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Sex, Crime & Popcorn

Dank „King Cobra“ startet das schwule Kinojahr mit einer zackigen Dosis nackter Tatsachen

Wer „Boogie Nights“ zu hetero und „Larry Flint“ zu politisch fand, wird „King Cobra“ lieben. Erzählt wird die wahre Geschichte vom Aufstieg und Fall des Sean Lockhart, der Anfang der 2004 unter dem Pseudonym Brent Corrigan zum „ersten schwulen Porno-Idol des Online-Zeitalters“ aufstieg. Lockhart selbst war weder mit dem Drehbuch, noch mit der Darstellung seiner Figur einverstanden und bezichtigte den Film der „Bastardisierung“ seiner Geschichte. Das liegt wohl daran, dass Regisseur Justin Kelly mehr Wert darauf legt viel Drama und einen hohen Schauwert zu erzeugen als darauf, eine mehrdimensionale Charakterstudie der Hauptfigur zu liefern.

Er wird von zwei strauchelnden Escorts brutal abgestochen und enthauptet

Abgesehen davon, dass die Hauptfigur streng genommen gar nicht Brent Corrigan ist. Der titelgebende „King Cobra“ ist Corrigan-Entdecker und „Cobra Video“-Tycoon Bryan Kocis. Im Film hört der Charakter auf den Namen Stephen, ansonsten erleidet er aber das gleiche Schicksal, das am 24. Januar 2007 auch Bryan Kocis ereilte: Er wird von zwei strauchelnden Escorts brutal abgestochen und enthauptet. Dadurch wird Lockhart/Corrigan erst zum Hauptverdächtigen und dann zum Köder der Ermittler. Würde sich jemand eine solche Story ausdenken, würde sie wohl mit dem Argument „zu dick aufgetragen“ abgelehnt werden.So aber prangt das Prädikat „Basierend auf einer wahren Geschichte“ in den Titel-Credits und vieles, was man normalerweise als reißerisch verlachen würde, wird durch den kalten Schauer des Bewusstseins abgefedert, dass das, was hier erzählt wird, so oder so ähnlich wirklich passiert ist. Wird „King Cobra“ dadurch zu einem wichtigen schwulen Film? Dass dann doch nicht. (MÄNNER-Archiv)

Ein unterhaltsames Popcorn-Drama, das nicht zuletzt wegen des freizügigen Hauptdarstellers Garrett Clayton hübsch anzusehen ist

Die moralisierende Darstellung der Pornobranche als Domäne der zwielichtigen Sexneurotiker und bigotten Klemmschwestern ist ähnlich oberflächlich wie die Zeichnung der Charaktere im Allgemeinen, Reizthemen wie schwuler Jugendwahn und Einsamkeit im Alter werden gestreift aber nicht vertieft, und letzten Endes kann sich Kelly nicht entscheiden, ob er sich vom Voyeurismus, der dem Thema  innewohnt, nun distanzieren oder ihn instrumentalisieren will. Auch das Potenzial des ziemlich grandiosen Casts wird nicht ausgeschöpft, weil die Schauspieler nicht auf einem Level spielen. So bleibt am Ende kein weltbewegendes, aber ein fraglos unterhaltsames Popcorn-Drama übrig, das nicht zuletzt wegen des freizügigen Hauptdarstellers Garrett Clayton außerordentlich hübsch anzusehen ist. In diesem Urteil formuliert indirekt eine große Stärke des Films: Er ist sehr Mainstream-tauglich. Fazit: Perfekt für einen schwulen Kinoabend mit heterosexuellen Freundinnen, für die Suche nach positiven schwulen Identifikationsfiguren aber eher ungeeignet.

Mehr dazu in unserer aktuellen Ausgabe.

Alle Fotos: Edition Salzgeber

Hier der Trailer und die besten Bilder aus dem Film:


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