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„Frühsexualisierung“ soll Unwort werden

Die MÄNNER-Leser haben abgestimmt

Es ist ein zweifelhaftes Verdienst für AfD und Demo für alle: Sämtliche Vorschläge für das Unwort 2016 entstanden in ihrem Dunstkreis.

Klar, die Rede vom „Schutz der Familie“ (dafür stimmten 10 % unserer User) klingt erstmal gut, verunglimpft aber Regenbogenfamilien – weil so getan wird, als werde die Ehe oder die Familie an sich darunter leiden, wenn zwei Frauen heiraten dürfen oder wenn zwei Männer Kinder großziehen. Dass nicht mal Heteropaare das finden und auch keine Standesbeamten, haben wir im vergangenen Jahr bei verschiedenen Gelegenheiten gehört. Tina Köstler-Hundertmark aus Köln sagte uns zum Beispiel: „Für mich als Standesbeamtin und als Mensch ist das eher eine Bereicherung und spiegelt die Vielfalt in unserer Gesellschaft und in unserem Leben wider.“ (MÄNNER-Archiv) Mit Vielfalt aber haben Rechtspopulisten nichts im Sinn: Die AfD hat ein Wahlprogramm verabschiedet, wonach man nur „normale Familien“ fördern will (MÄNNER-Archiv).

Mit „Sonderrechten“ wird gerne der Kampf um Eheöffnung und Adoptionsrecht für Homopaare bezeichnet, die doch nichts weiter sind als „gleiche Rechte“ – die die Rechtspopulisten den Mitgliedern der LGBTI-Gemeinde jedoch nicht zugestehen möchten. Der Begriff aber, der einer der wichtigsten Kampfbegriffe von AfD und Demo für alle ist, lautet „Frühsexualisierung“. Für ihn hat auch satte Mehrheit gestimmt: Jeder zweite User findet, dies ist das Unwort des Jahres.

Unwort des Jahres

Als „Frühsexualisierung“ wird jeder Versuch bezeichnet, Schülern zu vermitteln, dass es im Leben noch etwas anderes gibt als Vater-Mutter-Kind oder die Tatsache, dass sich Jungs manchmal in Jungs verlieben und manche Frauen eben auf Frauen stehen. Mit Sex oder der Herabwürdigung heterosexueller Lebensentwürfe hat das nun gar nichts zu tun, auch wenn das die AfD immer und immer wieder behauptet. Man macht das übrigens auch nicht aus Jux und Dollerei: Je früher Menschen lernen, dass es neben dem Schema F auch noch das Schema LGBTI gibt, umso größer ist die Chance, dass sie Mitglieder der LGBTI-Gemeinde später nicht diskriminieren. Schon in diesem Jahr ist ein Anstieg der Gewalt gegen Schwule und Lesben zu verzeichnen (MÄNNER-Archiv). Das nehmen AfD und die Macher der Demo für alle billigend in Kauf.

Kinderbücher angeblich „frühsexualisierend“

Die Auseinandersetzung um das Wort „Frühsexualisierung“ fand im ausgehenden Jahr ihren Höhepunkt in der Anzeige der Drag Queen Olivia Jones. Die AfD Sachsen-Anhalt hatte eine Broschüre mit Kinderbuch-Empfehlungen des Landesministeriums für Gleichstellung zu den Themen Homosexualität und gleichgeschlechtliche Beziehungen als „Frühsexualisierung“ bezeichnet (hier die ganze Geschichte zum Nachlesen – MÄNNER-Archiv).

Die Entscheidung ist also gefallen. Wie im vergangenen Jahr (MÄNNER-Archiv) werden wir Euer Unwort auch in diesem Jahr wieder an die Jury weiterleiten und hoffen auf eine Berücksichtigung bei der Auswahl. Sollte es „Frühsexualisierung“ in diesem Jahr nicht schaffen: Das Wort wird uns gewiss auch nächstes Jahr noch begleiten, wenn die Bundestagwahl ansteht. Schließlich bedient sich neben der AfD nun auch die CSU dieses Begriffes (MÄNNER-Archiv).

Titelbild: Shutterstock/Master1305


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