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Coming-Out in Bollywood

Der schwule Bollywood-Regisseur Karan Johar will sich nicht explizit outen. Muss er? Soll er? Oder nicht? Whatever. Das Problem liegt ganz woanders

Eigentlich ist es kein Geheimnis, dass Bollywood-Regisseur Karan Johar schwul ist. Schon gar nicht, seit die India Times Anfang Januar Auszüge aus seiner Autobiographie vorab veröffentlicht hat. Er schreibt dort: „Jeder kennt meine sexuelle Orientierung. Ich muss sie nicht hinausschreien. Ich sage es nur nicht, weil ich in einem Land lebe, wo ich dafür ins Gefängnis kommen könnte. Das ist, warum ich, Karan Johar, nicht die drei Worte über mich sagen werde, die wahrscheinlich jeder über mich weiß.” („An Unsuitable Boy”, geschrieben von Karan Johar und Poonam Saxena, Penguin Books)

Alles klar, oder? Eindeutiger geht es kaum. Doch geoutete Lesben und Schwulen kritisieren Johars Weigerung, sich explizit zu outen. Sie empfinden seine Haltung als unsolidarisch und herablassend gegenüber dem, was sie durchstehen mussten. Johar wirbt um Verständnis. „Der Grund, dass ich es nicht laut sage, ist einfach, dass ich nichts mit den FIRs [der Polizei] zu tun haben möchte. Es tut mir sehr leid. Ich habe einen Job, ich habe Verantwortung gegenüber meiner Firma, den Leuten, die für mich arbeiten; es gibt über hundert Leute, für die ich verantwortlich bin”, sagt der Regisseur nach Angaben von IndiaTV.

Und nun? Soll sich Karan Johar outen? Ist es legitim, das angesichts von Strafverfolgung nicht zu tun? Indien diskutiert inner- und außerhalb queerer Szenen, die Debatte wird auch in internationalen Medien aufgegriffen (z.B. in der BBC). Auch die MÄNNER will berichten und bittet Sridhar Rangayan um eine Einschätzung. Rangayan ist selbst Regisseur von mehreren Filmen mit queerem Fokus (IMDB-Biographie), außerdem ist er Gründer des LGBTQ-Filmfestivals Kashish in Mumbai – das größte queere Filmfestival von Südostasien.

Das Problem ist nicht Karan Johar

Auf die Interview-Anfrage reagiert Sridhar Rangayan allerdings leicht genervt. Auf die Frage, ob sich Johar seiner Meinung nach outen soll, geht er nur indirekt ein. Klar wird: Das Problem ist nicht Karan Johar. Das Problem ist nicht, ob er drei Worte explizit sagt oder sie so andeutet, dass es jeder versteht. Das Problem ist nicht das Coming-Out in Bollywood. Das Problem ist das indische Gesetz, das homosexuelle Akte unter Strafe stellt, Paragraph 377.

„Als der Oberste Gerichtshof von Indien 2013 den Paragraph 377 nicht änderte, verwies er darauf, dass es keine sichtbare Community betreffe. Um so notwendiger ist es, dass immer mehr Leute sich outen und darauf hinweisen, dass dieses Gesetz ihre persönlichen Rechte beschneidet – die Rechte auf Freiheit, persönliche Entfaltung und Menschenwürde”, sagt Ragayan im Interview mit der MÄNNER. „Die Regierung hat Angst, hier zu handeln, weil sie befürchtet, Wählerstimmen zu verlieren.”

Sridhar Rangayans Appell

Genau deswegen sollten sich seiner Meinung nach mehr Menschen outen, gerade Prominente, und für Veränderung eintreten – um zu zeigen, dass auch hier Wählerstimmen zu holen sind. Aber auch, um Rollenmodelle für die Jugend zu bieten und den jungen Leuten und ihren Familien zu zeigen, dass es okay ist, stolz auf die eigene Identität zu sein. „Lasst uns unser Land frei und gleichberechtigt machen. Veränderung sollte bei jedem einzelnen anfangen.”

Das Gesetz, das in Indien Homosexualität unter Strafe stellt, stammt aus einer Zeit, in der man noch auf Elefanten durch das Land ritt (MÄNNER-Archiv). Der Paragraf 377 des indischen Strafgesetzbuches, erlassen 1861, stellt „sexuelle Handlungen wider die Natur” unter Strafe. Das gesellschaftliche Klima hat sich besonders in Großstädten und etwa der Filmbranche stark liberalisiert. Doch im tief konservativen Indien gilt Homosexualität weiterhin an vielen Orten als Tabu oder als unnatürlich. Immer wieder scheitern Versuche, das alte Gesetz zu ändern – zuletzt 2016 (MÄNNER-Archiv).

Foto: Karan Johar bei Filmfare, Bollywoodhungama / wikimedia (CC3)

2 Kommentare

  1. Kevin Montany-Jung

    >bizarr=!?!?= der schwule schwule will „uns allen” doch einfach nicht saaaaaagen, dass der schwule schwule schwul ist =!!! = dieser feige schwule schwule =!!! = ob der schwule lebenspartner vom schwulen schwulen auch schwul ist =?!?!= und wenn nun der schwule schwule, der doch nun gar nicht wie ein schwuler schwuler aus sieht, einfach nur lügt und in wahrheit der schwule schwule überhaupt nicht schwul ist=? = also muss der schwule schwule „uns” beweisen, das der schwule schwule schwul ist!!!!= sonst glauben „wir” dem quasi angeblich schwulen schwulen nicht, dass der schwule schwul ist und akzeptieren sein schwulsein nicht !?!!?! … oder wie oder was =??!?!?! <

  2. Wolfgang Schmitt

    „ich lebe mit einem Mann zusammen, mit dem habe ich Sex und ich hatte in meinem Leben bisher ueberhaupt immer nur mit Maennern Sex.” „Also, willst Du nun sagen, dass Du schwul bist oder nichtt?”

    Drama schaffen wo keins ist…


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