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Schweden: Trans nicht mehr geisteskrank

Bisher mussten sich Transsexuelle in Schweden zwangsweise sterilisieren lassen, wenn sie ihr Geschlecht angleichen wollten

Transgender werden in Schweden zukünftig nicht mehr als „geistig krank” eingestuft. Der Nationalrat für Gesundheit gab diese Entscheidung bekannt, nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Oktober Transsexualität von der Liste psychischer Störungen gestrichen hatte. Die Vorsitzende des nationalen Rates, Kristina Bränd Persson, nannte die Entscheidung „eine wichtige symbolische Geste”.  Die Entscheidung wurde von Trans*-Aktivisten begrüßt und als „längst überfällig” beschrieben. Der Aktivist Leo Ringquist schrieb auf Twitter „Jetzt ist verdammte Scheiße nochmal endlich angekommen! Wir sind nicht krank, schon gar nicht geistig.”

 

Laut dem schwedischen online-Portal thelocal.se fügte Persson an: „Diese Entscheidung ist komplett vernünftig. Viele Unterscheidungen und Kategorien in unseren Vorschriften sind inzwischen einfach überflüssig. Für uns ist die neue Regelung nicht kontrovers. Wir folgen den Vorgaben der WHO in den allermeisten Fällen.” Die werden in europäischen Ländern sehr unterschiedlich umgesetzt. in Irland dürfen Trans* ihr Geschlecht seit 2015 auch ohne Operation selbst festlegen. (MÄNNER-Archiv)

Mehr als 160 Opfer des Gesetzes hatten die schwedische Regierung verklagt

Bisher waren schwedischen Transsexuelle als an „Gender Dysphoria” erkrankt eingestuft worden und mussten sich sterilisieren lassen, bevor der schwedische Staat ihr Geschlecht anerkannte. Das Gesetz schrieb vor, dass diejenigen, die ihr Geschlecht anpassen lassen wollten „nicht mehr in der Lage sein dürfen, ihrem Fortpflanzungstrieb nachzugehen”. Das betraf allein in den letzten zehn Jahren Hunderte von Menschen, die so der Möglichkeit beraubt wurden, Kinder zu haben. Es hatte immer wieder Proteste gegen die Regelung gegeben, sowohl in Schweden selbst wie international.

Mehr als 160 Opfer des Gesetzes hatten die schwedische Regierung wegen der Regelung verklagt. Nach einer jahrelangen politischen Debatte wurde letztes Jahr entschieden, dass die Behörden den Klägern und Klägerinnen, die zwangsweise sterilisiert worden sind, 300000 Kronen, rund 32000 Euro, Schadenersatz pro Person zahlen muss. Die neue Regelung soll im Juli 2018 in Kraft treten.

Foto: Shutterstock/Anki Hoglund

 


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