„Einfach das Ende der Welt”

Der neue Film von Xavier Dolan basiert auf einem Theaterstück

Was lässt man auf ein überwältigendes Meisterwerk folgen? Im Falle von Xavier Dolan, der vor zwei Jahren mit „Mommy“ für noch mehr Furore sorgte als mit den vier vorangegangenen Filmen, auf jeden Fall einmal mehr etwas ganz Neues.

„Einfach das Ende der Welt“ basiert nun erstmals nicht auf einer eigenen Geschichte des 27-jährigen Kanadiers, sondern auf einem Theaterstück. Nach 12 Jahren Abwesenheit und nur vereinzelten Postkarten kehrt ein junge Autor (Gaspard Ulliel) zu seiner Familie in der Provinz zurück, um seinen bevorstehenden Tod zu verkünden. Wobei Mutter (Nathalie Baye im exaltierten Diva-Modus), Schwester (Léa Seydoux), Bruder (Vincent Cassel) und Schwägerin (Marion Cotillard) alle mindestens so sehr mit ihren eigenen Befindlichkeiten beschäftigt sind wie der 34-jährige Louis selbst.

Das nicht selten schrille Verhalten sämtlicher fünf Protagonisten treibt einen an den Rand des Wahnsinns

Wann und woran er sterben wird, ist nur eine von vielen Wahrheiten, die dem Zuschauer vorenthalten werden. Dolan selbst betont, dass er „Einfach das Ende der Welt“ auf keinen Fall als Film über AIDS verstanden wissen will. Die vielen offenen Fragen sorgen im Kino für ein hohes Maß an Irritation, und das bisweilen irrationale, nicht selten schrille Verhalten sämtlicher fünf Protagonisten treibt einen an den Rand des Wahnsinns. Doch wie der Regisseur aus all den unausgesprochenen Verletzungen und Konflikten mit seinen liebsten Stilmitteln wie kontrastreichen Farben, Ultra-Nahaufnahmen und knalligen Pop-Songs ein klaustrophobisch-überhitztes Familienporträt macht, lässt einen zumindest nie kalt. (Jetzt im Kino: Tom Fords 2. Regiearbeit – MÄNNER-Archiv)

Kein Wunder also, dass „Einfach das Ende der Welt“ sein Publikum spaltet (zur Weltpremiere in Cannes gab es hämische Kritiken genauso wie den Großen Preis der Jury) – und wir freuen uns bereits auf Dolans nächsten Film „The Death and Life of John F. Donovan“, der 2017 ansteht.

Kinostart: 29. Dezember

Titelbild: Weltkino


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