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Etwas ganz Besonderes

"Liebmann" ist eine Geschichte über die Liebe, die Fremde und ein Gewehr. Toller Film

Es ist höchste Zeit, an dieser Stelle mal ein Loblied zu singen auf den kleinen Berliner Filmverleih Missing Films. Zehn Jahre alt wird die Firma in diesem Jahr, die wir vor allem deswegen zu schätzen wissen, weil sie Filme in die deutschen Kinos bringt (und auf DVD veröffentlicht), die es ansonsten kaum auf unsere Leinwände schaffen: kleine, ungewöhnliche Geschichten, meistens deutsche und häufig queere Produktionen. Die Liste ist lang, von „Was am Ende zählt“ und „Veruschka“ über „Kohlhaas“ und „Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste“ bis hin zu „Desire Will Set You Free“ (MÄNNER-Archiv) oder zuletzt „Kater“ (MÄNNER-Archiv).

Dieser Film der Regisseurin Jules Herrmann ist anders als das meiste, was man sonst im Kino sieht

Nun kommt „Liebmann“ hinzu, und natürlich ist auch dieser Film der Regisseurin Jules Herrmann anders als das meiste, was man sonst im Kino sieht. Schon von einem Spielfilm zu sprechen, trifft die Sache irgendwie nicht ganz, denn dramaturgisch geht es deutlich experimenteller zu. Und dass es kein Drehbuch gab, sondern nur ein paar Handlungsskizzen, die Herrmann und ihrem Hauptdarsteller Godehard Giese als Basis dienten, spricht für sich.

Man könnte sagen: es geht um Antek Liebmann, den es in die französische Provinz verschlägt, weil er in Deutschland etwas hinter sich lassen will, um die nette Nachbarin mit ihrer Tochter, um Sébastien, der es nicht beim One-Night-Stand belassen will, und um ein im Wald gefundenes Gewehr. Genauso richtig ist allerdings die Aussage, dass es um gewichtige Themen geht, um Schuld und um Trauer, aber auch um Kunst, um Pfauen und um Strindberg.

So mancher wird hier etwas ganz Besonderes für sich entdecken

So gewöhnlich der tolle Godehard Giese mit seinen langen Koteletten und dem zutzeligen Schnurrbart aussieht, so ungewöhnlich ist Herrmanns nicht nur ästhetisch von allen Zwängen befreite Umsetzung ihres Films. Dass viele Zuschauer mit „Liebmann“ deswegen nichts werden anfangen können, ist sicher richtig. Doch so mancher wird hier etwas ganz Besonderes für sich entdecken. Und dafür, dass das möglich ist, gilt der Dank eben auch Missing Films. (heid)

Foto: MissingFilms

Kinostart: 26. Januar 2017


2 Kommentare

  1. Heiko Tienken

    Seit 46 (1971 war 14 J.) Jahren lebe ich mein schwules Leben. Damals habe ich von Jahr zu Jahr gedacht es kann nur besser werden, heute (ich werde in diesem Jahr 60) sage ich, wenn ich die Artikel lese und Bilder sehe wenn Gleichaltrige aufeinander einschlagen nur weil ein schwuler Jugendlicher mit einer Hetrofreundin spazieren geht und der Freund von der jungen Frau das sieht und auf den schwulen jungen Mann eindrischt. Und es waren und sind noch andere Artikel …! Es ist schade!!!


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