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Spahn: Eheöffnung „in diesem Jahrzehnt“

Der CDU-Politiker spricht auch über persönliche Diskriminierungserfahrungen

Der offen schwule CDU-Politiker Jens Spahn hat im Interview mit den ARD-Tagesthemen eine Eheöffnung „noch in diesem Jahrzehnt“ in Aussicht gestellt. „Das ist ja die Debatte, die wir aktuell führen“, sagte er.

Anlass für das Interview war eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), die am Donnerstag vorgestellt wurde. Ihr zufolge stimmen 83 Prozent der Deutschen der Aussage „Ehen zwischen zwei Frauen bzw. zwei Männern sollten erlaubt sein” zu. Dreiviertel der Befragten finden, dass Schwulen und Lesben die Adoption offenstehen sollte.

Veränderungen „ergeben sich natürlich auch in der CDU“

„Genauso wie wir in der Studie sehen, dass sich in den letzten zehn Jahren eine neue Gelassenheit, eine neue Selbstverständlichkeit im Umgang mit Homosexualität, mit Schwulen und Lesben bei ganz vielen Deutschen ergeben hat, so bin ich auch sicher, dass wir beim Thema Eheöffnung ja schon weit gekommen und auch in den nächsten Jahren, noch in diesem Jahrzehnt, die rechtliche Öffnung sehen werden.“ (Bisher blockiert die CDU regelmäßig eine Eheöffnung – MÄNNER-Archiv.)

Auf die Frage, wie Spahn seine Partei überzeugen wolle, antwortete er: „Auch die ist in einem solchen Prozess. Die CDU ist eine Volkspartei, und die Diskussion, die Veränderung, die sich in der Gesellschaft insgesamt ergeben, die ergeben sich natürlich auch in der CDU.“ (Nach 15 Jahren eingetragener Lebenspartnerschaft ist Abwarten falsch – MÄNNER-Archiv.)

Die CDU kann ländliche Regionen erreichen und für Toleranz werben, findet Spahn

In der Debatte sehe er die Chance, „dass wir auch Menschen erreichen, die vielleicht von Grünen bei Debatten in Köln oder Berlin Mitte nicht erreicht werden – im Münsterland, in der Eifel, etwa im ländlichen Raum, die wir öffnen können und mit Argumenten erreichen können und das ist eine Chance in der Entwicklung.“ Welche konkreten Argumente er jedoch meint – Merkels Bauchgefühl? – verschweigt der 36-Jährige leider.

Spahn gab außerdem zu, dass ihn „manche Wortwahl in der Debatte natürlich ärgert – auf beiden Seiten.“ Phrasen wie die „schrille Minderheit“, von der die CSU bisweilen sprach, „schmerzen, die sind unnötig“, gab der Staatssekretär im Finanzministerium zu.

Der CDU-Politiker wird auch „schräg und dumm angemacht“

„Aber ich finde manchmal auch die Reaktion, immer gleich jeden als homophob oder schwulenfeindlich zu bezeichnen, der sich schwer tut mit bestimmten Entwicklungen,  weil er jahrzehntelang – wie ja auch meine Eltern oder Großeltern – es nicht anders gelernt haben.“ Er finde, beide Seiten „sollten ein bisschen abrüsten.“

Außerdem sprach Spahn über persönliche Erfahrungen mit Diskriminierung. „Natürlich gibt es immer noch Szenen im Alltag, auch gerade abends im öffentlichen Straßenverkehr, selbst in einer großen Stadt wie Berlin, wo man mal schräg und dumm angemacht wird, wenn ich mit meinem Freund unterwegs bin.“

Jens Spahn: „Das schmerzt mich“

So erfreulich manche Zahlen der ADS-Studie auch sind, so zeigen sie, dass viele Menschen die Eheöffnung auf einer abstrakten Ebene zwar befürworten. Wenn Homosexualität sie jedoch persönlich betrifft, ist die Ablehnung deutlich größer. So geben 39,8 Prozent der Befragten an, dass es ihnen „sehr” oder „eher unangenehm” wäre zu erfahren, dass die eigene Tochter lesbisch ist; 40,8 Prozent, wenn der eigene Sohn schwul ist.

Auch dazu äußert sich der CDU-Politiker, der vom britischen Guardian als „Kanzler in Wartestellung“ bezeichnet wurde. Viel schlimmer als seine persönliche Erfahrung mit Diskriminierung findet er, dass es heute immer noch schwule oder lesbische Jugendliche gibt, die aus Angst vor Ablehnung nicht darüber reden. „Das schmerzt mich, dass es das immer noch vielfach in Deutschland gibt.“

Titelfoto: Laurence Chaperon


7 Kommentare

  1. Frank Bartz van den Bosch

    Nein, schafft er nicht. Es ist einfach nur der Zug der Popularität, den jetzt viele CDU Mitglieder Spaan, Uschi) oder auch Kahrs (SPD) nutzen um mal mit einer guten Grundeinstellung in die Presse zu kommen, denn es ist Wahlkampf. Glaubt ihr, dass diese CDU bei einer erneuten Abstimmung für die Eheöffnung im Bundestag, noch vor den Wahlen (im Sep. 2017 -circa 8 Monate) mit „Ja zur gleichgeschlechtlichen Ehe” stimmen würden, dann habt ihr euch wohl geschnitten. Denkt dran 100% vor der Wahl ist 0% nach der Wahl!


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