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Man in Drag

Ab Freitag ist Neil Patrick Harris in „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ auf Netflix zu sehen. MÄNNER hat ihn getroffen

In der Serie „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ spielt Neil Patrick Harris seine Qualitäten als Vollblut-Entertainer aus. Wir sprachen mit ihm über krasse Masken, die Folgen seines Coming-outs und das Vermächtnis von „How I met Your Mother“ 

Neil, kurzes Geständnis vorab: Die Lemony-Snicket-Kinderbuchreiche „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“, auf der die Serie „A Series of Unfortunate Events“ basiert, war mir bislang völlig unbekannt. Hattest Du als Papa dazu einen anderen Bezug?
Nein, gar nicht. Ich habe die Bücher selbst auch erst gelesen als mir die Rolle angeboten wurde. Mein Interesse war anfangs vor allem geweckt, weil ich wusste, dass Barry Sonnenfeld in die Serie involviert war. Dessen Stil, gerade visuell, hat mir bei früheren Arbeiten wie „Die Addams Family“, „Men in Black“ oder „Pushing Daisies“ immer unglaublich gut gefallen. Also habe ich schnell den ersten Roman gelesen und war begeistert.

Wovon genau?
Die Bücher von Lemony Snicket sind viel mehr als Kinderbücher. Mich erinnerte ihr Witz an den großen Jim Henson und seine Muppets: daran können Kinder und Erwachsene gleichermaßen Spaß haben. Und der Humor ist eigentlich ziemlich düster und bissig, manchmal richtig schräg. Für mein Gefühl passte das richtig gut zu Netflix – und vor allem zu mir.

Du bist als Graf Olaf der Bösewicht der Serie. War es Dir wichtig, dass diese neue Rolle möglichst weit weg von Barney aus „How I Met Your Mother“ ist?
Das spielte für mich eigentlich gar keine Rolle. Das einzige, was ich nach „How I Met Your Mother“ erst einmal nicht mehr drehen wollte, war eine weitere klassische Sitcom. Aber ansonsten hatte ich gar nicht das Bedürfnis, Barney hinter mir zu lassen. Im Gegenteil habe ich vermutlich erst durch ihn gelernt, mich einer Rolle wirklich mit Haut und Haar zu verschreiben. Womöglich habe ich also Rollen wie Hedwig in dem Musical „Hedwig and the Angry Inch“ oder nun Olaf nicht gespielt, um mich von Barney zu distanzieren, sondern vor allem dank ihm.

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Mit Haut und Haar stimmt im Falle von Olaf auf jeden Fall, denn zu erkennen bist Du eigentlich nicht…
Stimmt. Und Olaf selbst schlüpft ja wiederum auch noch in unterschiedliche Rollen. Insgesamt habe ich in den acht Folgen vier komplett verschiedene Looks. Darunter auch eine Frau!

Du bist ja ohnehin ein Fan von Verkleidungen, wenn man sich mal die Halloween-Fotos von Dir, Deinem Mann und den Kindern anguckt, oder?
Ich glaube es ist ein ganz altes, fast shakespearesches Verlangen von Schauspielern, sich auch optisch zu verändern und in Kostüme zu schlüpfen. Deswegen ergreife ich zumindest jede Gelegenheit, die sich gibt. Denn in den meisten zeitgenössischen Geschichten, die ja doch den Großteil der Rollen ausmachen, habe ich nur die Wahl zwischen Ralph Lauren und Paul Smith, was bei aller Liebe dann doch nicht so spannend ist. Aber was ich als Graf Olaf fast noch aufregender fand als die Kostüme war die Tatsache, dass ja auch mein Gesicht komplett verändert wurde.

Und zwar gehörig! Ist das als Schauspieler nicht total störend, eine falsche Nase und lauter andere Prothesen im Gesicht kleben zu haben?
Das ist total merkwürdig und eine echte Herausforderung. Denn subtile Mimik kannst du dir damit abschminken. Außerdem war ich anfangs natürlich besorgt, dass man schon von weitem sieht, dass mein halbes Gesicht fake ist. Das war meine größte Sorge: dass die Zuschauer mich sehen und finden ich sehe aus wie ein Klingone in „Star Trek“.

War es auch das Interesse an der Verwandlung, das Dich schon als Kind zum Schauspieler werden ließ?
Nein, das passierte eher aus reinem Zufall. Ich war ja auch keines dieser Kinder, die sich langsam hochgearbeitet haben, mit Auftritten in Werbespots und Mini-Rollen in irgendwelchen Serien. Ich wurde in einer Kleinstadt in New Mexico entdeckt und man bot mir die Hauptrolle in dem Film „Claras Geheimnis“ mit Whoopi Goldberg an. Das ging quasi über Nacht. Und wer hätte dazu nein gesagt?!

Ging es da auch um Selbstfindung?
Glaube ich nicht. Auch heute würde ich nicht sagen, dass ich die Schauspielerei brauche, um mich selbst zu spüren oder so etwas. Aber ich war immer schon an schöpferischen Prozessen interessiert. Bei „Claras Geheimnis“ war es für mich das Spannendste, die Kameraleute und Beleuchter zu beobachten. Und bis heute finde ich nichts toller, als mit meiner Kreativität etwas herzustellen. Sei das nun eine Netflix-Serie mit verrückten Kostümen, ein Theaterstück in einem geschlossenen Probenraum mit einer Handvoll Kollegen oder zuhause mit Pappe und Klebestift ein Roboter für unsere Kinder.

ZUR PERSON:
Neil Patrick Harris, 43, fiel dem schwulen Publikum erstmals 2000 in der Madonna-Komödie „Ein Freund zum Verlieben“ auf, seinen großen Durchbruch hatte er aber erst fünf Jahre später als Barney Stinson im Sitcom-Dauerbrenner „How I met Your Mother“. 2006 bestätigte er die Gerüchte über seine Homosexualität mit den Worten: „Ich freue mich den Gerüchten und Missverständnissen ein Ende zu machen und sagen zu können, dass ich ziemlich stolz bin, ein sehr glücklicher schwuler Mann zu sein (…)“. Er lebt mit seinem Mann David Burtka (ebenfalls Schauspieler) in New York. Neben seiner Arbeit beim Film gilt seine große Liebe dem Musical.

Interview und Text: Patrick Heidmann; Fotos: Shutterstock/Featureflash Photo Agency, Netflix

„A Series of Unfortunate Events“, ab 13. Januar auf Netflix

www.netflix.com

Das vollständige Gespräch mit Neil Patrick Harris und alle Informationen zur Serie findet ihr in unserem Januarheft


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