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„Ich frage sie, ob sie Mädchen mögen“

Der Erzbischof vom argentinischen La Plata will Schwule im Priesterseminar vermeiden

Der umstrittene Erzbischof von La Plata, Héctor Aguer, hat seinem konservativen Ruf einmal mehr alle Ehre gemacht. In der Radioshow „No se puede vivir del amor“ („Man kann nicht ohne Liebe leben“) sprach er über die Einstellung des Papstes zu Homosexuellen und darüber, wie er Schwule im Priesterseminar verhindert.

So kritisierte er die Medien dafür, ein falsches Bild von Papst Franziskus zu vermitteln. Dieser sei nicht „schwulenfreundlich“, auch wenn dieser etwa gesagt hat, dass sich die Kirche bei Homosexuellen entschuldigen müsse (MÄNNER-Archiv).

Der Katechismus sei klar gegen Homosexualität

„Niemand ist Freund oder Feind von Homosexuellen. Es gibt die Lehre der Kirche über dieses Thema und Bergoglio (der Papst) und ich respektieren sie. Diese Lehre hat sich nicht verändert. Homosexuelle sollen keusch leben und sich selbst kontrollieren“, zitiert die spanische Tageszeitung El País den Erzbischof.

Zwar gebe es in der Geschichte der Kirche „Kontinuität und Erneuerung“, doch der Katechismus positioniere sich „klar gegen Homosexualität.“ Deshalb will er als Erzbischof auch verhindern, dass schwule Männer zum Priester geweiht werden, sagte er in dem Radiointerview.

„Ich habe nie einen schwulen Priester geweiht.“

„Die jungen Männer, die ins Priesterseminar eintreten wollen, frage ich, ob sie Frauen mögen. Wenn sie Ja sagen, sage ich ‚Gott sei Dank‘. Ich habe keinen Kandidaten zugelassen, der mir nicht bestätigt hat, dass er an Frauen interessiert ist“, zitiert ihn die argentinische Zeitung „Tiempo de San Juan“.

Außerdem leugnet er Gerüchte, dass viele Pfarrer schwul seien und der Kirche den Rücken gekehrt haben, als sie sich in einen Mann verliebt haben. „Ich habe nie einen schwulen Priester geweiht.“ (Auch der Vatikan sagt, wer „tiefsitzende homosexuelle Tendenzen“ hat, könne kein Geistlicher werden – MÄNNER-Archiv.)

230 Morde an Frauen – nicht haltende Ehen seien daran Schuld

Für Homosexuelle gebe es dennoch einen Weg zu Gott, erklärte Héctor Aguer: „Wenn der Büßer seine Homosexualität als Sünde bekennt und davon abkehrt, wird er freigesprochen. Wenn er das nicht kann und es nicht bereut, kann er die Absolution nicht erhalten.“

Im selben Interview äußerte sich der Erzbischof auch frauenfeindlich. In Argentinien werden Frauen immer häufiger Opfer von Gewalt. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2016 wurden laut der NGO La Casa del Encuentro 230 Frauen getötet – die meisten vom Partner, Expartner oder anderen Familienmitgliedern. Das erklärte er damit, dass Ehen nicht mehr halten. Das führe zu „Gewalt an Frauen, die es vorher nicht gab.“

Dennoch: Argentinien ist ein sehr liberales Land

Es ist nicht das erste Mal, dass der 73-jährige Héctor Aguer homofeindliche Töne anschlägt. Als der argentinische Senat 2010 über eine Eheöffnung beraten hat, warf er der Regierung vor, „einen kulturellen Krieg gegen das Christliche in unserem Volk” zu beginnen.

Trotz solcher Aussagen gilt Argentinien keineswegs als konservatives Land, was LGBTI-Gesetzgebungen angeht. Seit 2003 gab es eingetragene Partnerschaften in einigen Provinzen, seit 2010 ist die Ehe für alle Homosexuellen geöffnet. Seit 2012 können Transgender ihr Geschlecht in Dokumenten ändern, ohne in ärztlicher Therapie sein zu müssen, wie dies etwa in Deutschland der Fall ist.

Titelfoto: Arzobispado de La Plata


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