Türkischer Designer attackiert

Weil er ein Erdogan kritisches Video gepostet hatte, wurde Barbaros Şansal am Flughafen angegriffen

Der berühmte türkische Modedesigner und LGBTI-Aktivist Barbaros Şansal wurde am Neujahrstag von einer wütenden Menschenmenge auf dem Rollfeld des Istanbuler Flughafens angegriffen und zusammengeschlagen. In einem im Internet verbreiteten Video ist zu sehen, wie Şansal zu Boden fällt und in ein Polizeiauto gezerrt wird, das ihn ins Krankenhaus bringt. Die Angreifer sind laut diverser Medienberichte Angestellte der Turkish Ground Services (TGS). Die Firma stellt das Bodenpersonal der Fluglinie Turkish Airlines. So ist auch zu erklären, wie die Männer überhaupt auf das Rollfeld gelangen konnten.

Der Angriff war eine Reaktion auf ein Video, das Barbaros Şansal am letzten Tag des alten Jahres veröffentlicht hatte

Der Angriff war eine Reaktion auf ein Video, das Barbaros Şansal am letzten Tag des alten Jahres veröffentlicht hatte. In dem kurzen Clip fordert er seine Landsleute auf, wegen der andauernden Probleme in der Türkei – er nennt unter anderem Massenverhaftungen, Korruption, Bestechung und Bigotterie – am Silvesterabend nicht zu feiern. Er werde das auch nicht tun. „Ich werde nicht feiern. Stattdessen werde ich zuhause und in Bars alles trinken, was ich kriegen kann“, sagt er. Und fügt hinzu: „Die Türkei ertrinkt in ihrer eigenen Scheiße.“ Şansal war über den Jahreswechsel im Urlaub in Nord Zypern verbracht, war aber von den Behörden dort als Reaktion auf das Video ausgewiesen worden und wurde von der Polizei am Flughafen in Istanbul festgesetzt.

Der Bürgermeister von Ankara, Melih Gökçek, lobte laut Medienmerichten auf Twitter die Attacke

Der Bürgermeister von Ankara, Melih Gökçek, lobte laut Medienmerichten auf Twitter die Attacke auf den Designer und Aktivisten. Der hätte „die ehrenvolle türkische Nation“ provoziert und hätte sich deswegen den Angriff selbst zuzuschreiben. Beste Uyanık, eine Moderatorin des Nachrichtenkanals CNNTürk, hatte vor dem Angriff in einem inzwischen gelöschten Tweet verlangt, man solle Şansal „mal zeigen wie wichtig er wirklich ist.“ Eine Nachrichtenagentur hatte den genauen Zeitpunkt und Ort verbreitet, zu dem Şansal am Istanbuler Flughafen ankam. Der Designer war 2012 schon einmal wegen seines Einsatzes für LGBTI auf offener Straße blutig geprügelt worden. Erst im November war ein anderer LGBTI-Aktivist verhaftet worden. (MÄNNER-Archiv)

Bild: Screenshot/Youtube Turkey News


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