder wahrscheinlich auch gewählt haben“, erzählt Christoph. Dann haben er und seine Mitstreiter die Positionen der beiden Kandidaten erläutert, besonders was LGBTI-Rechte angeht. Da ist Alexander Van der Bellen eindeutig homofreundlicher. „Meistens bin ich da richtig emotional geworden, wenn schwule Männer den Kandidaten wählen wollten, der sagt, Familie muss zum Schutz der Kinder Frau und Mann bleiben.“ (Was Hofer noch homofeindliches gesagt hat – MÄNNER-Archiv.)

Der Chef einer Gaybar feuerte Hofer beim TV-Duell an

Van der Bellen dagegen unterstützt schon lange LGBTI: Seit Jahren besucht er queere Veranstaltungen und setzt sich gegen das Eheverbot ein. Bekannt wurde ein Zitat des 72-Jährigen Wirtschaftsprofessors: „Wenn zwei Männer oder zwei Frauen sich darauf versteifen, denselben Fehler zu machen wie die Heterosexuellen, sollen sie das tun können“, sagte er im Jahr 2005 – damals konnten Schwule und Lesben ihre Partnerschaft noch nicht einmal eintragen lassen. Von einer Adoption, wie heute möglich, war das Land weit entfernt.

Da verwundert es nicht, dass Van der Bellen in der Community eine klare Mehrheit hinter sich hatte, wie Christoph Krottmayer erzählt. „Aber dennoch gibt es sogar den Chef einer Gaybar, der Hofer beim TV-Duell anfeuern war. Das ist schon sehr überraschend“, sagt der 33-jährige Sozialarbeiter.

Wahlkampf

Christoph Krottmyyer (rechts) mit seinem Freund James bei der offiziellen Wahlparty. (Foto: privat)

Zwar hat Van der Bellen gewonnen – doch 46,4 Prozent der Wähler haben mit Norbert Hofer einen Rechtspopulisten gewählt. Der Erfolg der FPÖ hat Spuren hinterlassen, findet Christoph: „In den letzten Tagen hatte ich das Gefühl, dass viele rassistische und homophobe Kommentare plötzlich wieder salonfähig waren“, erzählt er.

So wurde ein Freund von ihm erst am Samstag während des Wahlkampfes homofeindlich beleidigt. Und die Kommentare unter einem Video des Modedesigners Karl Michael, der zur Wahl von Van der Bellen aufruft, sind abscheulich: „Die Schwuchtel gehört verbrannt“ oder „Der Zwitter muss hängen“, ein Kommentator nennt ihn „entarteten Abschaum“, ein anderer empfiehlt ihm, „mal den Dildo aus deinem Arsch“ zu ziehen.

Das gespaltene Land muss der neue Bundespräsident jetzt wieder einen. Er will „aktiv auf die Wählerinnen und Wähler aller Parteien zugehen, aber natürlich auch jene der FPÖ“, wie er im ORF sagte.

Der Wahlkämpfer Christoph Krottmayer jedenfalls ist mehr als froh, dass sich sein Engagement ausgezahlt hat. „Jetzt weiß ich, dass die Mehrheit in Österreich keinen rassistischen und homophoben Kandidaten wählt. Das gibt insgesamt mehr Sicherheit und ein gutes Gefühl.“

Titelfoto: privat


5 Kommentare

  1. Andreas Heine

    Tja warum sollten Schwule nicht die gleichen Probleme haben wie die Heteros. Der Islam ist ja nicht gerade LGBTI freundlich. Aso kein Wunder, wenn selbst einige von uns sich für die falsche Partei entscheiden. In Österreich standen nun mal nur die Zwei zur Wahl, also nehme ich doch letztendlich das wenig schlimmere Übel, was mich betrifft. In Deutschland besteht das gleiche Problem!

  2. Andreas Heine

    Ja genau, ich wollte hier niemanden schlechter stellen. Die Orthodoxe Kirche oder auch Katholische sind darin noch sehr diskriminierend. Man weis zu wenig über die Anderen! Politisch würde ich beide Varianten nicht wählen als unsere heutige Mitte aber auch nicht rechte Strömungen. Persönlich gehe ich ab und zu zum evangelischen Gottesdienst ( vielleicht 4 mal im Jahr). Ihr Einspruch war richtig!

  3. Andreas Heine

    Amir Ahmed Ja genau, ich wollte hier niemanden schlechter stellen. Die Orthodoxe Kirche oder auch Katholische sind darin noch sehr diskriminierend. Man weis zu wenig über die Anderen! Politisch würde ich beide Varianten nicht wählen als unsere heutige Mitte aber auch nicht rechte Strömungen. Persönlich gehe ich ab und zu zum evangelischen Gottesdienst ( vielleicht 4 mal im Jahr). Ihr Einspruch war richtig!


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