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Das Ende einer großen Liebe

Italien trauert mit Gianni um seinen Partner Franco: "Wir fühlen uns, als wären wir ein Teil dieser Familie"

Franco und Gianni liebten sich sehr und ihre Sorge war groß. Und sie war berechtigt. Die beiden hatten sich 1964 ineinander verliebt und lebten seitdem zusammen. 52 Jahre, die ganz große Liebe, die eine, die für immer und ewig. Die ihr gemeinsames Leben geprägt hatte und die jetzt schnell besiegelt werden sollte. Es musste schnell gehen. Also schrieb Franco Anfang 2016 dem damaligen italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi, er möge sich bitte beeilen damit, sein Partnerschaftsgesetz durchzudrücken. Franco wusste, dass ihm nicht viel Zeit blieb, er war sehr krank. Und, es ging gut: Franco und sein Gianni waren unter den ersten Schwulen, die im letzten Sommer in Italien eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingingen. Da war Franco 83 Jahre alt und Gianni hatte seinen 79. Geburtstag gefeiert. 

Während der Zeremonie im Rathaus der norditalienischen Stadt Turin, sagte Franco damals: „Wir sind gerührt über die Zuneigung, mit der die Zeitungen unsere Geschichte erzählt haben. Eine Geschichte, wie viele andere. Eine Geschichte von zwei Menschen, die sich verlieben und beschließen, ihr Leben miteinander zu verbringen. Die sich entschieden, eine Familie zu gründen. Ich wiederhole: Eine Familie! Denn auch wir sind eine Familie. Und ab heute werden wir es endlich auch in den Augen des Staates sein.”

Wir hoffen, dass dieses Symbol der Liebe vielen jungen Generationen Mut machen wird

„Wir fühlen uns auch sehr geehrt, dass wir die Ersten in Turin sein dürfen, die das sind. Als wir unser Aufgebot bestellten, hätten wir nie gedacht, dass uns diese Ehre zuteil wird. Wir hoffen, dass unsere Geschichte und dieses Symbol der Liebe vielen jungen Generationen Mut machen wird. Die letzten Wochen waren sehr emotional für uns: Das gemeinsame Aussuchen der Ringe, die wir heute ausgetauscht haben. Das Einkaufen der Anzüge, die wir heute tragen. Die komplette Vorbereitung… Stellt Euch vor, wir haben heute zum ersten Mal mit unseren neuen Familiennamen unterschrieben. Ein Gefühl, das wir nie vergessen werden!“

„Wir fühlen uns wie ein Teil dieser Familie. Ihre Geschichte hatte uns alle berührt

Gestern wurde vom Verein des Turiner Prides eine traurige Nachricht verbreitet: Franco ist nach langer Krankheit verstorben. „Heute morgen hat uns Franco verlassen. Aber vor allem hat er nach 52 Jahren seinen Partner Gianni verlassen. Sie waren das erste Paar der Stadt Turin, das vor der Bürgermeisterin die Eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen ist. Wir erinnern uns alle an diesen lang erwarteten Tag. Unsere Gedanken sind bei Gianni, der seine große Liebe verloren hat.“

Die Bürgermeisterin und der Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Turin teilten in einer offiziellen Beileidsbekundung mit: „Wir fühlen uns wie ein Teil dieser Familie. Ihre Geschichte hatte uns alle berührt und wir spürten, dass ihnen diese 15 Minuten im Trausaal sehr viel bedeuteten. Und uns auch. Nicht nur wegen ihrer Liebe und ihrem Mut, sondern auch für die gesamte Stadt und für alle, die mit ihnen diese Emotionen an diesem wichtigen Tag teilten.“ Der Katholik Franco war gläubig und ihre „Hochzeitsreise“ führte sie in den französischen Wallfahrtsort Lourdes. In seiner sehr direkten Art schrieb er von der Reise auch an Papst Franziskus und bat ihn, kirchliche Trauungen auch für homosexuelle Paare zu öffnen.

Die Trauerfeier findet am Samstag in der katholischen Kirche Santa Rita in Turin statt.

Foto: Franco und Gianni bei ihrer Verpartnerung (Quelle: privat)


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