Volker_Beck_01_Foto_Angelika_Kohlmeier_2012-10-16

Ein Politiker namens Volker Beck

Der MÄNNER Wochenkommentar - immer wieder samstags

Immer samstags veröffentlicht MÄNNER einen Wochenkommentar, verfasst von wechselnden Autoren. Zum festen Stamm gehören Axel Hochrein (LSVD-Vorstand), Stefan Mielchen (Erster Vorsitzender von Hamburg Pride) sowie Jan Feddersen (taz)

von Jan Feddersen

Ein bisschen selbstkritischer als sonst nie war er ja schon. Schon vor der Versammlung, auf der über seine politische Zukunft entschieden werden sollte, räumte er ein, nicht neu in der politischen Arena zu sein. Und dass man ihn kenne, im Guten wie im weniger Guten. Volker Beck wusste und weiß sehr genau genau, dass er beinah monströse Verdienste auf seinem moralischen wie politischen Konto verbuchen durfte – und als Stichworte seien nur die Eingetragene Lebenspartnerschaft (MÄNNER-Archiv), die Zwangsarbeiterentschädigung und andere Reformen und Projekte genannt.

Ohne Volker Beck hätten wir keinen Bruch mit der einst heteronormativen Ehe

Ohne Volker Beck, von dem man mal sagen wird, er habe von 1994 bis 2017 im Bundestag die Regenbogenflagge hochgehalten, und zwar beinah kompromisslos, hätten wir bis heute keinen Bruch mit der einst heteronormativen Ehe, keine Gleichberechtigung von Gleichgeschlechtlichen mit den natürlichen Privilegien der Ehe.

Das Maß an Homophobie, das Beck einstecken musste, übersteigt vermutlich das der allermeisten Schwulen und Lesben, die sich als politisch unterwegs begreifen: Beck war nämlich nie nur in der eigenen Community unterwegs, er war beinah rund um die Uhr mit gehässigen Sprüchen konfrontiert, mit giftigen Nebenbemerkungen, mit mündlichen Entwertungen und fiesen kleinen Attacken gegen seine Integrität.

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Andererseits war es Beck, der 2002 eine Magnus-Hirschfeld-Stiftung begründen wollte (die kürzlich 5 Jahre alt wurde – MÄNNER-Archiv), die nicht wissenschaftlich arbeiten sollte, sondern ganz im Sinne der Bürgerrechtsorganisation LSVD: Beck (und Freunde in den Grünen) wollten die 15 Millionen für bürgerrechtliche Zwecke, also für sich und die eigene Lobbyarbeit, nicht jedoch für wissenschaftliche Anliegen. Es waren linke schwule und lesbische Wissenschaftler*innen, die mit der CDU im Bundesrat alliieren mussten, um das Gesetzesvorhaben zur Stiftung zu vereiteln.

Wer hat aus der Tatsache, dass es schwule Männer gibt und diese Rechte vorenthalten bekommen bzw. sie gar unterdrückt werden, ein vollgültiges Politikfeld gemacht? 

Nochmals andererseits: Welcher andere Bundestagsabgeordnete – außer Beck – hat denn im Bundestag gegen Diskriminierung gekämpft und für Gleichstellung? Wer hat aus der Tatsache, dass es schwule Männer gibt und diese Rechte vorenthalten bekommen bzw. sie gar unterdrückt werden, ein vollgültiges Politikfeld gemacht? Eben.

Teil 2: Wen gibt es denn sonst noch?


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