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TGIF: Hohlkreuz im Hirn

Warum Hedwig von Beverfoerde und andere Christinnen den Donald so reizend finden

„America first, America first“ intoniert Donald Trump vor seinen Anhängern wie ein overdresseder Englischlehrer aus der Pfalz, und analog zur Frisur sitzt jede der Silben. Die brennen sich ein in die Hirne der paralysierten ZuschauerInnen, denen es wie Schuppen von den Augen fällt, dass Trump auch nach seiner Inauguration nicht vorhat, sich seiner Rolle des US-amerikanischen „Gruselclowns“ (Castorf) zu entledigen. Er macht in seinem Wahlkampfmodus weiter, was schert ihn die Etikette eines Präsidenten? Konsequent verweigert er jedes Mindestmaß an gesellschaftlichen Regeln, die das zivilisatorische Miteinander sichern, doch dafür wurde Trump auch nicht gewählt. Sondern vielfach deshalb, weil er sich wie ein sitzengebliebener Schulhofpöbler über die Ablehnung all dessen definiert, was die Existenzberechtigung des weißen Machotums gefährdet.

„Make America great again“ ließe sich entsprechend mit „Power for white Machismo“ übersetzen

„Make America great again“ ließe sich entsprechend mit „Power for white Machismo“ übersetzen, einem Slogan, der auch die Augen der deutschen Rechten glänzen lässt – hat es sich Trump immerhin wohl einmalig in der US-Geschichte bereits früh im Wahlkampf mit all jenen verscherzt, die nicht männlich, weiß und heterosexuell sind. „Endlich mal einer, der zeigt, wie es geht“, werden die Bachmanns und Höckes dieser Republik in ihrer rechtsextremen Ecke eigenlogisch gejauchzt haben. Und die christlichen FundamentalistInnen im Dunstkreis der berüchtigten „Demo für alle“ glucksen fröhlich mit.

„Ich erlaube mir, auf eine segensreiche Präsidentschaft zu hoffen“, feiert beispielsweise Hedwig von Beverfoerde auf Facebook den „Anti-Achtundsechziger“, gegen den sich die „verwöhnte Medienelite mit Haut und Haaren“ (Junge Freiheit) sträubt. Die Radikal-Christin und Ex-Pegida-Aktivistin Heidi Mund („Die Nazis sind doch alle schon gestorben“) sieht Trump gar als von „Gott“ auserwählt in ihrer Errettung vor dem Islam, obwohl Trump – „America first“ – daran gar kein Interesse haben dürfte.

Kinder würden „per Sexualpädagogik der Vielfalt indoktriniert“, behauptet Beverfoerde

Interessant ist, was diese (beispielhaften) Ladys mit dem Holzkreuz im Hirn mit einem Kerl gemein haben, der Frauen nach Körbchengröße und Playmate-Qualifikation kategorisiert: Es ist dieser Hass auf die „Political Correctness“, die für die freie Entfaltung jedes Individuums und Vielfalt steht und mittlerweile als Schimpfwort der Rechten instrumentalisiert wird.

Dabei ist PC die Feindin autoritär-patriarchalen Machtanspruchs, widerspricht dem Zwang zum Hirsch (wahlweise Kojoten) über dem Doppelbett (zwei Matratzen), ohne selbiges verbieten zu wollen. PC heißt Akzeptanz im Rahmen eines gesellschaftlich definierten Imperativs – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Die AfD bringt sich mit Frontfrau Petry und Hinterzimmer-Göring Höcke bereits in Stellung

Doch exakt diese PC macht ihnen, den Gefährtinnen des starken Mannes, ihre vaterlandserhaltende Rolle abspenstig, weshalb sie alternative Lebensmodelle fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Kinder würden „per Sexualpädagogik der Vielfalt indoktriniert“, behauptet Beverfoerde wider besseren Wissens auf der erzkatholischen „Tagespost“, wobei zu hoffen bleibt, dass die Kleinen in Panik vor der Zwangs-Homosexualität nicht mit Weihrauch vergiftet werden, sollten die mal ihre eigene Sexualität kennen lernen wollen.

By the way spricht sie gleichgeschlechtlichen Paaren die Fähigkeit zur echten Bindung ab, läuft stattdessen aber einem Macker hinterher, der sich völlig unchristlich über behinderte Menschen lustig macht, und dem weder reale noch fiktive „Showerpartys“ in Moskau den Ruf ruinieren können. Lass ihn doch spielen, werden sich die Damen hier denken, solange Trump erfolgreich für jenes Rollback steht, das sämtliche emanzipatorische Errungenschaften in die Tonne tritt.

Dieser Rollback könnte auch in Deutschland („Germany first“, Matussek) im Wahljahr 2017 parlamentarische Realität werden – die AfD bringt sich mit Frontfrau Frauke Petry und dem Hinterzimmer-Göring Björn Höcke bereits in Stellung.

Foto: Shutterstock/Evan El-Amin

 


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