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Vier Jahre Gefängnis für Hassverbrechen

Außerdem müssen die zwei Angreifer 43.000 Euro Schadenersatz zahlen

Das Urteil eines italienischen Gerichts gegen die 19-jährigen Lorenzo Giuliani und Federico Burlando ist deutlich: Vier Jahre und vier Monate – hinter Gittern, versteht sich! Die zwei jungen Männer hatten am 14. Juli 2015 in der Nähe von Genua den 44-jährigen Marzio Narcisi in einem Linienbus angegriffen, weil sie überzeugt waren, dass er schwul sei. Marzio, der hetero ist, wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Die Freundinnen der verurteilten Männer, die sich zum Tatzeitpunkt gemeinsam mit den Tätern im Bus aufhielten, wurden freigesprochen. Zusätzlich zur verhängten Freiheitsstrafe müssen die Angreifer 40.000 Euro Schadenersatz an Marzio Narcisi bezahlen. Marzios Ehefrau wurden zusätzliche 3.000 Euro von der Richterin zugesprochen.

„Du schwule Sau, was zum Teufel guckst Du meinen Freund an?“

Der Busfahrer, der am Steuer saß und die Tat mitbekam, hatte weder die Polizei noch die Rettungskräfte alarmiert und erstattete auch nie Anzeige. Die Verkündung seines Urteils wurde vertagt. Zur Tat kam es im Juli 2015, als eine der Begleiterinnen der Täter den Angegriffenen im Bus lautstark ansprach: „Du schwule Sau, was zum Teufel guckst Du meinen Freund an?“. Narcisi, saß zu diesem Zeitpunkt im Bus gemeinsam mit einem Freund. Sie waren nach dem Feierabend auf dem Nachhauseweg. Der Angegriffene antwortete: „Nichts, ich war gerade in Gedanken verloren.“ 

Die homophoben Angreifer wollten sich aber damit nicht zufrieden geben und haben beide Männer mit Ketten zusammengeschlagen. Sie wurden am Gesicht, den Beinen und auf dem Rücken verletzt. Marzio hat es dann geschafft, sich nach Hause zu schleppen und seiner Freundin vom Vorfall zu erzählen. Obwohl er schwer verletzt war, hatte er sich aus Scham nicht getraut, ins Krankenhaus zu gehen. Somit lief er knapp eine Woche lang mit einer Gehirnblutung rum, die ihn dann ins Koma fallen lies. Er wäre fast an seinen Verletzungen gestorben.

„Die Schläge haben mich verändert. Ich bin anders aus dem Koma aufgewacht.“

Die Anklage gegen die zwei 19-jährigen lautete auf versuchten Mord, wobei die zwei Polizeibeamten, die den abschließenden Bericht schrieben, ausdrücklich Homophobie als Tatgrund angaben.  In einem Interview mit der italienischen Zeitung La Stampa äusserte sich Narcisi nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus. Er sagte: „Ich würde gerne sagen, dass es mir gut geht. Irgendwie arbeite ich wieder, auch wenn ich mich sonst draussen nicht wirklich zeige. Von außen betrachtet bin es immer noch ich, vielleicht ein bisschen anders aber: Mein Problem steckt in mir drin, ich leide innerlich. Die Schläge haben mich verändert. Ich bin anders aus dem Koma aufgewacht.“ Vor zwei Wochen hatte ein italienisches Gericht einer Mutter das Sorgerecht entzogen. Ihr Kind sei „zu ef­fe­mi­niert“. (MÄNNER-Archiv)

Foto: Marzio Narcisi (links) mit seinem Anwalt. (Credit: La Stampa)

6 Kommentare

  1. Markus Kube

    So etwas würde es in Deutschland nicht geben. Hier würde man sagen, sie haben ja eine so schwere Kindheit gehabt. Sie können ja nichts dafür. Sie kriegen 3 Wochen Luxusknast und 2 Monate auf Bewährung. Die deutsche Justiz ist ein Witz.


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