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Rainbow-Zebrastreifen in Rom übermalt

Die neue römische Stadtverwaltung übermalt einen Zebrastreifen in Regenbogenfarben weiß. Kommunalpolitikerinnen beklagen den Verlust eines Symboles

Seit 2012 gab es auf dem Gelände einer Kommunalverwaltung der Stadt Rom einen Regenbogen-Zebrastreifen. Nun wurde er weiß übermalt. „Es ist eine Verunstaltung“, klagt die Kommunalpolitikerin Paola Vaccari von der Demokratischen Partei gegenüber der MÄNNER. „Ich bin entsetzt“, sagt die ihre Parteikollegin Carla Di Veroli dem Internetportal Roma Today.

Di Veroli hatte die Bemalung der Zebrastreifen 2012 mit initiiert, damals war sie Assessorin und Vizepräsidentin der Kommune (Municipio VIII). „Unsere Idee damals war, dass die Kommunalverwaltung ein freundschaftlicher Ort ist, wo Rechte respektiert werden, die anderswo nicht gelten.“ Zwar hat sich Italien seitdem etwas geöffnet, etwa ein Rechtsinstitut für homosexuelle Paare eingeführt (MÄNNER-Archiv), die sogenannte „Zivil-Union“ (Unione Civile) – doch Di Veroli ist trotzdem besorgt. Die Tilgung der bunten Streifen steht für sie sinnbildlich für die aktuelle Politik. „Ich befürchte, dass nun Schluss ist mit gleichen Rechten.“

„Zurück ins Mittelalter! Ein Horror!“

Genauso geht es Paola Vaccari: „Der Regenbogen-Zebrastreifen war ein wichtiges Symbol für Werte, Errungenschaften, Kämpfe. Er hat allen Besuchern der Kommunalverwaltung gezeigt: Hier wird Diskriminierung nicht geduldet, hier ist kein Platz für Homophobie.“ Die Übermalung zeige, dass es der neuen Verwaltung eben nicht mehr wichtig sei, für Geschlechtergerechtigkeit und gegenseitige Achtung einzutreten. „Diese Intelligenzbestien von der Fünf-Sterne-Bewegung bringen uns zurück ins Mittelalter! Ein Horror!“

Verantwortlich für die Übermalung ist die Kommunalverwaltung der Fünf-Sterne-Partei (Movimento Cinque Stelle, M5S) des Satirikers Beppe Grillo. Der Präsident der Kommunalverwaltung, Giulio Pace, beteuert gegenüber Roma Today, das sei alles ein Missverständnis. „Wir wollten hier nicht ein Symbol verschwinden lassen.“ Er hat eine einfache Erklärung: Der Parkplatz mit dem Regenbogen-Zebrastreifen sei neu zugewiesen worden, verkehrspolizeilich müssten deswegen die Straßenmarkierungen den Standards entsprechen. Auf Googlemaps ist sichtbar, dass die Farben sowieso schon ziemlich verblichen waren – dennoch ist der Regenbogen noch deutlich erkennbar.

Die Fünf-Sterne-Bewegung

Die Fünf-Sterne-Bewegung steht in Rom sowieso unter Kritik. Am 22. Juni 2016 wurde die M5S-Politikerin Virginia Raggi zur Bürgermeisterin gewählt. Sie hatte im Wahlkampf versprochen, das System aus Vetternwirtschaft und Korruption zu zerschlagen, in das sich alle ihre Vorgänger (egal welcher Partei) verstrickt hatten. Doch sie erfüllte die bisherigen Erwartungen nicht und kämpft selbst mit ähnlichen Vorwürfen gegen ihre Vertrauten. Im Wahlkampf hatte sie zudem Forderungen für LGBT aus ihrem Programm gestrichen, um mehr Stimmen von Katholiken zu bekommen.

In den Diskussionen um die Einführung der Homo-Ehe in Italien 2016 war die Fünf-Sterne-Bewegung gespalten, verließ aber in einer entscheidenden Abstimmung im Senat den Saal, um sie nicht zu blockieren. Es wird damit gerechnet, dass die populistische Protestbewegung bei der nächsten Parlamentswahl stärkste Kraft werden und damit die Regierung übernehmen könnte.

Foto: Paola Vaccari (ganz links auf dem Bild, 2. von links ist Carla Di Veroli)


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