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Sendungsbewusstsein

Der Gründer des schwulen Metropolenradios "Lulu.fm" erzählt MÄNNER die Geschichte des Senders

Seine ersten Radiomoderationen machte Frank Weiler (46) im Alter von elf: „Ich bin ein Kind der 80er. Damals hab ich immer ‚Mal Sondocks Hitparade‘ auf WDR 2 mit dem Kassettenrekorder aufgenommen und mich  geärgert, wenn sie die Nummer Eins nicht mehr komplett ausspielen konnten, weil die Nachrichten kamen. ‚Das muss man doch besser timen können‘, hab ich gedacht. Und dann hab ich meine Aufnahme noch mal abgespielt und meine eigenen Moderationen dazu gemacht. Die Leidenschaft fürs Radio hatte ich also schon sehr früh.“

Und weil es die 80er waren, ging diese Leidenschaft bei Frank mit einer Schwäche für Wham!, The Communards und Frankie Goes to Hollywood einher. Fragt man ihn heute, ob es so etwas wie einen schwulen Musikgeschmack gibt, antwortet er ohne zu zögern mit „Ja, klar“.

„Weder Private, noch die Öffentlich-Rechtlichen brachten Themen über Schwule. Das hat mich gestört”

Doch Musik ist nicht alles. Inzwischen hat der Kölner 25 Jahre Radioerfahrungen als Profi hinter sich (erst bei Privatsendern in NRW, später bei SWR3). Seine Leidenschaft hat er nie verloren, aber mit seiner Identität als schwuler Mann ließ sie sich nie vereinbaren: „Mir fiel zunehmend auf, dass unsere Community im Radio nicht stattfindet. Weder Private, noch die Öffentlich-Rechtlichen brachten Themen über Schwule und Lesben. Das hat mich gestört.“

lulu_team_studioLange sah Frank im behäbigen System der Rundfunkanstalten und etablierten Sender keine Möglichkeit, das zu ändern. Erst mit dem Aufkommen des Digitalradios (DAB+)  in den letzten Jahren witterte er eine Chance für ein Spartenprogramm mit spitzerer Zielgruppe. Der Traum vom schwulen Radiosender schien plötzlich greifbar. Und weil Frank ein zupackender Typ ist, beantragte er kurzerhand eine bundesweite Rundfunklizenz. Wenig später stand er im Austausch mit der Landesrundfunkanstalt NRW, die das Konzept zu seiner Überraschung interessiert aufnahm.

 

„Die Behörden fanden die Idee großartig, ein schwules Zielgruppenradio zu machen, das nicht nur Musik abspielt, sondern auch Inhalte anbietet und eine Nische füllt. Es kamen allerdings auch kritische Rückfragen: Ob ich Heteros ausschließen würde, wollten sie wissen. Das hatte ich natürlich nicht vor. So ergatterte ein kleiner schwuler Mann aus Köln mit dem Segen sämtlicher Landesrundfunkanstalten Deutschlands eine bundesweite Rundfunklizenz.“

Der Name „Lulu.fm“ gehörte von Anfang an zum Plan, aber es musste noch Verstärkung her. Mit der Musikwissenschaftlerin Cathrin holte Frank eine „starke Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt“ (und obendrein sechs Jahre Radioerfahrung hatte) ins Redaktionsteam, mit „Quereinsteiger Daniel“ gewann er einen weiteren Mitstreiter, der sich voll in das Projekt reinwarf. Am 1. Oktober ging man in Hamburg und Berlin live.

Stream und Infos:

www.lulu.fm

Mehr dazu in unserer aktuellen Ausgabe


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