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Wie heißt das Zauberwort?

Safer Sex so gehts. Heute: Kannst Du Nein sagen?

Was bedeutet Safer Sex (MÄNNER-Archiv) 35 Jahre nach den ersten AIDS-Fällen? Geht es nur um HIV oder muss ich mir auch um andere Sachen Gedanken machen?

Der sicherste Weg unsafen Sex zu haben, ist, nicht „Nein“ sagen zu können. Denn eigentlich sind „Nein“, „Ja“ und „Können wir versuchen“, die einzigen Wörter, die man für ein erfülltes Sexualleben braucht. Immer vorausgesetzt, man kennt sich selbst und die eigenen Grenzen und ist in der Lage nach denen seines Partners oder seiner Partner so zu fragen, dass alle entspannt bleiben. Was für einige Männer ein hartes Brot ist. Denn wir schwulen Jungs starten unser Sexualleben oft mit einem ganzen Wust aus Vorurteilen, Ängsten und falschen Vorstellungen darüber, was Sex unter Männern eigentlich heißt. Die serviert uns die Gesellschaft in den ersten zehn Jahren unseres Lebens einfach frei Haus. Es ist schon viel besser als noch vor 30 Jahren, weil es inzwischen überhaupt einen öffentlichen Umgang mit schwuler Sexualität gibt, der es erlaubt, sich vor seinem ersten Mal ein bisschen zu informieren. Trotzdem gibt es da immer noch jede Menge Missverständnisse und (junge) Männer sind oft nicht in der Lage, zu kommunizieren, wenn sie etwas nicht wollen, weil sie nicht genau wissen, ob das nicht einfach zu „normaler“ schwuler Sexualität dazu gehört, oder Angst haben, dass sie verlassen werden, wenn sie „das“ nicht wollen, es irgendwie „falsch“ machen oder dann „nicht dazugehören“. Was bloß ein Haufen Ängste sind und deswegen großer Unsinn. Sex heißt, nichts zu machen, woran nicht alle Beteiligten Spaß haben.

Das Zauberwort hier heißt „Consent“, auf gut Deutsch „Zustimmung“ oder „Erlaubnis“

Das Zauberwort hier heißt „Consent“, auf gut Deutsch „Zustimmung“ oder „Erlaubnis“. Das Unpraktische aber Wunderbare an dieser Einrichtung ist, dass man sie vor jedem Sexualakt wieder einholen muss, oft sogar währenddessen. Wie man nach Consent fragt? So: „Hättest du mal Lust auf…“, „Darf ich…“, „Möchtest du mal versuchen…“, „Können wir mal…“, „Ist das o.k.?“, „Ist das schön für dich?“, „Geil?“, „Magst du das?“ und auf 500 verschiedene andere Arten, die auch nonverbal sein können. Augen, Zungen und Finger können auch sprechen.  Mögliche Antworten, wie gesagt, „Ja.“, „Nein.“ oder „Weiß ich nicht. Können wir ja mal versuchen.“ Auch die können nonverbal gegeben werden, ein Nicken ist ein Ja, Ja-sagen ist ein Ja. Aber nur ein Ja ist ein Ja. Ein Kopfschütteln ist ein Nein. Nichts sagen oder gar nicht reagieren, genauso. Das gilt auch und besonders für Safer Sex: Wenn keiner was anderes sagt, sollte der Gebrauch von Kondomen beim Ficken selbstverständlich sein. „Er hat nicht nach einem Kondom gefragt, also kann ich auch ohne.“, ist nicht der Beginn von gutem, barrierefreien Sex, sondern von Gewalt, besonders, wenn einer der Partner deutlich jünger ist als der andere, Drogen und/oder Alkohol im Spiel sind oder sonst wie soziale Ungleichheiten herrschen. Wer nicht „Ja“ gesagt hat, ist so zu behandeln, als hätte er „Nein“ gesagt, fertig.

Dabei hilft Druck überhaupt nicht, im Gegenteil

Praktisch gesehen, heißt das: Wer ohne Kondom vögeln will, muss vorher fragen. Und ein „Nein“ akzeptieren, wenn er eins bekommt. Und wer ohne Kondom gevögelt werden will, muss auch vorher fragen und darf nicht traurig sein, wenn sein Begleiter seinen Schwanz lieber erst in Latex steckt und dann in ihn. Das kann besonders am Anfang von Beziehungen schwierig sein, und ist es bei unter 30-Jährigen auch oft: Man will aus Liebe natürlich so schnell wie möglich den Gummi weglassen, weil das „intimer“ ist, sollte das aber in keinem Fall tun, wenn nicht beide Partner getestet sind und man sicher sein kann, dass es keine Gummis braucht, um safer zu sein, dass keiner von euch beiden noch drei „Nebenmänner“ hat oder man zusammen genau darüber entschieden hat, wie man die offene Beziehung die man haben möchte, in Bezug auf Safer Sex organisiert. Dazu braucht es ein bisschen Geduld – einen HIV-Test kann man erst sechs Wochen nach Beginn einer Beziehung machen – , Vertrauen und die Fähigkeit, offen und ehrlich über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen. Dabei hilft Druck überhaupt nicht, im Gegenteil: Das junge Männer zu früh den Gummi weglassen, oder sich in ihren Beziehungen darüber anlügen, wie treu sie sind, oder eben auch nicht, ist eine der Ursachen dafür, dass Kerle in dieser Altersgruppe überhaupt HIV bekommen. Wie immer, gilt auch hier: Reden hilft. Und eins könnt ihr uns glauben: es gibt nichts Geileres, als genau zu wissen, worauf der Mann mit dem man Sex hat, genau steht, und das dann eins nach dem anderen zu tun. Viel Spaß dabei.

Foto: Shutterstock/AJR_photo


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